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Lübeck Kultfest auf der „Walli“ — seit 35 Jahren
Lokales Lübeck Kultfest auf der „Walli“ — seit 35 Jahren
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18:42 25.11.2013
25 Bands auf drei Bühnen: Yukazu ist eine davon. Die Musiker aus Berlin stehen auf der großen Maiwiesen-Bühne und spielen frankophonen Gipsy-Pop — zur Freude der „Walli“-Gemeinde. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Abendsonne am Stadtgraben. Auf dem Uferhang sitzen Leute dicht an dicht — manche gerade 15 Jahre alt, andere in der Mitte der Vierziger. Sie blinzeln in die Sonne, ein Bier in der Hand oder einen Cidre, Reggae-Musik im Hintergrund, zu der sich ein paar Leute rhythmisch bewegen auf der erdigen Tanzfläche unterm Baum. Festival-Flair auf der „Walli“ — so entspannt und bunt ist Lübeck nur einmal im Jahr: Immer am 1. Mai beim Maifest der Alternativen. Seit 35 Jahren.

Die einen kommen wegen der Zauberer und der Schmink-Aktionen für die Kinder am Nachmittag, die anderen wegen der außergewöhnlichen Musik und der Bands am Abend. Aber alle sind sie da, weil es Menschen gibt, die man nur hier wiedertrifft. Wie Mone. Die 32-Jährige hat früher auf der „Walli“ im Bauwagen gelebt. Hier sieht sie ihre ehemaligen Mitbewohner wieder, die heute verstreut in der Republik leben. „Klar, das Maifest ist ein Anziehungspunkt“, sagt sie. Auf das Gesicht ihrer kleinen Tochter Lotta Victoria ist ein blassrosa Schmetterling geschminkt — und der Wildfang zieht sie gleich ein Stück weiter.

Wenn Maifest ist, dann ist das Gelände auch voller Menschen, die sonst eher selten auf der „Walli“ aufschlagen. So auch Tanja (33). Sie gehört nicht zur linken Szene, ist aber begeistert vom Fest — wie ihre fünfjährige Tochter. „Das Publikum ist bunt — definitiv“, sagt sie. „Ja. Es ist ein soziales Happening“, stimmt Christoph zu. Der 43-jährige Vater ist ein Urgestein der Alternativen, organisiert Konzerte im Treibsand — und stellt mit den anderen vom Kollektiv auch die Musik fürs Maifest zusammen. Ihr Auswahl-Prinzip: simpel.

„Wir buchen die Musik, die uns gefällt.“ 25 Bands spielen auf drei Bühnen — das Ganze für zwölf Euro. Viele der Künstler sind unbekannt, dafür können sie aber vor großem Publikum spielen. Denn in der Musik-Szene hat es sich herumgesprochen, dass das Maifest auf der „Walli“ immer 4000 bis 5000 gut gelaunte Menschen anlockt. „Es gibt eine Einheitsgage“, so Christoph. 350 Euro — mehr nehmen die Künstler nicht mit nach Hause, haben aber dafür das Erlebnis, dass ihre Musik die Zuhörer begeistern kann. Wie „La Mine de Rien“ — die Franzosen schauen auf ihrer Tour in Lübeck vorbei und bringen mit einer Mischung aus Ska und Swing die Menge zum kollektiven Wogen. Ein fantastisches Klarinetten-Solo — und das Publikum will die Jungs nicht mehr von der Bühne lassen. Die Bands kommen aus Luxemburg, Großbritannien, Schweden, Dänemark — klar, auch aus Deutschland. Selbst das Publikum reist weit an: Kassel, Köln, Wendland — die Mitfahrgelegenheiten nach Lübeck sind ausgebucht am 1. Mai.

Das liebevoll gestaltete Fest haben 50 Leute auf die Beine gestellt. Ehrenamtlich. Einer davon ist Lutz, der Vereinschef der Alternativen. Der 59-Jährige hält den „Sack Flöhe zusammen“, wie er es nennt. Er hofft, dass die Debatte rund um den Erhalt oder Nicht-Erhalt der Alternativen nach 35 Jahren endlich beendet ist. 2003 sollte sie von der „Walli“ verschwinden. Der CDU war sie ein Dorn im Auge. Die Szene hat sich erfolgreich gewehrt. „Jetzt haben wir auf dem Gelände viel investiert“, sagt Lutz. Für 100 000 Euro wurden die Dächer der Gebäude erneuert, 90 000 Euro hat die Possehl-Stiftung bezahlt. Das Meiste wurde in Eigenarbeit gemacht.

Wie auch das Maifest. Arbeiten, weil‘s Spaß macht, heißt die Devise. Auch für Melli (38) und Stefan (54). Sie verkaufen Pilzpfanne und Fisch aus Gothmund für drei Euro. „Ich bin eigentlich Unternehmer“, sagt Stefan Kürle vom Technischen Großhandel in der Beckergrube. Und warum steht er in seiner Freizeit an der Pfanne? „Weil das nicht alles gewesen sein kann.“

Josephine von Zastrow

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