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Lübeck Lübecker Josephinenbrücke: Der Abbruch geht voran
Lokales Lübeck Lübecker Josephinenbrücke: Der Abbruch geht voran
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08:00 26.08.2019
Der Schwerlastkran hebt das vereinzelte Brückenüberbauteil heraus. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Frank Notkamp sieht sehr zufrieden aus. Schon bis zur Frühstückspause sind drei der insgesamt elf Brückensegmente entfernt worden. „Wir liegen absolut im Zeitplan; voraussichtlich reicht dieser Tag aus“, zeigt sich der Diplom-Ingenieur zuversichtlich. Als Oberbauleiter ist er für das Projekt Josephinenbrücke zuständig; ihm zur Seite steht Planer Niclas von Blücher. „Ich betreue das Bauvorhaben nun seit Ende 2016 und habe quasi alles bis auf die Statik konstruiert“, merkt er an. „Wir sind top im Zeitplan und wollen doch zeigen, dass es besser als bei anderen Baumaßnahmen geht“, sagt er augenzwinkernd.

Seit sechs Uhr in der Früh ist die Josephinenbrücke voll gesperrt, also auch für Fußgänger und Radfahrer, um den alten Überbau abzubrechen. Schweres Gerät wurde aufgefahren. „Vor allem so einen 500-Tonnen-Riesenkran sieht man nicht alle Tage. Und wenn diese Betonteile zerbröselt werden, spürt man diese Urkraft der Hydraulik“, sagt Anwohner Heinrich Schütte, der das Geschehen auf der Baustelle aus sicherer Distanz intensiv beobachtet.

Am Sonnabend, 24. August, war die Lübecker Josephinenbrücke auch für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Der alte Überbau wurde mit schwerem Gerät entfernt.

Ausgefeiltes Abbruchkonzept greift

Seit 21 Jahren wohne er nun in der Einsiedelstraße, Ecke Josephinenstraße – „und uns wird ja schon seit ein paar Monaten hier etwas geboten.“ Das Spannendste bisher, so seine Erinnerung: „Als es mit den Ramm-Arbeiten für die Spundwände losging, saß ich am Schreibtisch und habe gedacht: das ist ja toll, so bekomme ich eine freie Massage auf dem Schreibtischstuhl“, berichtet er. „So intensiv hat alles vibriert.“ Jedenfalls freut er sich schon auf Weihnachten, weil das Bauwerk dann wieder für alle Verkehrsteilnehmer geöffnet werden soll.

Im Video: Abriss der Josephinenbrücke

Jetzt geht es erst mal darum, den restlichen alten Überbau der Brücke abzubrechen. Dazu wurde dieser bereits mit Seil-Sägen in elf Einzelteile zerlegt. „Und diese Einzelteile werden nun nacheinander mit dem Kran ausgehoben und direkt vor Ort für den Abtransport zerkleinert“, schildert Frank Notkamp von der Echterhoff Bau-Gruppe das schrittweise Vorgehen. Es habe viel Gehirnschmalz gekostet, um dieses ausgefeilte Abbruchkonzept zu entwickeln, betont er.

Versorgungsleitungen als Sorgenkinder

Alles ist jedenfalls im Detail aufeinander abgestimmt; jeder der 15 Mitarbeiter weiß genau, was zu tun ist. Zuerst wird jedes vereinzelte, marode Brückensegment alle zwei Meter mit Ketten ummantelt und gesichert, weil der Beton bereits zu bröselig geworden ist, sodass zwei Anschlagenden nicht reichen würden. Danach wird jeweils das 25 Tonnen schwere Längsteil am Kranseil-Ende befestigt und zu dem Abladeplatz herübergeschwenkt, wo bereits der Bagger mit seiner Betonzange zum Zerlegen bereitsteht. Hat er sein Werk vollbracht, fährt unmittelbar zur Beladung ein Lkw vor, um die Brücken-Überreste zur Entsorgung nach Mölln zu fahren.

Das sind die wichtigsten Sperrungen in 2019 mit Ort und Datum.

„Grundsätzlich muss man sagen, dass es ein echt kompliziertes Bauvorhaben ist“, kommentiert Bau-Ingenieur Niclas von Blücher. Der Grund: „Weil wir hier so viele Versorgungsleitungen wie Gas-, Wasser- und Starkstromleitungen hatten, die alle in verbauten Hohlkörpern mitten über die Brücke verliefen. Deshalb konnten wir sie nicht einfach abbrechen.“ Entsprechend mussten diese zeitlich aufwendig in die neu erstellten Geh- und Radwegbrücken verschwenkt werden.

Baujahr 1963 als Sparversion

Die Josephinenbrücke ist gerade einmal 20 Meter lang. Sie verbindet die Einsiedelstraße mit der Posener Straße. Eine kurze Strecke, aber eine wichtige. Denn wer von der nördlichen Altstadtinsel zur Schwartauer Allee oder nach Bad Schwartau will, muss die Querung passieren. Die Querung führt über Bahngleise der Hafenbahn.

Die Brücke ist 1963 als „Sparversion“ errichtet worden. Es wurden große Blechrohre in die Fahrbahn eingebaut, um Beton zu sparen. Bei einer Fahrbahndicke von 100 Zentimetern wurden Rohre mit einem Durchmesser von 70 bis 75 Zentimetern eingelassen. Deshalb gibt es teils nur wenige Zentimeter Beton, so dass sich Längsrisse gebildet haben und sich das Bauwerk quasi in einzelne Balken aufgelöst hat. Zudem hat eindringende Feuchtigkeit ihren Tribut gefordert. Dazu kam: Es fuhren viel zu viele Laster über die Querung. Täglich 20 000. Für so viele schwere Laster wurde die Brücke 1963 gar nicht gebaut.

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Weitere Vollsperrung vom 6. bis 8. September

Eine weitere Vollsperrung wird es übrigens erneut geben, von Freitag, 6. September, ab 6 Uhr morgens bis Sonntag, 8. September, 22 Uhr. Dann sollen nach weiteren Betoninstandsetzungsarbeiten an den vorhandenen Betonwiderlagern die neuen Stahlträger auf die Widerlager und Betonfertigteile aufgelegt werden. „Dann wird aus den bisherigen drei Brückenteilen wieder eine einzige Josephinenbrücke“, blickt von Blücher voraus.

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