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Lübeck Kulturmeile im Lübecker Rathaushof überraschend abgesagt
Lokales Lübeck Kulturmeile im Lübecker Rathaushof überraschend abgesagt
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17:26 10.07.2019
Der Rathaushof ist menschenleer. Die Idee, im Sommer Künstler in das Gebäude zu lassen, ist vom Tisch. Quelle: Felix König
Innenstadt

Das Programm war fertig, der Flyer druckfertig, 18 Künstlerinnen und Künstler standen bereit: In den Sommermonaten sollte der leer stehende Rathaushof mit acht Ausstellungen bestückt werden, bevor das Buddenbrookhaus vorübergehend mit seinem Shop hier einzieht. Doch die „Pop up Gallery“ im Rathaushof ist abgeblasen. Das städtische Gebäudemanagement (GMHL) braucht jederzeit Zugriff auf die Räume. Sobald Handwerksfirmen gefunden sind, soll der Umbau starten.

Michelle Akyurt, Fraktionschefin der Grünen im Rathaus: „Ich bin stinksauer.“ Quelle: Felix König

Grüne empört über Absage der Kulturmeile

Die Grünen, die als erste die Idee mit Kunst im Rathaushof hatten, sprechen von einem „total peinlichen Vorgang.“ Fraktionschefin Michelle Akyurt: „Die Hansestadt verprellt Künstler, ich bin stinksauer.“ Dass ein solches Projekt an „Abstimmungsproblemen innerhalb der Verwaltung scheitert, ist ein Armutszeugnis“.

Das städtische Kulturbüro hatte die Idee aufgegriffen und eine Ausschreibung gestartet. Geboten wurde die kostenlose Nutzung von zwei Räumen im Erdgeschoss des ehemaligen Restaurants für jeweils zehn Tage für Ausstellungen. Geboten wurde die zentrale Bewerbung der „Pop up Gallery“ durch das Kulturbüro sowie eine Aufwandsentschädigung von 500 Euro pro Ausstellergruppe.

„Pop up Gallery“ mit vielen Künstlern

Die Künstlerinnen und Künstler sollten die Pressearbeit in eigener Sache übernehmen sowie zwei Veranstaltungen garantieren. Im Gespräch waren eine Vernissage oder Finissage und ein Workshop, ein Konzert oder eine Lesung. Vom 5. Juli bis zum 15. September wollten sich Fotografen, Schriftsteller, Bildhauer und Grafiker mit ihren Werken präsentieren.

Blick von oben auf den Rathaushof: In das ehemalige Restaurant soll vorübergehend der Shop des Buddenbrookhauses ziehen, aber der Zeitpunkt steht immer noch nicht fest. Quelle: Timon Ruge

Unterschiedliche Ansichten zur Kulturmeile

Am 11. Juni berichtete Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos) im Kulturausschuss der Bürgerschaft, dass das Kulturbüro auf eine Rückmeldung des städtischen Gebäudemanagements warte. Die sollte spätestens am 17. Juni vorliegen.

Am 18. Juni erfolgte die Absage an die Künstlerinnen und Künstler. „Wir bitten Sie um Entschuldigung und Ihr Verständnis, dass wir aufgrund dieser fehlenden zeitlichen Planungsgrundlage unser Vorhaben, der Bespielung des Rathaushofs mit kulturellen Angeboten, also mit Ihnen, absagen müssen“, schrieb das städtische Kulturbüro. Immerhin soll den Kunstschaffenden eine kleine Entschädigung für ihre bisherigen Aufwendungen zukommen.

Christine Rudolf, Fotografie-Meisterin: „Zwei Termine mit uns wurden abgesagt, wir sind nie in das Gebäude hineingekommen.“ Quelle: Wolfgang Maxwitat

Keine feste Zusage an Künstler

Was ist eigentlich schief gelaufen? „Zu Beginn der Planungen zur kulturellen Rathaushofnutzung ging man davon aus, dass die Umbauarbeiten für das Buddenbrookhaus im Herbst beginnen und vorher die Räume für eine kulturelle Nutzung zur Verfügung stehen würden“, erklärt Stadtsprecherin Nicole Dorel. „Eine feste Zusage für die Nutzung der Räume für Künstlerinnen und Künstler gab es allerdings nicht, solange die Nutzung durch das Buddenbrookhaus nicht abschließend geklärt war.“

Gebäudemanagement braucht Zugriff aufs Rathaushof

Im Juni habe aber immer noch kein konkreter Termin festgestanden, ab wann mit den Umbauarbeiten für den Shop des Buddenbrookhauses begonnen wird. „Vor dem Hintergrund der angespannten Auftragslage im Baugewerbe hat sich das Gebäudemanagement vorbehalten, jederzeit Zugriff auf die Räumlichkeiten zu haben, um auch eine kurzfristige Durchführung der notwendigen Baumaßnahmen zu ermöglichen“, erklärt Nicole Dorel.

J. Georg Brandt, der mit seinen Werken gerade auf dem Hansetag in Pskov war: „Der Umgang ist wenig wertschätzend.“ Quelle: Lutz Roeßler

Künstler: Kein Zugang zum Rathaushof

Wie holperig der ganze Vorgang war, beschreibt die Fotografen-Meisterin Christine Rudolf: „Zwei Termine mit uns wurden abgesagt, wir sind nie in das Gebäude hineingekommen.“ Der Diplom-Künstler J. Georg Brandt, der mit Christine Rudolf und weiteren Kolleginnen Werke auf dem Hansetag im russischen Pskov gezeigt hat, findet deutliche Worte: „Der Umgang mit den Künstlerinnen und Künstlern ist wenig wertschätzend und extrem enttäuschend.“

Dass eine Verwaltung die Kulturveranstaltung und Belebung des Rathaushofes in dieser Art „sabotiert“, dürfte in kaum einer anderen Stadt vorkommen. Brandt fürchtet einen „Exodus von Kulturschaffenden“, sollten solche Entscheidungen Schule machen.

Architekturforum bedauert Absage der Kulturmeile

Auch das Architekturforum Lübeck wollte den Leerstand nutzen, um für seine Idee eines Ortes der lübschen Baukultur zu werben. Vorstandsmitglied Jörn Simonsen: „Dass jetzt die temporäre Nutzung nicht stattfindet, bedauern wir.“

Die Stadt hat übrigens nur den Kunstschaffenden abgesagt. Eine öffentliche Absage für die „Pop down Gallery“, wie J. Georg Brandt das Projekt jetzt nennt, ist bisher nicht erfolgt.

Kai Dordowsky

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