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Lübeck Kreuzweg: Gemeinsam Zeugnis ablegen
Lokales Lübeck Kreuzweg: Gemeinsam Zeugnis ablegen
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20:10 26.03.2018
Der Kreuzweg – hier 2016 mit Bischöfin Kirsten Fehrs und Erzbischof Dr. Stefan Heße, die das Kreuz tragen, beginnt stets in der Seefahrerkirche St. Jakobi und ist 1,65 Kilometer lang.
Der Kreuzweg – hier 2016 mit Bischöfin Kirsten Fehrs und Erzbischof Dr. Stefan Heße, die das Kreuz tragen, beginnt stets in der Seefahrerkirche St. Jakobi und ist 1,65 Kilometer lang. Quelle: Foto: Ln-Archiv, Risch
Innenstadt

Es ist inzwischen schon eine Tradition, dass Christen beider Konfessionen am Karfreitag gemeinsam – in Ökumene – den ältesten Kreuzweg Deutschlands von St. Jakobi durchs Burgtor hinaus bis auf den Jerusalemsberg gehen. 2018 ist es 75 Jahre her, dass die vier Lübecker Märtyrer vom nationalsozialistischen Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in Hamburg hingerichtet wurden. Diesem Thema hat sich das Vorbereitungsteam für den Kreuzweg – Jakobi-Pastor Lutz Jedeck, der katholische Propst Christoph Giering, Pressesprecher Marco Chwalek vom Erzbistum Hamburg und der einstige Ministerpräsident Björn Engholm – gewidmet.

„Ihr werdet meine Zeugen sein! – Wofür stehst du?“ So ist der ökumenische Kreuzweg überschrieben, der am Karfreitag, 30. März, um 10 Uhr in St. Jakobi beginnt. An fünf Stationen halten Kirchenvertreter und andere kurze Ansprachen. Bis zu 1000 Teilnehmer werden erwartet.

„Wofür stehst du in einer Welt der divergierenden Werte“, so Jedeck, sei eine Frage, die sich jeder, insbesondere jeder Christ, stellen müsse. „Ihr werdet meine Zeugen sein“, so Christoph Giering, sei zwar ein biblisches Wort, aber auch vor Gericht hätten sich beispielsweise die Lübecker Märtyrer der Frage stellen müssen, wofür sie stehen, wofür sie bereit seien, einzustehen. Auch bei der Verurteilung und beim Kreuzweg Jesu sei das das zentrale Thema gewesen, ergänzt Jedeck: „Pontius Pilatus wusste eigentlich, dass Jesus unschuldig ist, aber die Angst vor dem Machtverlust war größer als der Mut zur Wahrheit.“ Für den Sozialdemokraten Björn Engholm gilt: „Nicht zuschauen, sondern sich auflehnen gegen Unrecht!“

Am Lübecker Kreuzweg 2018 beteiligen sich neben den bereits genannten Akteuren Bischöfin Kirsten Fehrs, Pröpstin Petra Kallies, Belén Diaz-Amodia, Landtags-Vizepräsidentin Kirsten Eickhoff-Weber und Erzbischof Dr. Stefan Heße. An allen fünf Stationen des Kreuzweges übernehmen die Genannten kleine Lesungen und Ansprachen. Der Weg ist mit einer Länge von 1,65 Kilometern ebenso lang wie die „Via dolorosa“ in Jerusalem.

Wer am Karfreitag neben den Stationen des Kreuzweges auch den Leidensweg der vier Märtyrer nachvollziehen möchte, kann den im Sommer 2013 geschaffenen Skulpturenweg gehen. Er geht von der Lutherkirche (Moislinger Allee) über die Propsteikirche Herz Jesu (Parade) zum Burgkloster/Burgtor, wo sich Kreuzweg und Märtyrerweg kreuzen, sowie von dort zur Justizvollzugsanstalt Lauerhof – oder in beliebig anderer Reihenfolge.

Der Kreuzweg am Karfreitag beginnt um 10 Uhr in der Seefahrer- und Pilgerkirche St. Jakobi. Jedermann ist eingeladen, mitzugehen.

Der Weg

Der Lübecker Kaufmann und Ratsherr Heinrich Konstin hatte eine Pilgerreise nach Jerusalem unternommen und verfügte in seinem Testament, dass von seinem Vermögen ein Kreuzweg gebaut werden solle.

Er verstarb 1482.

Der Weg beginnt an einem Relief an St. Jakobi und endet am Jerusalemsberg, den Konstin hatte aufschütten lassen. In der Franzosenzeit war der Hügel zum Teil abgetragen worden.

Sabine Risch