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Lübeck "Kunst am Kai" und eine Beauty-Kur für die Völkerkundesammlung
Lokales Lübeck "Kunst am Kai" und eine Beauty-Kur für die Völkerkundesammlung
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13:06 30.05.2017
Links: "Kunst am Kai" im Hafenschuppen C. Rechts: Renate kastorff-Viehmann und Brigitte Templin sichten Objekte aus der Völkerkundesammlung. Quelle: Sabine Risch

Lichtanlage für zauberhafte Abende bei „Kunst am Kai“

Wer den rund 2000 Quadratmeter großen Schuppen C auf der Wallhalbinsel betritt, sieht nur provisorisch verzögerten Verfall und Risse in den Holzwänden. Es ist kaum vorstellbar, dass Gabriele Pott mit ihrer „Kunst am Kai“ bereits in den vergangenen drei Sommern in diesen Hallen junges, zeitgenössisches Musiktheater und eine ganz besondere Atmosphäre gezaubert hat. Letztes Jahr sahen insgesamt 5000 Besucher die Inszenierungen.
Nur die riesigen Banner in dem Teil der Halle, der den Besuchern im Sommer als Foyer dient, deuten es an: Auch im Sommer 2017 hat sich Gabriele Pott wieder viel vorgenommen. Auftakt ist am Sonntag, 9. Juli, mit „Ein Sommernachtstraum“ mit beschwingter Musik, mehr als 100 Mitwirkenden, darunter auch Kinder und Jugendliche, mit Tänzern und Solisten. Die mit Schulklassen einstudierte Oper „Luther in Love“, ein Schlafkonzert und ein Konzert zur blauen Stunde sind nur einige Höhepunkte des Programms.
Schon bald soll die 25 mal 15 Meter große Bühne, die eigentlich ein Gerüst ist, wieder aufgebaut werden, und auch die Tribüne für die Zuschauer wird wieder errichtet, das Foyer eingerichtet. Alles sei kein größeres Problem, sagt Gabriele Pott, die die Akustik in den Hafenschuppen sehr schätzt. „Wegen der Holzwände ist sie richtig gut.“ Aber: „Wir brauchen Licht“, sagt sie, „weil man mit Licht Stimmung schaffen kann.“
In den Vorjahren hat sie sich stets eine Lichtanlage ausleihen müssen. Was teuer und umständlich ist. „Man braucht 40 bis 50 Scheinwerfer, um Theater-Atmosphäre zu schaffen“, erklärt die Macherin des Musikfestivals, „dazu natürlich auch noch entsprechende Traversen.“ Auch der Auf- und Abbau kosten Geld. „Wenn wir eine eigene Lichtanlage hätten, würden wir viel Geld sparen.“ Geld, das der mit 30 Mitgliedern noch recht kleine Verein „Kunst am Kai“ gut gebrauchen könnte, um die Produktion von Stücken dauerhaft zu sichern.
Selbstverständlich werde vor der Anschaffung ein professionelles Konzept für den Bühnenraum erstellt, versichert Gabriele Pott. Grob geschätzt würde eine entsprechende Lichtanlage 22 000 Euro kosten – da kämen die 20 000 Euro der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung verständlicherweise mehr als gelegen. sr

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Nötige Kur für Sammlung aus aller Welt

Die jiddische Bibel in hebräischer Schrift, die aus dem Jahr 1799 stammt, ist während des Brandes beim Palmarum angekokelt. Die 2300 Jahre alte Mumien- Binde aus Ägypten ist leicht zerfleddert, aber für Ägyptologen noch lesbar. Die Masken aus Japan sind teils angeschlagen – Transportschäden aus der Kriegszeit. „Sie wurden, als das Museum am Dom 1942 abbrannte, mehr oder weniger unverpackt einfach auf Lkw geladen“, sagt Dr. Brigitte Templin, Leiterin der Völkerkundesammlung.
Fast alle der insgesamt 13 Objekte, die dringend fachgerecht restauriert werden müssten, sind in nachhansischer Zeit von Lübecker Bürgerinnen und Bürgern zusammengetragen und der Völkerkundesammlung geschenkt worden. „Es ist die älteste Deutschlands“, sagt Templin über die Sammlung, die seit 2007 kein Museum mehr ist und keinen eigenen Etat hat.
Seit der Schließung des Museums im Zeughaus am Dom wird das Thema einer Wiedereröffnung leidenschaftlich in der Hansestadt diskutiert. Immer wieder gab es Vorschläge und Konzepte, viel passiert ist jedoch nicht. Einziger bisheriger Lichtblick: Im Sommer 2011 gab es die Ausstellung „Welten entdecken“ im St.-Annen-Museum, die einen Teil der Sammlung zeigte und ein großer Erfolg wurde.
Doch ansonsten liegen die Objekte aus aller Welt im Magazin. Einige, wie die kostbaren Festgewänder aus dem China der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, werden an einigen Stellen fadenscheinig, die zentralasiatischen Taschen und Teppiche müssen aufgefrischt und vor Motten geschützt werden.
„Die Völkerkundesammlung wird in der Lübecker Verwaltung nicht geliebt“, glaubt Prof. Dr. Renate Kastorff-Viehmann, Vorsitzende der Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde. Für den Verein jedoch ist die Sammlung wertvoll. Und deshalb hat sie sich jetzt um die 20 000 Euro der Sparkassenstiftung beworben. Kastorff-Viehmann setzt sich dafür ein, dass die Objekte der Nachwelt erhalten bleiben. Mit dem Geld könnten Fach-Restauratoren für Textil, Papier, Holz und Teppich die beschädigten Objekte restaurieren. Allein die Restaurierung der jiddischen Bibel würde mit 3000 Euro zu Buche schlagen, Textilrestaurierungen würden 7380 Euro erfordern, dazu kommen Holz- und Teppichrestaurierungen. sr