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Lübeck Schüler sollen beim Klimaschutz einbezogen werden
Lokales Lübeck Schüler sollen beim Klimaschutz einbezogen werden
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11:38 18.04.2019
Jelle-Mika (7) und Jooma-Lasse Eschrich (10, v. l. ) beteiligten sich an der jüngsten Fahrrad-Demo von Fridays for Future. Vertreter der Bewegung sollen die Politiker beraten, fordern die Linken. Quelle: Tim Jelonnek
Lübeck

Die Überschrift des Linken-Antrags zur nächsten Bürgerschaftssitzung klingt dramatisch: „Klimanotstand in Lübeck ausrufen“. Fünf Punkte notieren die Linken. Einer davon lautet: Vertreterinnen von Fridays for Future Lübeck sollen im Umweltausschuss der Bürgerschaft regelmäßig zu Klimaschutzthemen gehört werden.

703 Photovoltaikanlagen gibt es in Lübeck – hier ist die Sonnenstromanalge auf dem Dach der MuK zu sehen. Sieben Gigawattstunden Strom speisen diese Anlagen insgesamt ins Netz ein. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

In ihrer Begründung zeichnet die Linke ein düsteres Bild vom Klimaschutz in Lübeck. Die Stadt sei landesweit Schlusslicht. Schon vor Jahren habe Lübeck wichtige Weichenstellungen verpasst, kritisiert der Kreisvorsitzende Sebastian Kai Ising, das Engagement von Klimaschutzleitstelle und Bürgerenergiegenossenschaft versande im Verwaltungs-Nirwana. Beim Radwege- Ausbau komme die Stadt genauso wenig voran wie bei einem modernen Busverkehr.

Ralf Giercke vom Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft bei der Schlüsselübergabe des Wasserkraftwerks an der Mühlenbrücke. Die Genossenschaft prüft weitere Wasserkraftanlagen, unter anderem im Tremser Teich. Quelle: Olaf Malzahn

Die Bürgerenergiegenossenschaft hat ausgerechnet, wie viel Strom aus Wind, Wasser und Sonne in Lübeck produziert wird. Danach sind es magere 3,1 Prozent. Linken-Vorsitzender Ising bezeichnet das als erschreckend: „Der bundesdeutsche Durchschnitt beträgt 39 Prozent.“ Laut Umweltbericht der Stadtwerke gibt es in der Stadt aktuell 703 Photovoltaikanlagen, vier Windmühlen und ein Wasserkraftwerk. Die gesamte Stromproduktion beträgt 28 Gigawattstunden. Insgesamt werden in Lübeck jährlich 881 Gigawattstunden Strom an Haushalte und Betriebe abgegeben.

Das fordert Fridays für Future

Die Lübecker Gruppe von Fridays for Future hat bei einem Treffen mit städtischen Vertretern einen Forderungskatalog vorgelegt. Die Schülerinnen und Schüler fordern eine autofreie Innenstadt, einen besseren und günstigeren Nahverkehr, einen kostenlosen Busverkehr für Schüler, Azubis und Erwerbslose und eine schnellstmögliche Anbindung Lübecks an den Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Außerdem soll die Stadt die Radwege in Ordnung bringen, das Netz ausbauen und mehr Stellplätze für Räder installieren.

Bei Windkraftanlagen fehle Lübeck der Platz, räumt Ralf Giercke von der Bürgerenergiegenossenschaft ein. Aber es gebe unzählige Dächer auf öffentlichen Gebäuden. Giercke: „Lübeck hat viele wunderbare Flächen für die Sonnenenergie.“ Doch die Verwaltung und das Gebäudemanagement würden Projekte immer wieder ausbremsen. Schon zwei Mal konnte die Genossenschaft einen größeren Solarpark nicht bauen – mal steht die Hafenentwicklung im Weg, mal die Furcht um Zauneidechsen. Gegen die Nutzung von Dächern öffentlicher Gebäude würden immer wieder statische Probleme ins Feld geführt.

Silke Mählenhoff (Grüne), Vorsitzende des Umweltausschusses: „Wir müssen jetzt etwas für den Klimaschutz tun.“ Quelle: Lutz Roeßler

„Wir versuchen immer wieder, Solaranlagen in Bebauungsplänen festzuschreiben“, erklärt Silke Mählenhoff (Grüne), Vorsitzende des Umweltausschusses der Bürgerschaft, „aber das ist in Lübeck ein dickes Brett.“ Wenn die Stadt in diesem Tempo weitermache, „können wir den Klimawandel nicht stoppen“, sagt Mählenhoff. Die Grünen werden den Klimanotstand-Antrag der Linken unterstützen.

Die Stadtwerke rechnen anders

Die Stadtwerke sehen ihre Klima-Bilanz ganz anders. Der Primus unter den Stromlieferanten in der Hansestadt kann zwar nur wenig Saft aus regenerativen Energien produzieren, aber jede Menge davon einkaufen. „Der Anteil regenerativer Energien an unserem Strom-Mix liegt bei 52 Prozent und damit weit über dem deutschen Durchschnitt“, sagt Unternehmenssprecher Lars Hertrampf. Für mehr Strom aus Wind, Wasser oder Sonne, produziert in Lübeck, bräuchte es andere politische Rahmenbedingungen.

Die städtische Umweltbehörde rechnet ebenfalls anders als die Linken und die Energiegenossenschaft. 2015 seien rund 70 Gigawattstunden aus erneuerbaren Energien produziert worden, sagt das Umweltamt. Es rechnet den Biomethanstrom der Entsorgungsbetriebe Lübeck dazu. Die Behörde: „Das entspricht knapp fünf Prozent des Gesamtabsatzes.“

Umweltbehörde: Vergleich der Linken hinkt

Der Vergleich mit den bundesdeutschen Zahlen hinke, sagen die städtischen Umweltexperten. 39 Prozent Ökostrom sei der Gesamtanteil an erneuerbaren Energien im Stromnetz. Dazu würden große Windparks außerhalb von Städten beitragen. Das Umweltamt: „Städte sind aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte hohe Stromverbraucher, können aus dem gleichen Grund aber nicht gleichzeitig in hohem Maße Stromproduzenten sein.“

Aber auch die Umweltbehörde sieht den besten Weg, die Menge des in Lübeck produzierten Ökostroms zu erhöhen, in der Nutzung von Dächern für Solaranlagen.

Kai Dordowsky

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