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Lübeck Kleingärtner in Angst: Warum brennt es immer wieder?
Lokales Lübeck Kleingärtner in Angst: Warum brennt es immer wieder?
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12:17 22.05.2019
Jasmin Markmann (33) traut sich nicht mehr, mit ihrem Sohn Justin (9) im Garten zu übernachten. Quelle: Lutz Roeßler
Buntekuh

Schwarz ragen die verkohlten Bäume am Wegesrand empor, schwarz sind die Stützpfeiler auf dem Grundstück dahinter. Die Pfeiler, der stehen gebliebene Türrahmen und die herumliegenden Trümmer erinnern daran, dass hier einmal eine Hütte stand. Am Mittwoch vergangener Woche ist sie am helllichten Tag niedergebrannt. Es war der dritte große Laubenbrand in der Anlage des Kleingärtnervereins Buntekuh innerhalb von zwei Monaten. Am 24. März brannten vier Lauben nieder, am 25. April noch einmal vier.

Der Garten, der vergangene Woche brannte, liegt am äußersten, nordöstlichen Rand der Anlage. Wie die meisten Gärten in diesem Bereich liegt er schon länger brach. Statt Gemüse, Obst und Rasen wachsen hier Disteln, Sauerampfer und Pusteblumen zwischen Gestrüpp und Gerümpel.

Brände in Lübecker Kleingärten

Im Rotenhauser Feld brannte es in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai. Eine Laube wurde zerstört, vier beschädigt.

In der Anlage Lauerhof brannte es Anfang des Jahres dreimal in dichter Folge: am 15., 21. und 25. Januar. Dort hatten schon am 17. Oktober 2018 drei leerstehende Lauben in Flammen gestanden .

Viermal brannte es 2017 im Kücknitzer Kleingartenverein. Die mutmaßlichen Täter wurden von der Polizei ermittelt.

Der Verein will diesen Bereich der Anlage aufgeben. Er muss sich nur noch mit der Stadt über die Rückgabe des Geländes einigen. 330 von 778 Parzellen des Vereins stehen nach Angaben des Vorsitzenden Thorsten Wildner leer, die meisten in dem Gebiet, in dem es die letzten Brände gab.

Wenige Gärtner sind geblieben

Nur wenige Gärtner harren noch aus. Zwischen akkurat bepflanzten Beeten mit Zwiebeln, Kohl, Knoblauch, Erdbeeren, Salat und Bohnen arbeitet Hayrettin Turhan (70). Seit 1992 bestellt er diesen Garten. Er war dort, als am Mittwoch vergangener Woche die Löschzüge und die Polizei kamen, und er macht sich Gedanken. Es könne auch bei ihm passieren, sagt er. „Ich habe immer Angst. Ein Bandit kann alles kaputt machen.“ 2006 ist seine eigene Laube abgebrannt. Er hat alles wieder aufgebaut und will hierbleiben, solange es noch geht.

Die Feuer in der Kleingartenanlage hinterließen große Schäden.

Jasmin Markmann (33), die eng befreundet ist mit den Besitzern einer der im April abgebrannten Lauben, traut sich nicht mehr, mit ihren Kindern im Garten zu übernachten. Ihr Mann und ihre Schwiegereltern haben die Laube gebaut, die sie mit ihrer Familie seit 14 Jahren nutzt. Auch dieser Garten liegt in dem Gebiet, das bald aufgegeben werden soll. Einbrüche, erzählt sie, habe es bei ihr schon mehrere gegeben. „Aber wir geben nicht auf“, sagt sie trotzig.

Die Polizei ermittelt noch

Die Polizei ermittelt in allen drei Fällen. Im ersten Fall hält sie es für möglich, „dass der Brand möglicherweise durch den unsachgemäßen Umgang mit Feuer beim Grillen ausgebrochen ist“, wie es in einer schriftlichen Antwort auf eine LN-Anfrage heißt. Beim zweiten Brand, der in der Nacht zum 26. April ausbrach, gibt es danach noch keine Erkenntnisse. Sachdienliche Zeugenhinweise seien nicht eingegangen. Ob der dritte Brand mit einem der beiden vorherigen in Zusammenhang stehe, sei noch Gegenstand der Ermittlungen.

Sven Spindler (29) sagt, der Brand am 26. April sei von einem Kunststoff-Welldach an der Laube seiner Schwester ausgegangen. Seine eigene Laube sei von dem Feuer beschädigt worden, sein Geräteschuppen ganz abgebrannt. Zwei Wochen vorher, erzählt er, habe es an dem Welldach schon einmal gebrannt. Damals habe er das Feuer mit einem Eimer Wasser löschen können.

Leerstehende Lauben sind ein Risiko

Laubenbrände in Kleingartenanlagen habe es schon immer gegeben, sagt Hans-Dieter Schiller, Vorsitzender des Kreisverbands Lübeck der Gartenfreunde. „Aber jetzt ist es mehr geworden.“ Woran es liegt, kann er nicht sagen. Aber Leerstand, sagt er, sei ein Risiko. Das sieht auch Thorsten Wildner vom Kleingärtnerverein Buntekuh so. „Ich geh' mal davon aus, dass Brandstifter unterwegs sind“, sagt er. Die Laube, die vergangene Woche abgebrannt sei, habe zwei Monate vorher schon einmal gebrannt, wenn auch nur innen. „Ich lauf' ja schon nachts mit ein paar Obmännern und meinem Bruder Patrouille“, sagt er. „Aber man weiß ja nicht, wann die kommen.“

Hanno Kabel