Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Kultkneipe Jutta’s Eck auf dem Priwall schließt nach 41 Jahren
Lokales Lübeck Kultkneipe Jutta’s Eck auf dem Priwall schließt nach 41 Jahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
17:42 19.10.2019
Ende nach 41 Jahren: Jutta und Udo Kurth schließen ihr Strandbistro auf dem Priwall. Mit ihnen hört auch die langjährige Angestellte Waltraud Wydmuch (r.) auf. Quelle: Thomas Krohn
Anzeige
Travemünde

Vor 41 Jahren übernahm Jutta Kurth den Kiosk am Dünenweg auf dem Priwall. Seitdem hat sich das Lokal zu einem beliebten Anlaufpunkt für Einheimische und Urlauber entwickelt. Ob Camper, Urlauber, Priwallbewohner oder Tagesgäste – „Jutta’s Eck“ kennt auf der Halbinsel fast jeder. Bereits vor zwei Jahren wollten Jutta Kurth und ihr Ehemann Udo, der seit vielen Jahren das Bier zapft, aufhören.

Sie machten weiter, auch wegen der vielen Stammgäste. Im vergangenen Jahr feierten sie zum 40-jährigen Jubiläum ein großes Fest mit Livemusik. Doch jetzt ist endgültig Schluss. Am Wochenende schließen sich die Pforten des ältesten noch betriebenen Lokals auf dem Priwall, das letzte vor der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern.

Nach 41 Jahren geben die Betreiber von Jutta’s Eck auf dem Priwall auf. Jutta und Udo Kurth schließen die Kultkneipe.

Ältestes Lokal auf dem Priwall schließt nach 41 Jahren

Über dem Tresen sind Aufkleber angebracht mit Kneipensprüchen wie „Nüchtern siehst du furchtbar aus“, „Bier ist mein Gemüse“ und „Hinter jeder langen Ehe steckt immer eine kluge Frau“. Das Mobiliar im Gastraum und draußen an den Stehtischen gibt Zeugnis von der Einrichtungskultur vergangener Jahre, ebenso wie die Blumenaufkleber an den Fenstern zwischen den akkurat hängenden weißen Gardinen mit Rüschen.

Jutta’s Eck“ ist – zumindest optisch – irgendwie in den 1970er-Jahren stehengeblieben. Doch der besondere Charme blieb erhalten, denn das Lokal ist längst Kult und Treffpunkt sowohl für Priwallbewohner als auch für Urlauber.

Vom Strandkiosk zur Kultkneipe

Viel erlebt hat das Ehepaar Jutta (71) und Udo (72) Kurth seit der Übernahme des Betriebs. 1978 hatten sie das Lokal, das damals noch als Strandkiosk betrieben wurde, keinen Namen hatte und von den Priwallbewohnern „Jordans Eck“ genannt wurde, gepachtet.

Ein Jahr danach kauften sie die Strandbude und gaben ihr einen neuen Namen: „Jutta’s Eck“. „Am 1. Mai 1978 war Eröffnung. Ich habe an diesem Tag gerade einmal 50 Pfennig eingenommen. Da dachte ich, das wird im Leben nichts“, erinnert sich Jutta Kurth.

Doch dann kam Pfingsten, ein Wochenende, an das sich das Wirtsehepaar noch wie heute erinnert: „Ein Super-Wetter, es war die Hölle los. Unsere Fritteusen konnten das nicht schaffen.“

Ausbau an den Dünen

Im Laufe der Jahre wurde das Gebäude, das anfangs noch direkt am Strand lag und später von den wachsenden Dünen „eingedeckt“ wurde, ausgebaut. Innenwände, die alle aus Pappe bestanden, wurden durch feste Wände ersetzt, eine Fläche an der Seite überdacht und Toiletten eingebaut.

In den 1970er-Jahren gab es noch einen Flipperraum, zudem Spielautomaten und eine Dartscheibe. In diesem Teil des Gastronomiebereichs hängt heute eine Leinwand, auf der Bundesliga- und Länderspiele per Beamer projiziert werden.

Lange Nächte mit den Stammgästen

Erst gab es nur Bockwurst, Pommes und Currywurst. Die Speisekarte wurde von Jutta Kurth kontinuierlich erweitert: Fisch in verschiedenen Variationen, Hausmannskost – und für Stammgäste gab es auch schon einmal besondere Gerichte, von Jutta selbst gemachte Rindfleischsuppe, Rinderrouladen und Entenbraten.

Überhaupt Stammgäste: „Mit den Campern, die viele Jahre zu uns kamen, haben wir mitunter bis in den frühen Morgen gefeiert. Wir haben oft gar nicht zugemacht“, erinnert sich Udo Kurth. Die meisten Camper seien aus Lübeck und Umgebung gekommen.

Zum Anfang der Saison mussten sie damals 350 Mark für den Jahresbeitrag auf dem Campingplatz zahlen. „Einige konnten das nicht, deshalb habe ich bei uns einen Sparclub eingerichtet. Jeder zahlte monatlich einen Betrag ein und freute sich, dass er im Frühjahr bei der Öffnung des Sparclubkastens genug Geld zusammen hatte.“

Eine Schaufensterpuppe als Wahrzeichen

Zum Erkennungszeichen für „Jutta’s Eck“ ist eine Schaufensterpuppe geworden: Seit mehr als 30 Jahren steht sie direkt am Eingang des Lokals. Gerd Lindau, langjähriger Stammgast, hatte die Puppe damals aus einem Sperrmüllcontainer in Lübeck geholt: „Ich dachte mir, das könnte zu Juttas Eck passen.“

Wenn der Hamburger SV ein Heimspiel hat, wird der Puppe ein Trikot des derzeitigen Zweitligisten übergestreift. Und wenn Deutschland zur WM oder Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb antritt, ein aktuelles Trikot der Nationalelf. Ansonsten je nach Wetter Pullover oder auch einmal leichtere Bekleidung.

Neue Betreiber im neuen Jahr

Ein Nachfolger für „Jutta’s Eck“ steht in den Startlöchern, genaueres darüber möchte das Wirtsehepaar allerdings noch nicht sagen. Jedenfalls soll es zur nächsten Saison am Seeweg auf dem Priwall weitergehen. Und was machen Jutta und Udo Kurth nach 41 Jahren als Gastronomen? „Wir werden keine Langeweile haben“, sind sie sich sicher.

Erst mal Urlaub machen, was sie die ganzen Jahre bisher nicht ausgiebig konnten. „Gran Canaria am liebsten, die Insel haben wir schon häufig besucht, allerdings nur im Winter.“ Bedanken wollen sie sich bei ihren Stammgästen, Freunden und Bekannten. „Wir werden uns ganz bestimmt wiedersehen, dann aber als Gäste am Stammtisch in Jutta’s Eck.“

Lesen Sie auch:

Von Thomas Krohn

Für 250 000 Euro sollen die Arkaden an Lübecks Rathaus hübsch gemacht werden. Dort wird der Belag erneuert. Eigentlich hätte der schon 2011 bei der Sanierung des Germanistenkellers gemacht werden sollen. Doch die Stadt musste damals sparen.

19.10.2019

Bei einem Feuer im Hutmacherring in Lübeck ist am Sonnabendmorgen, 2.30 Uhr, ein Pkw ausgebrannt. Polizei und Feuerwehr waren mit mehreren Fahrzeugen im Einsatz. Die Retter konnten ein Übergreifen der Flammen verhindern.

19.10.2019

Der Neubau am Zob verzögert sich: Das Intercity-Hotel wird erst nächstes Jahr gebaut. Der Grund: Der Berliner Projektentwickler hat so viel zu tun. Und: Es sollen drei Bushaltestellen umgebaut werden.

19.10.2019