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Lübeck Kompromiss im Lübecker Schlachthof-Streit: Kaufland kann kommen
Lokales Lübeck Kompromiss im Lübecker Schlachthof-Streit: Kaufland kann kommen
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07:25 20.08.2019
Das Schlachthof-Areal: Das drei Hektar große Grundstück liegt zwischen Katharinenstraße (vorne) und Schwartauer Allee (hinten). Auf dem Gelände sollen Wohnungen gebaut werden – und ein Kaufland. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Jetzt geht es voran: Auf dem Schlachthof-Areal wird gebaut – nach 13 Jahren Stillstand. Die Große Koalition hat einen Kompromisses ausgehandelt. Der Kern: Kaufland kann kommen. Aber: Es gibt weniger Supermarkt und weniger Innenstadt-Sortiment. Dafür müssen mehr Wohnungen und mehr Sozialwohnungen gebaut werden. Der Investor stimmt dem zu.

Bauausschuss segnet Schlachthof-Plan ab

Die Zeitschiene: Baustart ist für Ende 2021/Anfang 2022 angepeilt. 2023 sollen die ersten Gebäude stehen. Fertig könnte alles 2024 sein. Der Bauausschuss hat das Projekt abgesegnet – mit Stimmen von SPD, CDU, FDP. Die Bürgerschaft muss Ende des Monats noch zustimmen.

Große Koalition für Kaufland

„Auf dem Schlachthof-Gelände muss jetzt etwas passieren“, sagt SPD-Fraktionschef Peter Petereit. „Das Rattenhotel muss weg“, macht CDU-Vormann Oliver Prieur klar. „Wir wollen nicht, dass das Denkmal Schlachthof noch weiter verfällt“, sagt Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses. Die FDP stimmt dem zu. Thomas-Martin Leber: „Das ist ein sympathischer Entwurf.“

Auf dem Schlachthof-Areal: Oliver Prieur (CDU), Christopher Lötsch (beide CDU) und Peter Petereit (SPD). Die Große Koalition hat einen Kompromiss für das riesige Grundstück an der Schwartauer Allee ausgehandelt. Quelle: Lutz Roeßler

Grüne und Unabhängige dagegen

Massive Kritik kommt von den anderen Parteien. „Niemand braucht einen Supermarkt an dieser Stelle“, lehnt Axel Flasbarth den Kompromiss ab. „Diese Lösung hätten wir auch schon vor 13 Jahren haben können“, ärgert sich Ragnar Lüttke (Linke). „Das ist eine verhängnisvolle Reise, die wir da beginnen“, warnt Frank Müller-Horn (Unabhängige).

Kaufland kommt nach Lübeck

Konkret: Auf dem Areal entsteht ein Markt mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 3150 Quadratmetern. Davon nehmen Kaufland und ein Getränkemarkt die größte Fläche ein – insgesamt 2900 Quadratmeter. Hinzu kommen kleinere Läden wie eine Bäckerei mit 250 Quadratmetern. Innenstadt-Sortimente dürfen auf fünf Prozent der Fläche verkauft werden.

Neues Quartier mit 250 Wohnungen

Im Gegenzug macht Kaufland aus dem Areal ein Wohnquartier – für schätzungsweise 400 Leute. Auf dem Grundstück sollen mindestens 250 Wohnungen errichtet werden mit jeweils 70 Quadratmetern. Davon müssen mindestens 100 Sozialwohnungen sein. Das sind 40 Prozent. Insgesamt sollen 21 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche fürs Wohnen gebaut werden. Das ist mehr als ursprünglich von Kaufland geplant.

Das Areal an der Schwartauer Allee liegt seit 2006 brach. Diese Fotos sind bei einem Rundgang 2017 entstanden.

Abgespeckte Kaufland-Version

Der Vergleich: Investor Kaufland wollte bisher 3300 Quadratmeter Verkaufsfläche für Supermarkt, Getränkemarkt und Bäckerei. In der ersten Version waren es sogar 3800 Quadratmeter. Innenstadt-Sortimente sollten auf zehn Prozent der Fläche feilgeboten werden. Das Wohnquartier war geplant mit 130 Wohnungen à 70 Quadratmeter Fläche. Vorgesehen waren 39 Sozialwohnungen.

Kaufland-Plan: Stadt ist skeptisch

Skeptisch reagiert die Stadt. „Der Kaufland wird nur um 150 Quadratmeter reduziert“, rechnet Stadtplanerin Christine Koretzky vor. Außerdem: „Ich weiß nicht, auf welcher Fläche 250 Wohnungen errichtet werden sollen.“ Denn schon bei der Version mit 130 Wohnungen würde das Grundstück sehr eng bebaut.

Seit Jahren lehnt die Stadtplanung die Kaufland-Pläne vehement ab. Der Kaufland war ihr stets zu groß, er mache die bestehenden Märkte kaputt. Sie will 300 bis 400 Wohnungen und keinen Supermarkt. Denn in der Nähe gibt es bereits zwei Supermärkte. Einen Rewe-Markt an der Schwartauer Allee/Ecke Matthäistraße. Und an der Straße Bei der Lohmühle 84 kann ein Supermarkt gebaut werden. Das Baurecht dafür gibt es schon.

Großer Zukunftsplan für St. Lorenz Nord

Der Schlachthof ist Teil eines viel größeren Zukunftsplans. Denn der Stadtteil St.Lorenz Nord soll schöner werden. Die Stadt hat ein 68 Hektar großes Areal rund um die Roddenkoppel ausgewählt. Satte 72 Millionen Euro sollen dort investiert werden – bis 2040. Dafür will die Stadt Geld vom Land und vom Bund. Jetzt wird der Schlachthof aus dem Zukunftsprojekt herausgelöst – aber nur zeitlich. Auf dem Schlachthof soll es früher losgehen. Aber: Die Planer müssen nicht nur den ehemaligen Schlachthof bedenken, sondern zugleich den großen Plan für St. Lorenz Nord im Blick behalten.

Schlachthof steht unter Denkmalschutz

Das Schlachthof-Areal hat Besonderheiten: Die alten Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Sie müssen erhalten und in den Plan integriert werden. Außerdem muss Kaufland einen begrünten Weg von der Schwartauer Allee bis zur Roddenkoppel errichten. Und: Die Parkplätze sollen größtenteils unter der Erde verschwinden.

Ein Wettbewerb für den Schlachthof

Die Zeitschiene: Investor Kaufland muss einen Wettbewerb ausloben. Das Ergebnis wird in einem Jahr erwartet. Danach muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden: Ende 2021/Anfang 2022 könnte es Baurecht geben. Dann kann es losgehen. Ein bis zwei Jahre dauert es meistens, bis die Gebäude dann stehen. Lötsch: „In drei Jahren sollte etwas zu sehen sein.“

Von Josephine von Zastrow