Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Abgewählte Politiker verabschieden sich von der Bürgerschaft
Lokales Lübeck Abgewählte Politiker verabschieden sich von der Bürgerschaft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:20 11.05.2018
Diese drei sind raus: Henning Stabe (CDU), Andreas Sankewitz (SPD) und Katja Mentz (GAL). Quelle: Collage: Haller
Lübeck

Neues Spiel, neues Glück. So ist eine Wahl. Aber manche haben Pech. Überraschend sind engagierte Politiker aus der Bürgerschaft gekegelt worden. Grund: Die Partei hat mäßig abgeschnitten, die Kandidaten haben ihren Wahlkreis nicht direkt gewonnen, oder der Listenplatz hat nicht gereicht.

So ist auch die CDU-Fraktion geschrumpft – von 16 Sitzen auf zwölf Sitze. Insgesamt verlassen neun Leute die Bürgerschaft. „Viele Leistungsträger sind nicht mehr in der Fraktion“, stellte Kreischefin Anette Röttger schon am Wahlabend fest. Gehen müssen auch der ehemalige Fraktionschef Andreas Zander, der kulturpolitische Sprecher Hennig Stabe und der Schul-Experte Hauke Wegner. Alle machen seit vielen Jahren Kommunalpolitik. Enttäuscht? „Eigentlich nicht“, sagt Zander. Allerdings kritisiert er: „Wenn wir als Gesamtfraktion zusammen Wahlkampf gemacht hätten, dann hätten wir sicher noch mehr Stimmen holen können.“ Denn die CDU ist seit jeher in zwei Lager gespalten. Aber er sei nicht traurig, dass er nach 15 Jahren nicht mehr in der Bürgerschaft sitzt. Allerdings: Das kann sich auch noch ändern, denn Zander ist der erste Nachrücker.

Alles zur Wahl in Lübeck

Klicken Sie hier, um den Wahlabend in Lübeck mit unserem LIVE-Ticker nachzulesen

Hier zeigen wir die Ergebnisse der Bürgerschaftswahl

Auf dieser Themenseite finden Sie alle Vorberichte, Kommentare, Analysen zur Wahl in Lübeck

Galerie: Die Bürgerschaftswahl 2018 in Lübeck in Bildern

„Ich bin enttäuscht, aber nicht überrascht“, gibt Henning Stabe zu. Er habe schon im Voraus gerechnet, und ihm sei klar gewesen, dass es eng würde. Wie Zander sitzt er seit 15 Jahren in der Bürgerschaft, war zuletzt Vorsitzender des Kulturausschusses. „Man kriegt bei einer Wahl nur einen Fünf-Jahres-Vertrag“, sagt er.

Man gehe zwar davon aus, dass er verlängert werde, aber das sei eben nicht so. „Das geht schon in Ordnung“, konstatiert Hauke Wegner, schulpolitischer Sprecher der CDU. Er hat einen Wahlkreis knapp verloren. „Für mich bricht keine Welt zusammen.“ Aber inhaltlich hätte er gerne weitergearbeitet. Wegner war auch als künftiger Fraktionschef gehandelt worden. „Dafür habe ich jetzt mehr Zeit“, sagt Wegner. Er sitzt seit fünf Jahren in der Bürgerschaft. „Da ist vieles liegengeblieben.“

Auch bei der SPD gibt es traurige Gesichter. Sie hat zwar 14 Sitze errungen, aber sechs Leute verlassen die Fraktion. Darunter Andreas Sankewitz, Vorsitzender des Sozialausschusses. „Ja, ich war enttäuscht“, gibt er zu. Er hat im Bornkamp kandidiert – und hatte sich 2015 für den Bau einer Erstaufnahme mit 600 Flüchtlingen ausgesprochen. Obwohl sich eine Initiative aus Nachbarn gegründet hatte, die dagegen waren. „Irgendwann zahlt man die Rechnung dafür“, konstatiert Sankewitz. Die Sprecherin der Initiative ist in die CDU eingetreten – und hat den Wahlkreis direkt gewonnen. Sankewitz, der sich seit 2011 politisch engagiert, lässt offen, ob er dabei bleibt. „Das muss sich erst einmal finden.“ Er engagiert sich seit 2011 politisch. Ausgeschieden ist auch Harald Quirder, der baupolitische Sprecher der SPD und langjähriges Bürgerschaftsmitglied. Er hat den Wahlkreis Schlutup gegen den jungen Kandidaten der CDU verloren.

Komplett neu muss sich die GAL orientieren. Von fünf Fraktionsmitgliedern müssen vier gehen. Darunter Katja Mentz. Sie macht seit 30 Jahren Kommunalpolitik. „Als ich am Wahlabend ins Rathaus kam, war ich schon wieder etwas gefasst“, sagt Mentz. Sie hatte die ersten Ergebnisse über das Radio gehört. „Wir haben viel erreicht – und viele Themen angestoßen. Das hätte ich gerne fortgesetzt.“ Aber: „Jetzt muss ich erst einmal einen neuen Job suchen.“ Denn sie hat die Geschäftsstelle der Fraktion geleitet. Die wird jetzt geschlossen, da die GAL nur noch ein Mandat hat. Eine Fraktion muss mindestens zwei Mitglieder haben.

Mitarbeiten können die Ausgeschiedenen weiterhin – als bürgerliche Mitglieder. Sie sitzen für ihre Partei in Fachausschüssen, nicht aber in der Bürgerschaft. Damit haben sie viel Arbeit – können aber nichts endgültig entscheiden. Das ist der Bürgerschaft vorbehalten.

 Von Josephine von Zastrow