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Lübeck Letztes Wort: Mutmaßlicher Messerstecher aus Lübeck bittet um Verzeihung
Lokales Lübeck Letztes Wort: Mutmaßlicher Messerstecher aus Lübeck bittet um Verzeihung
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15:46 25.03.2019
Die grausame Tat hat sich im vergangenen Oktober in der Straße Langer Lohberg ereignet. Quelle: Holger Kröger
St. Lorenz Nord

Eines ist schon vor dem Urteil klar: Am Ende bleibt die Frage nach dem „Warum“ offen. Denn trotz aller Zeugenaussagen, der Einlassung des Angeklagten und der Auswertung der sonstigen Beweismittel lässt sich für das Gericht nicht rekonstruieren, warum der 49-jährige Wolfgang K. (Name von der Redaktion geändert) seinen Bekannten mutmaßlich mit einem Messer attackiert und ihn damit tödlich verletzt hat.

Erinnerungslücke

Fest steht lediglich: Die beiden Männer haben am 30. Oktober vergangenen Jahres in der Wohnung des Angeklagten im Langen Lohberg Gulasch gegessen und Alkohol konsumiert. Als nächstes erinnert der 49-Jährige sich daran, dass er blutige Hände hatte, nachdem er seinen Bekannten berührt hatte. Der 39-Jährige lag da bereits tot auf dem Sofa. Verblutet, nachdem er mit einem Messer angegriffen wurde. Der Angeklagte floh zunächst nach Bremen, dann nach Hannover. Dort informierte er nach weiteren 24 Stunden die Polizei.

Uneinigkeit über den Vorsatz

Wie diese Lücke in der Beweisführung zu bewerten ist, darin sind Staatsanwältin Meike Linder und Verteidiger Frank Eckhard Brand uneinig. Die Staatsanwältin fordert eine achtjährige Freiheitsstrafe wegen Totschlags im Zustand verminderter Schuldfähigkeit. Denn zur Tatzeit hatte der Angeklagte über zwei Promille im Blut. „Dieser Fall zeigt, wie Alkohol ein Leben zerstören kann. In diesem Fall sogar im wortwörtlichen Sinne“, sagte Linder.

Am Tötungsvorsatz hat sie allerdings keine Zweifel. Das zeige schon die Vielzahl der Stiche. Mehr als 30 waren es, überwiegend im Gesicht und Nacken. Ein Schnitt durchtrennte zwischen fünftem und sechstem Halswirbel das Rückenmark, so dass das Opfer querschnittgelähmt und damit wehrlos war. „Außerdem gehe ich davon aus, dass der Angeklagte versucht hat, den Geschädigten nach der Tat in einen Schlafsack zu wickeln“, sagt Linder. Ob der 49-Jährige die Leiche entsorgen wollte oder es sich um eine Übersprunghandlung handele, sei dabei unklar.

„Wir haben kein Motiv“

Brand bewertet die Vorsatz-Frage anders: „Wir haben kein Motiv. Nichts, was die Tat erklärbar macht. Nur eine inselartige Erinnerung meines Mandanten“, betont er. Doch darauf könne man keinen Tötungsvorsatz stützen. Der Rechtsanwalt plädiert auf Körperverletzung mit Todesfolge im Zustand verminderter Schuldfähigkeit. Die Strafe stellt er ins Ermessen des Gerichts. Zu einer möglichen Unterbringung in einer Entziehungsanstalt will er sich nicht äußern. Meike Linder hatte diese zuvor ausgeschlossen, weil der Angeklagte bereits mehrere Therapieversuche abgebrochen hatte.

Tränen beim Angeklagten

Während der Plädoyers wischt sich der Angeklagte die Tränen aus den Augen. Am Ende entschuldigt er sich bei den Angehörigen des Opfers. „Ich bin zutiefst erschrocken über das, was an dem Tag in der Wohnung passiert ist“, sagt er. Ihm sei bewusst, dass er nun die Konsequenzen zu tragen habe. „Aufgrund meiner Erfahrungen mit dem Alkohol weiß ich, dass ich fachmännische Hilfe brauche, wenn ich ein geordnetes Leben ohne Straftaten führen will“, führt er fort. Wolfgang K. steht nicht das erste Mal vor Gericht. 2002 musste er sich wegen versuchten Totschlags verantworten, 2007 wurde er wegen Körperverletzung und 2010 wegen Diebstahls verurteilt. Im Jahr 2013 folgte eine Verurteilung wegen Körperverletzung und Bedrohung.

Der Urteil wird am Freitag, 29. März, um 13 Uhr im Landgericht, Schwartauer Landstraße 9-11, Saal 315, erwartet.

Mehr zum Prozess lesen Sie hier:

Totschlag im Langen Lohberg:
Prozess beginnt

Angeklagter:
Durch Alkohol vermindert steuerungsfähig?

Maike Wegner

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