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Lübeck Lauter Ärger um fröhliche Feiern
Lokales Lübeck Lauter Ärger um fröhliche Feiern
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11:21 26.11.2013
99 Feuerwerke außerhalb des Jahreswechsels wurden 2012 in den Lübecker Himmel geschossen.
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Lübeck

Travemünder Woche, Duckstein- Festival, Volksfest, Freiluft-Konzerte, Feuerwerke von professionellen Pyrotechnikern und von Privat — in den Sommermonaten wird in der Hansestadt gefeiert, was das Zeug hält. Immer wieder fühlen sich Bürger davon gestört und wenden sich an die Ordnungsbehörden — oder die Politiker. Im Umweltausschuss berichteten Politiker von Feuerwerken neben Altenheimen und in Naturschutzgebieten. Die Linken erhielten per E-Mail eine Anfrage von Bewohnern der Untertrave, die sich vom Strandsalon auf der Nördlichen Wallhalbinsel gestört fühlen.

„Es hat in den vergangenen Jahren immer wieder Beschwerden von Anwohnern der Untertrave sowie der Hafen- und Gertrudenstraße gegeben“, bestätigt Innensenator Bernd Möller (Grüne). Dem Betreiber des Strandsalons, Andreas Donskoj, hätten die Behörden deutlich gemacht, dass „die Nachtzeit nicht für alle Arten von Freiluftveranstaltungen geeignet ist“, so Möller. Als problematisch hätten sich private Veranstaltungen auf dem Gelände — beispielsweise Geburtstage und Hochzeiten — erwiesen. Der Innensenator: „Manche Discjockeys stellten ihren künstlerischen Anspruch über den Anspruch der Anwohner auf Nachtruhe.“ Auch Feiern in den Schuppen 6 und 9 seien „häufiger Gegenstand von Beschwerden“, berichten die Behörden.

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Sogar tagsüber sind Bürger genervt. „Drachenboot-Rennen und Triathlon haben auch schon zu vereinzelten Beschwerden geführt“, sagt Stadtsprecher Marc Langentepe. Viel Ärger gab es bei den Harley Weekends. Langentepe: „Der Veranstalter hat Lärmauflagen nicht eingehalten.“ Aktuell gab es eine Beschwerde gegen das 1. Altstadtbierfest auf dem Koberg, „weil ein Schausteller nach 23 Uhr zu laut ins Mikrofon gesprochen hat“, erklärt Langentepe.

Volksfest, Travemünder Woche und Duckstein-Festival dagegen würden sich strikt an die behördlichen Auflagen halten. Für das Seglerfest gibt es seit 2003 eine Einigung, wie lange Musik gemacht werden darf. „Lärm ist kein Thema mehr“, erklärt Polizeisprecher Stefan Muhtz, „um 23 Uhr wird die Musik abgedreht, der Ordnungsdienst achtet darauf.“ Der bunte Rummel auf dem Volksfestplatz beschäftigte sogar die Verwaltungsrichter. 2006 gewann die Hansestadt den Rechtsstreit. Das Duckstein-Festival hatte 2004 Ärger mit dem Schleswig-Holstein Musik Festival, weil sich die Hochkultur durch das Spektakel direkt an MuK und Radisson Hotel gestört fühlte. Innensenator Möller: „Die Werte der Freizeitlärmrichtlinie des Landes können bei sorgfältiger Programmgestaltung und Anwendung geeigneter Mittel des technischen und zeitlichen Schallschutzes vom Betreiber eingehalten werden.“ Andreas Donskoj, Betreiber des Strandsalons, bestreitet, dass seine Mieter „über die Stränge schlagen“. Ärger habe es vereinzelt bei Live-Konzerten gegeben, aber in diesem Jahr seien bislang keine Beschwerden eingegangen. Donskoj: „Ein paar Veranstaltungen erhöhen die Lebensqualität in dieser Stadt. Es ist trist genug in Lübeck.“

Immer beliebter werden Feuerwerke als Krönung von Hochzeiten, Geburtstagen und natürlich öffentlichen Großveranstaltungen. Den leuchtenden Nachthimmel gibt es am häufigsten in Travemünde. Wer außerhalb von Silvester und Neujahr Feuerwerke verschießen will, braucht eine Ausnahmegenehmigung der Ordnungsbehörde. In unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Seniorenheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern seien Feuerwerke grundsätzlich verboten.

Das scheint nicht jeder zu wissen. Werner Macziey, Mitglied des Seniorenbeirates, berichtete im Umweltausschuss von einem Feuerwerk direkt neben dem Altenheim in der Solmitzstraße. Die Ordnungsbehörde weiß von einer Beschwerde durch ein Feuerwerk am Gemeinschaftshaus Dornbreite. Jörg Clement, Vorsitzender des Naturschutzbeirates, berichtete im Umweltausschuss von lauten Feiern und Feuerwerken im Landschaftsschutzgebiet Kaninchenberg in Eichholz. Mitten in der Brutzeit würde dort geknallt, erklärte Clement. Das ist der Ordnungsbehörde nicht bekannt. „Allerdings sollen von der Badeanstalt Kleiner See sowie anliegenden Kleingärten aus gelegentlich Feuerwerke abgebrannt worden sein“, erklärt Innensenator Möller. Beschwerden seien aber nicht aufgelaufen.

Möller hat die Politiker auf Regelungen in einigen Hamburger Bezirken verwiesen, die ein grundsätzliches Verbot von Feuerwerken ausgesprochen hätten. Der Senator: „Ein grundsätzliches Verbot könnte die Auflagen und Schutzinteressen zusätzlich verdeutlichen.“ Und beim Antragsteller Verständnis wecken, „von sich aus die Umgebung vorzuwarnen“.

Ankündigung im Netz
82 Feuerwerke waren 2011 in der Hansestadt angezeigt beziehungsweise genehmigt worden, im vergangenen Jahr waren es schon 99. Von den 82 im Jahr 2011 waren 19 privater Natur. Ein Jahr später gab es 29 private Feuerwerke. Im Sommer müsse das Abbrennen bis spätestens 22.30 Uhr beendet sein, sagt die Ordnungsbehörde. Privatpersonen erhalten die Auflage, dass sie nur Lichteffekte ohne Knallwirkung verwenden dürften. Professionelle Pyrotechniker müssten das Feuerwerk lediglich rechtzeitig vorher schriftlich anzeigen. Die Politiker haben sich für eine Ankündigung von Feuerwerken im Internet eingesetzt. Die Internetseite der Hansestadt zeigt die bevorstehenden Ereignisse (Schnellsuche Feuerwerke) an.

Kai Dordowsky

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