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Lübeck Lärm im Lübecker Carlebachpark nervt die Anwohner
Lokales Lübeck Lärm im Lübecker Carlebachpark nervt die Anwohner
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22:04 19.11.2018
Spielplätze zwischen Häuserfluchten: Der Lärm im Carlebachpark stört die Anwohner. Quelle: John Garve/54°
St. Jürgen

Waltraud Keller hat sich über ihre neue Wohnung gefreut – endlich ein Balkon direkt auf den Park hinaus. Doch mit dem Sommer kam die Ernüchterung: Wenn sie sich erholen möchte, bleibt sie in der Wohnung, denn es ist laut. Eine Bierflasche zerschellt, Jugendliche unterhalten sich, im Hintergrund wummert ein Ghettoblaster. Keller hört all das in ihrem Schlafzimmer, obwohl sie nachts die Fenster schließt.

Keller wohnt am Carlebachpark im Hochschulstadtteil und ist nicht die Einzige, die dieses Problem hat (die LN berichteten). Rund 20 Anwohner des Parks sprachen bei der jüngsten St.-Jürgen-Runde über das Thema. Detlev Stolzenberg (Die Unabhängigen) moderierte die Runde.

Verschmutzte Spielplätze, nächtliche Partys

Viele der Anwohner sind aufgebracht. Wiesen und Spielplätze sind in schlechtem Zustand, dort liegen Scherben, Bierdosen und Flaschen, lauten die Beschwerden. Es seien die Spuren nächtlicher Treffen, bei denen Berufsschüler der Akademie für Hörakustik oder Jugendliche aus dem Viertel „für ihre nächtlichen Partys vorglühen“, sagt Anwohnerin Heike Walter.

Lärm kommt auch von den Sportplätzen im Park. „Bei jedem Aufprall schicken die Bälle ein Wummern zwischen den Häusern hin und her“, klagen die Anwohner. Die Häuserfluchten würden wie ein Tunnel für den Schall funktionieren. Deshalb sei ein normal gesprochenes Wort auch am anderen Ende der Wiese noch deutlich zu hören.

Linus Lassen spielt im Carlebachpark Fußball, so oft er kann. Der 19-Jährige versteht, dass das für die Bewohner der Häuser laut ist, aber er und seine Freunde „treiben in jeder freien Minute Sport, weil wir das als Ausgleich zur Schule brauchen, wo man sich zu wenig bewegt“. Ihm ist wichtig, dass es diese Möglichkeit auch weiterhin gibt.

„Schallschutz ist eine Katastrophe“

Das Dilemma sei bei der Planung schon entstanden, sagt Walter, da habe man zu viel nebeneinander gebaut, was nicht zusammen passt. Die Bewohner haben schon mehrmals die Polizei angerufen, weil sie nicht mehr weiter wussten. Dann ist es manchmal Carsten Stier, Leiter der Polizeistation, der kommt. Er ist auch zur Diskussionsrunde gekommen und pflichtet Walter bei: „Städtebaulich ist der Carlebachpark in Sachen Schallschutz eine Katastrophe, aus Polizeisicht ist er aber sicher.“ Die Polizei sei „nicht verantwortlich für einen Werteverfall und dafür, dass Kulturen aufeinander prallen“. Gesetzlich gebe es keine Tabugrenze, wie etwa die Uhrzeit von 22 Uhr, ab welcher ein Geräusch als Ruhestörung gilt. Persönlich, betont Stier, sei er absolut bei den Anwohnern des Parks: „Jede Ruhestörung ist für Sie eine zu viel.“

Keine Patentlösung in Sicht

Uneinigkeit gab es dazu, ob Gespräche helfen. Der Anwohner Helmut Schöning hat mit der Leitung der Jugendberufsschule gesprochen, deren Schüler den Park zum Teil lautstark nutzen. Danach sei es besser geworden – aber nur für zwei Wochen. Auch Jugendliche aus dem Viertel treffen hier Freunde. Christiane Möller, Beauftragte für Kinder- und Jugendbeteiligung, kennt die Interessenskonflikte und lobt Ansätze der Bewohner, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu gehen. Um die Konflikte aber langfristig zu lösen, „braucht es auch Orte, an denen sich Jugendliche treffen können“. Ob die älteren Jugendlichen ein klassisches Jugendzentrum annehmen würden, bezweifeln aber viele.

Eine „Patentlösung gibt es nicht“, stellt Möller fest. Lösungsvorschläge reichten von alternativen Plätzen über die Umgestaltung der Pavillons und eine Beschilderung mit Ballspiel-Regeln bis zu nächtlichen Patrouillen. Der Polizist Stier appelliert an die Politik, unpopulistisch vermittelnde und nachhaltige Lösungen zu finden, und bietet Unterstützung an. Delf Kröger gibt Stolzenberg einen Auftrag mit in den Bauausschuss: „Wiederholen Sie bei der Erstellung des B-Plans im Bornkamp nicht die Fehler, die hier gemacht wurden. Es lohnt sich, sich bei der Planung Zeit zu nehmen, um es besser zu machen.“

Friederike Grabitz