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Lübeck Lottis Kampf gegen den Grünen Star
Lokales Lübeck Lottis Kampf gegen den Grünen Star
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20:07 21.09.2018
Lotti (10 Monate) aus Krummesse leidet an Grünem Star. Ihre Eltern ließen die Kleine am Deutschen Kinder-Glaukomzentrum in Mainz operieren. Sie möchten anderen Eltern Mut machen und über die Behandlungsmöglichkeiten aufklären. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Krummesse/Lübeck

Lotti ist zehn Monate alt und leidet an einer seltenen Krankheit: an Grünem Star. Geschätzt kommt eins von etwa 15 000 Kindern mit einem sogenannten angeborenen Glaukom auf die Welt. Wird die Krankheit nicht behandelt, drohen die Kleinen zu erblinden. Doch die Familie aus Krummesse lässt nichts unversucht, um ihrem Mädchen zu helfen. Eine Reportage über Lottis Kampf gegen den Grünen Star ist jetzt im Fernsehen zu sehen.

Als Lotti im November vergangenen Jahres das Licht der Welt erblickte, ahnten die Eltern nichts von der Krankheit. Doch im Frühjahr fiel ihnen auf, dass etwas nicht stimmte. „Lottis Augen haben viel getränt. Draußen hat sie sie immer zugehalten“, erinnert sich Thomas Macke (49). Also gingen sie zum Kinderarzt. „Er sagte, die Tränenkanäle seien nicht richtig ausgebildet und schickte uns nach der „U-5“ zum Augenarzt.“ Zunächst zur Kontrolle, doch dann hieß es: Verdacht auf ein Glaukom.

„Schon auf der Rückfahrt im Auto habe ich im Internet nachgeschaut und schlimme Geschichten gelesen“, erzählt Melanie Macke (34), während Lotti vergnügt plappernd durch das Zimmer krabbelt. Ihre rotblonden Locken umrahmen das fröhliche Kindergesicht, in dem die großen dunklen Augen auffallen. „Man sagt auch ,gefährlich schöne Babyaugen’“, erklärt die 34-Jährige und nimmt ihre Kleine auf den Arm.

Grüner Star, medizinisch: Glaukom, ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Augenkrankheiten, die die Nervenzellen der Netzhaut und des Sehnervs schädigen können. Landläufig gilt die Meinung, dass nur ältere Menschen an Grünem Star erkranken. Aber auch Kinder kann es treffen. „Man sagt, eins von zehn- bis zwanzigtausend Babys hat ein angeborenes Glaukom“, sagt Professorin Esther Hoffmann, Leiterin des Kinder-Glaukomzentrums in Mainz (Rheinland-Pfalz).

Die Ursache des angeborenen Glaukoms liegt in einer Fehlentwicklung der Abflusswege des Kammerwassers aus den Augen während der Schwangerschaft. Meist sind beide Augen betroffen. Neben den vermeintlich „schönen großen Augen“ ist ein weiteres Kennzeichen eine Hornhauttrübung.

Überregionale Anlaufstelle

Das Deutsche Kinder-Glaukomzentrums der Universitätsmedizin Mainz wurde im Juni 2017 eröffnet. Es ist die überregionale Anlaufstelle für Kinder aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Ziel der Einrichtung ist es, bei den betroffenen Kindern das Sehvermögen zu erhalten. Die Therapie des angeborenen und kindlichen Glaukoms ist fast immer operativ und lässt sich mit unterschiedlichen Verfahren durchführen. Laut Kinder-Glaukomzentrum haben alle Methoden das Ziel, den Augeninnendruck entweder durch eine Verbesserung des Abflusses zu erniedrigen oder beispielsweise mittels Laser- oder Kältebehandlung die Produktion des Augenwassers zu verringern.

Laut Kinder-Glaukomzentrum ist die Therapie des angeborenen und kindlichen Glaukoms fast immer operativ. Die Operation dauert in der Regel etwa eine Stunde. „Für uns war der schlimmste Moment, als wir unser Kind an der OP-Schleuse abgegeben haben“, erinnert sich der Vater. Im Fernsehbeitrag kämpft er mit den Tränen. Im vergangenen Jahr wurden rund 80 Kinder mit einem Glaukom von den Augenärzten der Universitätsmedizin Mainz operiert. Viele hatten weite Wege. „Tatsächlich kommen die meisten unserer kleinen Patienten nicht aus Rheinland-Pfalz, sondern aus ganz Deutschland, aber auch aus dem europäischen Ausland“, sagt die Oberärztin.

Die Universitäts-Professorin bestätigte den Verdacht der Erkrankung bei Lotti. Sie hat die Kleine inzwischen zweimal operiert. Im Abstand von vier Wochen erst am linken, dann am rechten Auge. „Bei richtiger Diagnose und erfolgreicher Operation können wir den kleinen Patienten das Augenlicht retten und ihnen ein gutes Sehen ermöglichen.“

Lotti und ihre Eltern haben harte Zeiten hinter sich. Die Angst, dass ihr Mädchen doch noch irgendwann erblindet, sei immer präsent, sagen sie. „Aber es würde nicht helfen, wenn wir uns beide in die Ecke setzen und heulen.“ Stattdessen danken sie Familie und Freunden für die Unterstützung. „Und vor allem sind wir den Ärzten in Mainz zweimillionenfach dankbar“. Wichtig ist ihnen jetzt, anderen Eltern Mut zu machen. „Je eher man handelt, desto größer sind die Heilungschancen.“ Die SWR-Reportage „Lottis großer Augenblick - Kampf gegen den grünen Star“ ist am Sonnabend, 22. September, im SWR-Fernsehen, Regionalprogramm, ab 18.05 Uhr zu sehen.

Cosima Künzel

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