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Lübeck Kurabgabe: Einnahmen verdreifacht
Lokales Lübeck Kurabgabe: Einnahmen verdreifacht
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09:02 12.01.2019
Mehr Geld aus Kurabgabe, Strandgebühren und Parkgebühren bescherte der Supersommer 2018 dem Travemünder Kurbetrieb. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Travemünde

Der Jahrhundertsommer hat dem Kurbetrieb Travemünde einen warmen Regen beschert. 180 000 Euro kamen an Strandgebühren rein, im mittelmäßigen Sommer 2017 war es die Hälfte. 296 000 Euro flossen an Parkgebühren an den Kurbetrieb – 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Erlöse aus der Kurabgabe stiegen um 13 Prozent gegenüber 2017.

„Der Plan wurde gut erfüllt“, sagt Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff. Quelle: Wolfgang Maxwitat

„Ein Teil der Steigerung ist auf die neuen Hotels und Apartmenthäuser von Waterfront, Aja und High End zurückzuführen“, erklärt Kurdirektor Uwe Kirchhoff. Ein Langzeitvergleich, den Kirchhoff nächste Woche im Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft vorlegt, zeigt: Mit der Verdoppelung der Bettenkapazität sind die Einnahmen aus der Kurabgabe förmlich explodiert.

„Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre hatte Travemünde ein großes Manko“, sagt der Kurdirektor, „es gab viel zu wenige Hotelbetten und damit auch geringe Einnahmen aus der Kurabgabe.“ 460 408 Euro waren es im Jahr 2002, der Löwenanteil wurde auf der Stadtseite gezahlt. Damals gab es laut Kurverwaltung 3068 Betten. Im Vergleich mit den Ostseebädern Timmendorfer Strand, Binz und Kühlungsborn sei Travemünde ein kleiner Anbieter gewesen, erklärt der Kurdirektor. „Im Wettbewerb der Ostseebäder hatte Travemünde eine Menge aufzuholen“, bestätigt Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD), „dazu war eine deutliche Erhöhung der Übernachtungskapaziäten erforderlich.“

Ulrich Krause (CDU) spürt „eine leichte Gereiztheit in der Bevölkerung“. Quelle: LN-Archiv

2018 gab es im Seebad 6233 Betten, und der Kurbetrieb strich 1,5 Millionen Euro an Kurabgabe ein. 2021 erwartet der Betrieb sogar 1,66 Millionen Euro. Dann soll die Bettenzahl 7660 betragen. Kirchhoff hat die Kurabgaben-Tabelle mit den wesentlichen Wegmarken versehen: 2005 Eröffnung von Columbia und Arosa, 2007 Eröffnung der Ferienhaus-Dörfer von Sven Hollesen, 2017 Eröffnung von Priwall-Waterfront, 2018 Eröffnung des Aja-Hotels und der Apartment-Anlage. 2020 folgen die Ferienapartments im Godewindpark und das Stilwerkhotel.

Die Strategie, die Bettenkapazitäten kräftig zu erhöhen, sei richtig gewesen, sagt Ulrich Krause (CDU), Vorsitzender des Wirtschafts- und Kurbetriebsausschusses, „aber irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht.“ Krause stellt eine „leichte Gereiztheit in der Bevölkerung“ fest. Die macht sich an der konkreten Frage fest, ob Investor Sven Hollesen auch noch die Kohlenhofspitze mit einem Hotel bebauen soll.

Bei einer Stadtteilkonferenz im Oktober beklagten Einwohner, dass für Touristen alles getan werde, aber die Einheimischen unter Straßenverkehr und Parkplatznot zu leiden hätten.

2,80 Euro pro Tag

Die Kurabgabe wird von allen Übernachtungsgästen und das ganze Jahr über erhoben. In Travemünde kostet sie in der Nebensaison 1,40 Euro pro Tag und Person, in der Hauptsaison (15. Mai bis 14. September) 2,80 Euro. Die Gäste erhalten im Gegenzug die Ostseecard, die Rabatte in Freizeiteinrichtungen oder beim ÖPNV einräumt. Der Kurbetrieb zählt inklusive Saisonkräften 30 Beschäftigte.

Immer höher, immer weiter soll es deshalb für das Ostseebad nicht geben. „Spätestens im kommenden Jahr wird es einen Vorschlag für eine neue, gesamtstädtische Tourismusstrategie geben“, sagt Wirtschaftssenator Schindler, „diese sollte nach der Devise ,Klasse statt Masse’ den Fokus mehr auf eine Verbesserung der Qualitäten als der Erhöhung der Kapazitäten legen.“ Ziel sei, die bestehenden Bettenkapazitäten ganzjährig auszulasten. Dazu brauche Travemünde ein größeres Angebot an Gastronomie, Einzelhandel, Freizeit und Sport, erklärt der Kurdirektor.

Trotz der kräftig gestiegenen Einnahmen aus der Kurabgabe bleibt der Kurbetrieb ein Zuschussgeschäft. Allein die Überwachung des Badebetriebes im Sommer koste einen hohen, sechsstelligen Betrag, sagt Uwe Kirchhoff, hinzu kämen Strandreinigung und Veranstaltungen. Der Zuschussbedarf für die Stadt sei von 1,3 auf gut eine Million Euro gesunken. Ziel sei, das Defizit auf 500 000 Euro abzusenken.

Der Kurbetrieb braucht die Einnahmen aus der Kurabgabe auch, um Investitionen in die touristische Infrastruktur zu stemmen. Kurdirektor Kirchhoff: „Im September wollen wir mit dem Bau der Travepromenade beginnen.“

Kai Dordowsky