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Lübeck Klettergerüst seit dem Frühjahr gesperrt
Lokales Lübeck Klettergerüst seit dem Frühjahr gesperrt
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20:58 01.08.2018
Stehen traurig und verärgert vor dem Zaun ums Klettergerüst (v. l.): Jessica Denker mit Fiete, Emilia mit Mama Gabriela Wende und ihrem kleinen Bruder David, Susanne Napor mit Noah und Ninsaw Napor mit Elijah. Quelle: Fotos: S. Risch
St. Lorenz Süd

Es ist voll an diesem heißen Sommerabend im „Lunapark“, mehrere Mütter mit Kindern bevölkern den Spielplatz, unter schattenspendenden Bäumen sitzen weitere Gruppen von Frauen. Der kleine Fiete (5) wäscht an der Wasserpumpe seine Sandspielzeuge aus. „Aber eigentlich möchte er immer wieder gern auf das Klettergerüst“, sagt seine Mutter Jessica Denker (25), die alle zwei Tage mit ihrem Sohn auf den Spielplatz kommt. „Wir wollten schon Unterschriften sammeln“, schaltet sich Susanne Napor (37) ins Gespräch ein. Sie ist mit Ehemann Ninsaw (32) und den Söhnen Elijah (fast zwei) und Noah (3) auf dem Spielplatz. „Der Kletterturm“, sagt sie, „ist das eigentliche Highlight hier.“ Auch Gabriela Wende (26) ist mit Emilia (4) und David (2) jeden Tag hier. „Der Kletterturm“, sagt sie, „hat Emilia richtig viel Spaß gemacht.“ Auch seine Kinder wollten gern in den abgesperrten Bereich, sagt Christoph Holtz (35), Vater von Fiona (7), Fabian (5) und Felina (1). Für kleinere Kinder gebe es genug, „aber für größere ist es ohne Kletterturm langweilig.“

„Für größere Kinder ist es ohne Klettergerüst langweilig“, sagt Christoph Holtz mit Sohn Fabian (5).

Auch Sigrid Weinert, zugleich Sprecherin der Interessengemeinschaft Hansering, war die Sperrung schon unangenehm aufgefallen, als sie mit ihrer Enkeltochter auf den Spielplatz wollte. „In diesem Stadtteil“, sagt sie, „gibt es genug Kinder, die in den Ferien nicht wegfahren können – da sind sie auf den Spielplatz angewiesen.“

Dass in 14 Jahren einmal ein stark belastetes Netz kaputtgeht, ist nachvollziehbar. Doch dass zur Ersatzbeschaffung bisher mehr als drei Monate vergangen sind? Stadtsprecherin Nicole Dorel erklärt, der Schaden am Spielgerät sei Mitte April festgestellt, das Ersatzteil umgehend bestellt worden. Gerade bei Kletternetzen handele es sich aber oft um Einzelanfertigungen nach Maß – wie in diesem Fall.Ursprünglich war als Liefertermin die Woche ab dem 16. Juli geplant. Doch das ging schief. „Da es keine Pläne mehr zum Netz gibt, musste die Firma erst das alte Netz abbauen, um es dann als Vorlage für die Fertigung des neuen Netzes zu nutzen“, so Dorel. Dadurch komme es zu den Lieferverzögerungen. Allerdings war das defekte Netz nicht etwa im Mai oder Juni abgebaut worden, sondern erst kürzlich.

Es werde mit Hochdruck an der Reparatur des Spielgerätes gearbeitet, so Dorel, allerdings: „Ein neuer Liefer- und Montagetermin ist noch nicht bekannt.“ Vielleicht sei ja dann der Kletterturm mit Tunnelrutsche im November wieder nutzbar, spottet eine Mutter.

Derweil ist der Ausfall des Gerätes für die Kinder nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich: Das Gerüst samt Zaun steht nämlich auf Sand. Irgendwer scheint den Sand unterm Zaun an einer Stelle weggebuddelt zu haben. Kaum entdecken die kleinen Spielplatz-Nutzer das Loch, schieben sie sich, schneller als die Eltern handeln können, den Kopf voran unterm Zaun durch. Größere Kinder, so berichten Eltern, sollen in den Abendstunden regelmäßig über den Zaun klettern und sich so Zutritt zum Klettergerüst verschaffen.

Susanne Napor schlägt vor, den Zaun zu entfernen und lieber an der Stelle des Turms, wo sonst das Netz anschließt, provisorisch ein Brett als Verschluss des Turms anzubringen. Dann könnten die Kinder das beliebte Spielgerät gefahrlos nutzen – auch ohne Netz.

Der „Lunapark“

In zweijähriger Bauzeit war der Hanseplatz in St. Lorenz Süd als ein Meilenstein im Rahmen des Projektes „Soziale Stadt“ neu gestaltet worden. Im Mai 2004 fand die Eröffnung von Park und Spielplatz statt. Rund 538 000 Euro investierte man seinerzeit in die Umgestaltung der etwa 6500 Quadratmeter großen Fläche. Aus einer traurigen und schmuddeligen Grünfläche wurde der „Lunapark“ für alle Altersschichten.

Sabine Risch