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Lübeck Kostenlose Verhütungsmittel für bedürftige Frauen auch in Zukunft?
Lokales Lübeck Kostenlose Verhütungsmittel für bedürftige Frauen auch in Zukunft?
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14:16 16.05.2019
Übernimmt die Stadt die Kosten für Verhütung bei Einkommensschwachen. Quelle: Heike Hiltrop
Lübeck

Von Oktober 2016 bis Ende März 2019 hat die Beratungsstelle Pro Familia Lübeck 1500 Frauen zu kostenlosen Verhütungsmitteln verholfen. Lübeck war einer von bundesweit sieben Standorten eines Modellprojekts. Frauen, die auf Hartz IV, Sozialhilfe, Bafög, Wohngeld oder Asylbewerberleistungen angewiesen waren oder deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze lag, konnten Anträge auf ärztlich verordnete Verhütungsmittel stellen. Pro Familia hat die Anträge bewilligt, das Bundesfamilienministerium hat die Kosten getragen.

Anne Potthoff leitet die Beratungsstelle von Pro Familia in Lübeck: „Wir sind stolz auf das Modellprojekt kostenlose Verhütungsmittel.“ Quelle: 54° / Felix Koenig

„Wir sind stolz auf das Projekt“, sagt Anne Potthoff, Leiterin der seit 48 Jahren bestehenden Beratungsstelle. Pro Familia hofft, dass der Bund irgendwann in ganz Deutschland die kostenlosen Verhütungsmittel für Bedürftige übernimmt. Bis dahin behelfen sich viele Kommunen mit eigenen Lösungen. „Lübeck ist umzingelt von Kreisen und Kommunen, die kostenlose Verhütungsmittel anbieten“, sagt Potthoff und nennt Stormarn, Herzogtum Lauenburg, Kiel, Neumünster, Nordfriesland oder Rendsburg-Eckernförde.

Potthoff appelliert an die Lübecker Politiker, „die Frauen nicht bis zu einer bundesweiten Lösung warten zu lassen.“ Die Nagelprobe steht bereits am 23. Mai an. Die Linke hat einen Antrag in der Bürgerschaft gestellt, dass die Stadt das bisherige Modellprojekt auf eigene Kosten fortführen soll. Andreas Müller, Sozialpolitiker der Linken, beziffert die Kosten auf 150 000 Euro im Jahr.

2012 organisierten mehrere Verbände die Bewilligung von kostenlosen Verhütungsmitteln. Den Projektstart verkündeten damals (v.l.) Petra Schmittner (Frauenbüro), Sophia Leopold (Diakonie), Anne Potthoff (ProFamilia), Heike Bruhns (Caritas), Manuela Siegerink-Schröder (Caritas) und Helga Lenz (Humanistische Union). Quelle: LN-Archiv

Die Hansestadt hat schon einmal kostenlose Verhütungsmittel für Bedürftige finanziert. Petra Schmittner vom Frauenbüro: „Im Februar 2011 beschlossen SPD, Grüne und Linke ein Modellprojekt, das ein Jahr laufen sollte und mit 60 000 Euro ausgestattet wurde.“ 400 Anträge wurden damals von Gemeindediakonie, Caritas und Pro Familia, die das Projekt gemeinsam organisierten, bewilligt. Als das Geld alle war, konnte sich Rot-Rot-Grün nicht zu einer Verlängerung durchringen. Jetzt hofft Petra Schmittner vom Frauenbüro, dass die Bürgerschaft dem Linken-Antrag zustimmt.

Pro Familia in neuen Räumen

Die Beratungsstelle Pro Familia ist vor einem halben Jahr von der Dr.Julius-Leber-Straße in die Fackenburger Allee 11 umgezogen. Die neuen Räume wurden jetzt eingeweiht und sind weitgehend barrierefrei. „Finanziert wurde der Umbau des neuen Domizils durch mehrere Stiftungen, unter anderem die Franz-Beckerbauer-Stiftung.

Verhütungsmittel wie Pille, Spirale oder Spritze können bis zu 350 Euro kosten, sagt Pro Familia. Weil der Bund seit 2004 nicht mehr die Kosten übernimmt, müssen arme Frauen sehen, wie sie das Geld zusammenkratzen. „Es gibt Frauen, die sich die Pille teilen“, berichtet Claudia Tiedemann von Pro Familia.

Barrierefreie Beratungsräume

Die Beratungsstelle hat die drei Jahre Modellprojekt umfangreich ausgewertet. „Die Lebensumstände von armen Frauen sind teilweise erschütternd“, erklärt Tiedemann. Manche müssten mehrfach in der Beratungsstelle vorsprechen. Für diese Frauen werde schon die Busfahrerei zur finanziellen Hürde. Die Beraterin: „Busfahren in Lübeck ist ganz schön teuer.“ Frauen, die in Einrichtungen leben, hätten nur ein kleines Taschengeld, das für Verhütungsmittel nicht reiche. Andere seien arm, obwohl sie den ganzen Tag arbeiten gingen.

Kai Dordowsky

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