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Lübeck Landwege übernimmt Lübecker Freibackhaus
Lokales Lübeck Landwege übernimmt Lübecker Freibackhaus
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17:54 09.01.2019
Tina Andres und Klaus Lorenzen, Geschäftsführer Landwege eG, stehen mit Sylvia und Carsten-Peter Schwartz (v. l.) vor dem Freibackhaus in der Glockengießerstraße. Mit dem neuen Jahr hat Landwege die Bäckerei vom Ehepaar Schwartz übernommen. Quelle: Cosima Künzel
Innenstadt

Vor über 31 Jahren haben Sylvia (59) und Carsten-Peter Schwartz (60) die Bäckerei in der Glockengießerstraße 42 übernommen. Der Betrieb ist stetig gewachsen, das Sortiment der Vollkornbäckerei etwas Besonderes. Jetzt gehen die Eheleute in den Ruhestand. Sie haben „Das Freibackhaus“ der Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft Landwege eG übergeben. Laut EVG bleibt man Konzept und Sortiment auch mit neuem Bäckermeister treu.

Carsten-Peter Schwartz hat uns schon vor anderthalb Jahren angesprochen“, erzählt Tina Andres an der Seite von Klaus Lorenzen. Die beiden Landwege-Geschäftsführer überlegten nicht lange. „Wir haben sehr schnell Ja zur Übernahme gesagt.“ Denn Landwege gehört schon seit Jahrzehnten zu den Kunden des Freibackhauses. Laut Andres gehe man mit „großer Ehrfurcht und Freude“ an die Aufgabe. „Für uns ist das wie ein Geschenk. Tradition und Handwerkskunst sind hier über Jahrzehnte gewachsen.“

Die Ecke Glockengießerstraße etwa in den 1930er Jahren mit der Bäckerei Ernst Schmidt. Quelle: Privat

Das Altstadthaus in der Glockengießerstraße 42 wurde bereits 1293 urkundlich als Bäckerei erwähnt. Es war durchgehend als Backhaus in Betrieb, erlebte zahlreiche Umbauten, steht seit 1967 unter Denkmalschutz und zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Als die Eheleute Schwartz die Backstube 1987 übernahmen, eröffneten sie die Vollkornbäckerei unter dem historischen Namen „Das Freibackhaus“.

„Wir haben im Stadtarchiv viel über die Geschichte des Hauses und die Bäckereien recherchiert“, erzählt Sylvia Schwartz. Der Name „Das Freibackhaus“ gehe auf den Handwerkerstand der Freibäcker im 16. Jahrhundert zurück, ergänzt der 60-Jährige. Damals hatten die Lübecker Bäcker ihre Monopolstellung ausgenutzt und unter anderem Sägespäne in den Brotteig gemischt. Das Volk beschwerte sich beim Rat, der der daraufhin sogenannte Freibäcker einsetzte, so der Bäckermeister. „Deren Backwaren erhielten ein Qualitätssiegel als Gewähr für die vorgeschriebene Größe und Güte.“

Auf dem Foto aus dem Jahre 2002 stehen Sylvia und Carsten-Peter Schwartz gemeinsam in der Backstube. Quelle: Cosima Künzel

So eröffneten sie am ersten Oktober 1987 „Das Freibackhaus“ als handwerkliche Vollkornbäckerei und stellten ihre Backwaren nach alter Tradition aus frischen biologischen Zutaten her. „Wir wollten damit einen Gegentrend zu der Verwendung von Fertigmischungen sowie künstlichen Zusatzstoffen der Backmittelindustrie setzen.“ Anfangs war das Teamarbeit. Carsten-Peter Schwartz stand in der Backstube, seine Frau im Verkaufsraum. „Wir haben ungefähr 50 Brote am Tag gebacken, höchstens vier Sorten.“ Die Sorten „1000 Körner“, „Dinkel“ und „Honig-Salzbrot“ sind heute noch Favoriten der Kunden. Allerdings werden inzwischen rund 1000 Brote pro Tag gebacken, und es gibt über 40 Sorten.

Steffanie Schumacher (links) und Ines Kopf stehen im Freibackhaus und zeigen drei Brotsorten, die seit über 30 Jahren zum Sortiment gehören: 1000 Körner, Honig-Salzbrot und Dinkel. Das Team der Bäckerei bleibt auch mit dem Wechsel bestehen. Quelle: Cosima Künzel

Daran soll sich laut Landwege auch nichts ändern. „Für die Kunden geht es wie gewohnt weiter“, sagt Andres. Dafür stehe auch der neue Bäckermeister, den die Genossenschaft gefunden habe. „Ulrich Römer hat zuletzt in Hamburg als Produktionsleiter gearbeitet und bringt sehr viel Erfahrung im Bio-Backhandwerk mit.“ Sich der Tradition verpflichtet zu fühlen, heiße nicht Stagnation. „Wir werden uns natürlich auch für die Zukunft weiterentwickeln.“

Weitergabe des historischen Schlüssels vor dem Freibackhaus. Quelle: Cosima Künzel

Die Eheleute Schwartz schauen mit einem lachenden und weinenden Auge in die Zukunft. „Wir werden ja nicht jünger“, sagt Carsten-Peter Schwartz, „ich habe als 14-Jähriger meine Lehre begonnen, irgendwann muss Schluss sein.“ Doch gleichzeitig gehe etwas Großes zu Ende. „Drei Jahrzehnte im Freibackhaus sind eine lange und besondere Zeit.“ Aber jetzt fährt das Ehepaar erst mal in den Urlaub. „Und dann schauen wir weiter.“

Cosima Künzel

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