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Lübeck Bekommen Lübecks Radler die UFO-Lösung für den Lindenteller?
Lokales Lübeck Bekommen Lübecks Radler die UFO-Lösung für den Lindenteller?
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18:38 29.04.2019
Vorbild Holland: In Eindhoven wurde der Hovenring gebaut – und 2012 eröffnet. Quelle: Michael Zgoll
Lübeck

Jeder für sich: Ein Kreisverkehr für Autofahrer, ein Kreisverkehr für Radfahrer. So machen es die Niederländer. In Eindhoven gibt es den spektakulär aussehenden Hovenring. Er sieht aus wie ein Ufo – und ist an einem Pylon festgemacht und schwebt über dem Kreisel für die Autos.

Eröffnet wurde er Mitte 2012. Kosten: elf Millionen Euro. Davon hat die EU 6,6 Millionen Euro bezahlt, die Stadt Eindhoven 4,4 Millionen Euro. Täglich radeln 5000 Fahrradfahrer über den aufgehängten Kreisel.

Lindenteller: Spitzenreiter bei Fahrradunfällen

Eine Lösung auch für Lübecks Lindenteller? Immerhin radeln dort täglich 8000 Radfahrer entlang – zwischen 60 000 Autos und 145 Bussen. Gut 20 000 Fußgänger queren den Kreisel. Zudem passieren am Lindenteller die meisten Unfälle mit Radfahrern: 2018 war der Kreisverkehr Spitzenreiter mit 20 Fahrradunfällen.

Politiker suchen nach Lösungen, um den Lindenteller für Radfahrer sicherer zu machen. Klicken Sie hier, um die verschiedenen Statements zu sehen.

Gibt es Platz für einen aufgehängten Lindenteller?

Ein aufgehängter Lindenteller für Lübeck? CDU und Grüne finden die Idee gut. „Ein interessanter Gedanke“, meint Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses. Denn Autos und Radfahrer würden dann getrennt fahren. „Ein guter Grundgedanke.“

Der Grüne Arne-Matz Ramcke stimmt zu: „Cool für Lübeck“, habe er gedacht, als er den Hovenring gesehen habe. Allerdings: „Vom Platz her wird das schwierig“, meinen die beiden Politiker. Denn Rampen würden zu dem aufgehängten Kreisel hinauf führen. „Ich weiß nicht, ob das von der Höhe her machbar ist“, so Ramcke. „Außerdem müssten sie auch behindertengerecht sein.“

Favorisiert eine Stadtgrabenbrücke auch für Autos – nicht nur für Radfahrer und Fußgänger: Christopher Lötsch (CDU). Quelle: Lutz Roeßler

Neue Stadtgrabenbrücke auch für Autos

CDU und Grüne bringen eine neue Variante ins Spiel: Die lang geplante Stadtgrabenbrücke soll nicht nur für Fußgänger und Radfahrer errichtet werden, sondern jetzt auch für Autofahrer. „Dadurch könnte weniger Verkehr über den Lindenteller fließen“, so Lötsch und Ramcke.

Vor allem: „Dadurch würde die Strecke vom Bahnhof über den Lindenteller zum Holstentor und zur Innenstadt attraktiver“, sagt Ramcke. Aus heutiger Sicht „ist diese Achse sehr wichtig.“ Früher sollte die Brücke eine andere Achse erschließen: vom Bahnhof über die Innenstadt zur Falkenwiese und nach Marli. Ramcke: „Aber heute ist eine andere Zeit.“

Stadtgrabenbrücke schon 2006 geplant

Der Hintergrund: Die Stadtgrabenbrücke wurde vor 13 Jahren geplant, aber nie gebaut. Sie war zu teuer. Die Konrad-Adenauer-Straße hinter der IHK sollte um 100 Meter als Fuß- und Radweg verlängert werden. Dann folgt die Brücke. Sie überspannt auf 40 bis 50 Meter den Stadtgraben und trifft auf der anderen Seite auf den Parkplatz an der Musik- und Kongresshalle (MuK). Jetzt hat die Bürgerschaft den Bau Ende Februar erneut beschlossen. Die Kosten werden auf 2,5 bis vier Millionen Euro geschätzt. 2021 könnte sie stehen.

Neue Querung: Dort soll die Stadtgrabenbrücke verlaufen. Quelle: Jochen Wenzel

Radfahrer unter die Puppenbrücke

Die SPD hat wiederum eine ganz andere Idee. Statt die Radfahrer über den Kreisverkehr zu führen wie beim Hovenring in Eindhoven könnten die Radler in Lübeck „neben dem Lindenteller vorbeifahren“, schlägt Verkehrsexperte Ulrich Pluschkell vor.

Seine Idee: In der Moislinger Allee führen zwei kleine Wege zum Stadtgraben hinunter. Dort könnten die Radfahrer unterhalb der Puppenbrücke entlang radeln und auf der anderen Seite wieder nach oben. Dort gibt es ebenfalls einen Weg hoch zur Fackenburger Allee. „Diese Strecke müsste dann ausgebaut werden.“

Stadtgrabenbrücke gute Lösung

Einen aufgehängten Lindenteller lehnen Unabhängige, Linken und GAL ab. „Damit die Autos schneller fahren können?“, fragt Fraktionschef Ragnar Lüttke (Linke). „Der Raum ist dort sehr beengt“, stimmt Vormann Detlev Stolzenberg zu (Unabhängige). „Das passt nicht“, meint Bauexperte Carl Howe (GAL). Alle drei halten eine Stadtgrabenbrücke für Fußgänger und Radfahrer für eine „gute Lösung“.

Hält nichts von einem aufgehängten Lindenteller nach Vorbild des holländischen Hovenrings: Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos). Quelle: Lutz Roeßler

Klare Absage von Bausenatorin Joanna Hagen

So sieht es auch Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos): „Der beschlossene Neubau der Stadtgrabenbrücke ist eine gute Maßnahme, um vielen Radfahrern eine attraktive Streckenführung anzubieten.“ Eine klare Absage erteilt sie einem aufgehängten Lindenteller nach Vorbild des Hovenrings. Direkt vor der Welterbestadt sei „das nicht umsetzbar“, so Hagen. Außerdem sei die „bauliche Sonderlösung in Holland sicherlich spektakulär, aber auch aufwendig“.

Stadtgrabenbrücke löst nicht alle Probleme

Und was sagt der Vertreter der Radfahrer? „Der Hovenring sieht sehr spektakulär aus“, gibt ADFC-Vorsitzender Wolfgang Raabe zu. Er ist sich unsicher, ob diese Lösung für den Lindenteller funktioniert. Die Stadtgrabenbrücke hält er „für eine gute Idee“. Raabe: „Aber sie löst nicht alle Probleme.“ Von der Innenstadt nach St. Lorenz Süd zu fahren, sei weiterhin gefährlich für Radfahrer – trotz einer neuen Stadtgrabenbrücke.

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