LN-Serie: Die schlimmsten Radwege in der Altstadt und Umgebung
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Lübeck Lübecks schlimmste Radwege in der Altstadt
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LN-Serie: Die schlimmsten Radwege in der Altstadt und Umgebung

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14:15 22.08.2020
Jan Gerke ärgert sich, dass die Hartengrube für Radfahrer aufgrund des sehr holprigen Kopfsteinpflasters kaum zu befahren ist. Die meisten Radfahrer weichen hier auf den Gehweg aus. Sein Wunsch: geschnittene Steine. Quelle: Cosima Künzel
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Lübeck

Im vierten Teil unserer Serie „Lübecks Radwege“ sind wir mit den LN-Lesern in und rund um die Altstadt unterwegs. Aber auch in St. Lorenz Nord und Süd sowie Buntekuh und Moisling ist der Ärger über schlechte Verkehrsbedingungen für Radfahrer groß.

Das ist die Serie „Lübecks Radwege“

In unserer LN-Serie „Lübecks Radwege“ stellen wir in loser Folge die Ergebnisse unserer Umfrage „Wie beurteilen Sie Lübecks Radwege?“ vor. Dabei lassen wir die Leser zu Wort kommen, befragen Verkehrsexperten und die Polizei zum Thema.

Die Radwege werden je nach Lage gebündelt vorgestellt, wobei auch Stadtteile zusammengefasst werden. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir nicht alle Leserzuschriften im Detail vorstellen können und eine Auswahl aus der Vielzahl der genannten Radwege treffen müssen.

Jan Gerke (50) steht mit seinem Fahrrad in der Hartengrube. An einem Werktag im Sommer muss man hier nur fünf Minuten warten, dann wird klar, was er bemängelt: Die Radfahrer werden enorm durchgerüttelt und viele fahren rechts und links auf dem Bürgersteig die Straße hinab.

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Kopfsteinpflaster ist für Radfahrer schwierig

Der Grund: „In der Dankwartsgrube, im Kopfsteinpflasterbereich, und in der Hartengrube ist das Kopfsteinpflaster so uneben, dass die meisten Radfahrer auf die Bürgersteige ausweichen aus Angst, ihr Fahrrad könnte auseinanderfallen“, sagt der Lübecker. Er wünscht sich geschnittene Steine als Belag oder einen Asphalt-Radwegstreifen. Das Holpern ärgert viele Radfahrer. Auch in anderen Straßen, in denen es ähnlich aussieht. Für Gerke ist außerdem „der Fahrradweg der Schwartauer Allee stadtauswärts im Bereich des alten Schlachthofes zu schmal und in katastrophalen Zustand“.

Fahrbahndecke gleicht einem Kartoffelacker.“

Die Schwartauer Allee thematisiert auch LN-Leser Heiko Bucklisch. Sein täglicher Weg zur Arbeit führt ihn über verschiedene Routen von Vorwerk zum Hauptbahnhof und zurück. Überwiegend fährt er mit seinem Pedelec von der Vorwerker Straße über Triftstraße, Schwartauer Allee und Fackenburger Allee. Sein Fazit: „Die Radwege der Schwartauer Allee und der Fackenburger Allee sind schlimm, viel zu schmal, und die Fahrbahndecke gleicht einem Kartoffelacker.“

Der schlimmste Abschnitt ist laut Bucklisch der Bereich vom Wertstoffhof in der Schwartauer Allee bis zur Ampel an der Einmündung Brolingstraße. „Im Frühsommer ist der gesamte Weg von den wilden Trieben der Linden zugewachsen. Vor Kurzem hat die Stadt diese Gefahrenquelle zwar beseitigt, bis dahin vergingen jedoch Wochen, wo der Radweg an mehreren Stellen gerade mal einige Zentimeter breit war“, so der Radfahrer.

Der Radweg Schwartauer Allee ärgert viele LN-Leser. Ein schlimmer Bereich voller Hubbel liegt zwischen dem Wertstoffhof und der Einmündung Brolingstraße. Quelle: Lutz Roeßler

Außerdem sei der „Fahrbahnbelag schlimm, und die Fahrzeuge diverser Anwohner parken regelmäßig zur Hälfte auf dem Radweg“, ärgert sich Bucklisch. Auch die Gegenrichtung von der Kreuzung Lohmühle zum Bahnhof ist seiner Meinung nach eine Zumutung. „Zu schmal und uneben dazu“, sagt er. Das Schlimmste seien jedoch die diversen Einmündungen der Seitenstraßen. Bucklisch erklärt: „Die Kantsteine an den Übergängen vom Radweg zur Fahrbahn sind kaum angeglichen.“

Autos parken auf dem Radweg

Ähnlich problematisch ist seiner Meinung nach die Fackenburger Allee. „Hier ist der Weg vom Bahnhof in Richtung Kreuzung Lohmühle zu den genannten Problemen (schmal, schlechte Fahrbahndecke) auch noch extrem gefährlich“, erklärt der Radfahrer. Er nennt parkende Pkw auf dem Radweg, hohe Kantsteine und schlechte Sichtverhältnisse als Grund dafür. Sein Vorschlag: „Eine rote Fahrbahndecke für den Radweg könnte helfen.“

Für Cornelia Stiewe sind neben den Radwegen in der Altstadt (vor allem die Fahrradstraße) auch die Ratzeburger Allee und die Roeckstraße „unerträglich“. Außerdem klagt sie über den Zustand der „kiesgebundenen Radwege am Kanal“. Laut Leserin kommen „überall dicke Steine durch, über die man auch holpert“. Teilweise sei es auch zu schmal und abschüssig zum Kanal hin.

Das geschieht mit den Hinweisen der Bürger

Wenn die Stadt Lübeck Informationen über problematische Radwege erhält, werden die Hinweise vor Ort geprüft, teil Stadtsprecherin Nicole Dorel mit. „Bei Unfallgefahr wird der Schaden gesichert und gegebenenfalls eine Sofortmaßnahme beauftragt“, sagt sie.

Ansonsten werden die Schäden in das Programm für die Unterhaltung der Rad- und Gehwege aufgenommen. Im Rahmen der Aufstellung des jährlichen Radverkehrsprogramms wird gegebenenfalls eine Verbesserung der Radverkehrsanlage vorgenommen. Das kann beispielsweise in Form einer Verbreiterung des Radweges oder der Anlage von Radfahr- oder Schutz-Streifen geschehen.

Rad- und Gehwegschäden (wie beispielsweise lockere Gehwegplatten, Unebenheiten, Stolperfallen oder Löcher im Straßenbereich) können an die Hansestadt Lübeck als Straßenbaulastträger gemeldet werden. So geht es:

• online per Kontaktformular unter www.luebeck.de/kontakt

• telefonisch unter der Rufnummer 04 51/115 von Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr oder

• per E-Mail an GruenundStrassenunterhaltung@luebeck.de

Den „sehr schlechten Zustand“ des Rad- und Wanderweges an der Kanal-Trave beziehungsweise am Elbe-Lübeck-Kanal betont auch Hans-Werner Hillers. „Von der Lachswehr bis nach Krummesse ist er in einem ungenügenden Zustand, zum größten Teil kaum noch benutzbar: ausgefahren, also von spitzen steinigen Flächen und Löchern übersät“, sagt der Lübecker. Die letzte in Instandsetzung erfolgte seines Wissens 2011.

Mühlenbrücke: Hier gibt es einen Radwegstummel

Leser Linus E. Falke kann mehrere „persönliche Risiko-Highlights“ für Radfahrer aufzählen. Eines davon befindet sich an der Mühlenbrücke in Richtung Mühlentorplatz. „Bis zur Bushaltestelle Stadthalle ist die Straße zu benutzen. An der Ampel vor der Einmündung Wallstraße beginnt schon ein kurzer Radwegstummel“, berichtet er und fragt: „Wie hinkommen? Quer über die Busspur? Hinter der Bushaltestelle auf dem Fußweg? Oder doch lieber auf der Straße einreihen, um unter Hupen der Autofahrer mit anzufahren?“

Problematische Situation für Radfahrer an der Mühlenbrücke: Bis zur Bushaltestelle Stadthalle ist die Straße zu benutzen. An der Ampel vor der Einmündung Wallstraße beginnt schon ein kurzer Radwegstummel. Der Verlauf des Radweges ist den Lesern hier ein Rätsel. Quelle: Lutz Roeßler

Zuletzt die Moislinger Allee. Hier fährt Britta Pohlmann fast täglich vom Schaluppenweg bis zur Lachswehrallee. „Es ist ein ständiges Auf und Ab, man wird durchgeschüttelt beim Überqueren von Einfahrten und Baumwurzeln und muss aufpassen, sich nicht in den Ästen der Bäume zu verfangen“, berichtet sie und fügt hinzu: „Eine regelmäßige Kontrolle der Radwege auf Nutzbarkeit wäre schon schön.“

Liste der maroden Radwege

Hier sehen Sie eine Liste der mangelhaften Fahrradwege in Lübeck und Travemünde, die uns die LN-Leser genannt haben. Die Liste wird fortlaufend mit dem Erscheinen der Serienteile „Lübecks Radwege“ ergänzt. Einige Radwege durchqueren verschiedene Stadtteile.

Die Radwege in St. Gertrud:

Arnimstraße, unter anderem in Höhe des Kleingärtnervereins am Rittbrook

Brandenbaumer Landstraße, insbesondere zwischen Guerikestraße und Kaufhof

Wallbrechtstraße, vor allem an der Einmündung der Hohenstaufenstraße

Strecke beiderseitig der B75vom Berliner Platz bis einschließlich Marlistraße

Die Radwege in Kücknitz

Ende des Radweges Hochofenstraße im Kreuzungsbereich Bäckereistraße/Möllerung

Die Strecke Dummersdorfer Straße im ganzen Verlauf

Die Radwege in Schlutup

Mecklenburger Straße, vor allem zwischen den Bahngleisen und der Firma Nordgetreide

Wesloer Straße, wo der Radweg abgeschafft wurde und die Radfahrer nun auf der Straße fahren müssen

Die Radwege in Travemünde und auf dem Priwall

Anfang Mecklenburger Landstraße (am Fähranleger auf Priwallseite), wo ein Radweg/Beschilderung fehlt

Radweg, der eine Verbindung von der Teutendorfer Siedlung nach Brodten und Gneversdorf und umgekehrt herstellt.

Strecke von Ivendorf Richtung Travemünde/Europaweg

Die Situation an der Strandpromenade, wo Radfahrer und Fußgänger zusammen unterwegs sind.

Die Außenallee in Travemünde

Die Radwege in der Altstadt

Das Kopfsteinpflaster in der Hartengrube und teils in der Dankwartsgrube

Der Belag der Fahrradstraße

Mühlenbrücke stadtauswärts Einmündung Wallstraße (Radwegstummel/Bushaltestelle)

Die Radwege in St. Lorenz Nord und Süd

Schwartauer Allee stadtauswärts im Bereich des alten Schlachthofes

Schwartauer Allee der Bereich vom Wertstoffhof in der Schwartauer Allee bis zur Ampel an der Einmündung Brolingstraße

Fackenburger Allee: der Weg vom Bahnhof in Richtung Kreuzung Lohmühle

Die Radwege in Buntekuh

Moislinger Allee: Schaluppenweg bis zur Lachswehrallee

Die Radwege unter anderem in Moisling

Elbe-Lübeck-Kanal von der Lachwehr bis nach Krummesse

Stadt erstellt einen Masterplan

Die Stadt erklärt mit Blick auf den Zustand der Radwege, dass es neue Pläne gibt. „Zur Erstellung eines Masterplans für die Sanierung von Geh- und Radwegen analog zum Lübecker Straßennetz, werden erstmals in diesem Jahr die Zustände der Wegeflächen erfasst und bewertet“, kündigt Sprecherin Nicole Dorel an. Erste Ergebnisse werden in der zweiten Jahreshälfte vorliegen. Aus diesen Daten soll dann der Masterplan Geh- und Radwege erstellt werden, der bis Mitte 2021 vorliegen soll.

Außerdem seien aktuelle Radwegmaßnahmen online unter www.luebeck.de/baustellen und dem Stichwort „Geplante Radwegsanierungsmaßnahmen 2020“ oder „Radverkehrsmaßnahmen 2020“ einzusehen, so Dorel.

Geschnittenes Pflaster bedeutet Mehrkosten

Hinsichtlich der Beschwerden der Radfahrer zum Kopfsteinpflaster in der Altstadt teilt die Stadt mit: „Ja, in der historischen Altstadt sind die Straßen mit Kopfsteinpflaster (Welterbe!) versehen.“ Die Stadt räumt ein, dass es sich „ehrlicherweise maximal auf einem geschnittenen Pflaster, dessen Verlegung mit erheblichen Mehrkosten verbunden ist, passabel Radfahren“ lasse.

Aber: „Bis zum Jahr 2019 wurden diese Zustände gern in Kauf genommen, weil es eine erhebliche Beteiligung der Eigentümer an den Baukosten nach sich gezogen hätte. 90 Prozent der Baukosten wären umgelegt worden“, so die Sprecherin. Insofern habe man in der Vergangenheit auf die Verlegung des teureren Pflasters zugunsten der Eigentümer verzichtet. Dieses gelte für viele Straßen, insbesondere in der Innenstadt.

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Von Cosima Künzel