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Lübeck Leuchtenfeld: Mehrheit für Tiefgarage
Lokales Lübeck Leuchtenfeld: Mehrheit für Tiefgarage
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20:56 29.03.2018
Der Parkplatz Leuchtenfeld zu Füßen des Maritim-Hotels in Travemünde soll in Teilen zu einem Park umgebaut werden. Dadurch gehen etliche der 750 Stellplätze verloren. Das soll laut Stadt aber erst geschehen, wenn die Parkpalette am Godewind fertiggestellt ist. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen, Lutz Roessler
Travemünde

Sie kennen das Seebad wie ihre Westentasche, manche sind hier geboren und aufgewachsen. Aber die Einschätzung, ob Travemünde nun genug Parkplätze hat oder nicht, könnten nicht weiter auseinander liegen. „Nur zur Travemünder Woche werden die Parkplätze knapp“, sagt Carl Howe (GAL), „eine Tiefgarage ist viel zu teuer und bei Hochwasser läuft sie voll.“ Sabine Haltern (SPD): „Das ganze Jahr über sind Tagestouristen in Travemünde. Sobald die Sonne scheint, sind die Parkplätze ausgelastet.“ Der Parkplatz Leuchtenfeld, der zu einem Park umgebaut wird, sei immer stark frequentiert, erklärt Thomas-Markus Leber (FDP). „Seit Monaten fordern wir die Verwaltung auf, die Parkprobleme in Travemünde zu lösen“, ärgert sich Christopher Lötsch (CDU), „die Parkplätze rücken immer weiter vom Zentrum weg.“ Dieter Rosenbohm (BfL): „Travemünde kommt touristisch voran, da brauchen wir zusätzlichen Parkraum.“ Ulrich Brock (CDU): „Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Ostseebädern. Travemünde wird gemieden, wenn die Touristen kaum noch mit dem Auto in Strandnähe kommen.“ Die Travemünde-Besucher würden die Straßen zuparken, weil sie weite Wege – beispielsweise vom Großparkplatz Kowitzberg – zum Strand scheuen, berichtet Karsten Mihr (BfL).

Unter dem Leuchtenfeld soll eine mehrstöckige Tiefgarage entstehen. Dazu soll die Verwaltung eine Machbarkeitsstudie vorlegen. Das hat der Bauausschuss auf Antrag der CDU beschlossen. Das letzte Wort zu dieser Millioneninvestition hat die Bürgerschaft.

Aktuell hat Travemünde 2800 Parkplätze. Die Stadt will diese Zahl erhalten. In den nächsten zwei Jahren fallen davon aber mehr als 800 Stellplätze weg. Die von der CDU geforderte Tiefgarage wäre mehrstöckig, würde 400 bis 500 Stellplätze bieten und nach ersten Schätzungen über elf Millionen Euro kosten.

Knapp wird es in jedem Fall. Denn Travemünde zieht immer mehr Touristen. 2016 zählte das Seebad 610000 Übernachtungen. Detlev Stolzenberg, Vorsitzender der Unabhängigen: „In Travemünde wird sich in diesem Jahr die Bettenzahl nahezu verdoppeln und die Übernachtungen auf 900000 steigern.“ 70 Prozent der Gäste würden mit dem Auto anreisen, sagt Stolzenberg. Thomas-Markus Leber (FDP) bestätigt diese Zahl. Neue Hotels und Baugebiete wie Fischereihafen, Baggersand und Teutendorfer Siedlung würden noch mehr Autoverkehr erzeugen.

Unabhängige und Liberale sehen deshalb nicht nur Probleme mit dem Parken, sondern auch schon mit der An- und Abreise von Touristen. „Die Notwendigkeit einer zweiten Ortszufahrt für Travemünde steht für die Liberalen außer Frage“, erklärt Bau- und Verkehrspolitiker Leber. Schon jetzt stoße der Verkehr bei bestehender Infrastruktur an seine Grenzen. Zukünftig werde sich die Situation verschärfen, wenn die Wegeführung über den Baggersand-Parkplatz wegfalle und Priwall-Waterfront den Betrieb aufnehme. Der FDP-Politiker: „Prognosen gehen von einem Zuwachs des Verkehrs von 30 Prozent auf der einzigen Zufahrt, dem Gneversdorfer Weg, aus.“ Die Liberalen fordern eine Machbarkeitsstudie für eine zweite Strecke nach Travemünde.

Auch die Unabhängigen befürchten ein Verkehrschaos. Heino Haase, der in Travemünde als Direktkandidat zur Kommunalwahl antritt: „Wir fordern eine zweite leistungsfähige Verkehrsanbindung Travemündes.“ Detlev Stolzenberg, Vorsitzender der Unabhängigen: „Es war ein großer Fehler, die Alte Travemünder Landstraße beim Ausbau des Skandinavienkais ersatzlos abzuschneiden. Dies muss rückgängig gemacht werden.“

 Von Kai Dordowsky