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Lübeck Pressezentrum: Ausverkauf nach 42 Jahren
Lokales Lübeck Pressezentrum: Ausverkauf nach 42 Jahren
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15:54 28.12.2018
Sonja und Kai Fischbach, Stammkunden des Pressezentrums, nutzen die Gelegenheit, günstige Bücher und DVDs zu kaufen – obwohl sie traurig sind über die Geschäftsaufgabe. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Innenstadt

Um kurz vor halb zehn hat sich eine kleine Menschentraube vor dem Pressezentrum in der Breiten Straße gebildet. Als die Mitarbeiter von innen die Glastüren öffnen, ist Bernd Kreienbring (53) einer der ersten im Geschäft. Er ist auf DVDs aus. „Ich interessiere mich vor allem für Klassiker, Filme aus den 50er und 60er Jahren“, sagt er. Er kenne das Pressezentrum schon, seit er in jungen Jahren Werbezettel vom Kino hier vorbeibrachte. Er werde es vermissen.

Jörg Jäger (60), Inhaber des Geschäfts, kommt mit einem Stapel DVDs im Arm die Treppe herunter. Er wirkt entspannt. „Die Anstrengungen waren ja eigentlich eher vorher“, sagt er. „Jetzt hofft man, dass es viele Menschen gibt, die das alles mitnehmen.“ Einige Stunden später, inzwischen ist früher Nachmittag, steht Jäger in der inzwischen stark gewachsenen Menschenmenge und wirkt noch entspannter. „Das ist schön, wenn die Leute mit ihren Stapeln zur Kasse gehen“, sagt er. „Das ist wie früher. Es sind auch die alten Gesichter von früher, teilweise.“

DVD und CD: Umsätze „im freien Fall“

Vor acht Jahren übernahm Jäger, der vorher Geschäftsführer war, die unternehmerische Verantwortung für das Pressezentrum. Der Laden lief, aber steigende Zahlen gab es nicht mehr. Das Buchgeschäft, sagt er, sei relativ stabil, aber DVDs und Musik-CDs seien „im freien Fall“. Deshalb entschloss er sich in diesem Jahr, den Mietvertrag für das Haus nicht zu verlängern.

Bis Mitte Januar gilt im Pressezentrum der Ausnahmezustand. Dann bleiben Jäger und seinen Angestellten noch zwei Wochen, um aufzuräumen. Ende Januar übergibt er den Schlüssel an den Eigentümer, und dann ist die Unternehmensgeschichte des Pressezentrums nach 42 Jahren zu Ende.

Tickets in Zukunft bei den LN – Gutscheine vorher einlösen

Mit dem Pressezentrum schließt auch die Konzertkasse – aber ihr erfahrener Mitarbeiter André Kaminski (45) bleibt den Kunden erhalten. Vom 1. Februar an wird er seine Arbeit einen Steinwurf entfernt als Mitarbeiter der LN-Ticketwelt in der LN-Geschäftsstelle (Dr.-Julius-Leber-Straße 9-11) fortführen. Darüber freut sich LN-Geschäftsführer Ingo Höhn. „Die Schließung des Pressezentrums hinterlässt eine Lücke in der Lübecker Innenstadt“, sagt er. „Wir sind froh, dass wir den Kunden des Pressezentrums in unserer Geschäftsstelle in der Dr.-Julius-Leber-Straße wenige Meter entfernt ihren gewohnten Ticketservice bieten können. Die Lübecker Nachrichten werden somit der führende Anbieter für stationären Ticketverkauf in der Stadt.“ Die LN-Ticketwelt ist allerdings nicht Rechtsnachfolger der Pressezentrum-Konzertkasse. Das heißt: Wer Ansprüche gegen die Konzertkasse hat, kann sie nicht bei der LN-Ticketwelt geltend machen. Wer Gutscheine der Konzertkasse hat, sollte sie rechtzeitig vor der Geschäftsaufgabe im Pressezentrum einlösen.

„Schade. Es war eine Institution“

Anke Kessenich (53) hält zwei Krimis in der Hand, und dabei wird es nicht bleiben. Sie hat viel im Pressezentrum gekauft in den letzten 15 Jahren – Bücher, Konzertkarten, DVDs, CDs. „Jetzt will ich einfach noch mal reingehen, bevor es zumacht. Schade. Es war eine Institution für Lübeck.“ Sonja (42) und Kai Fischbach (49) sind schon immer gern hierher gekommen. „Ich habe hauptsächlich Bücher gekauft“, sagt Kai Fischbach, „weil sie hier eine große Auswahl von Besonderem hatten.“ Das Pressezentrum habe häufig die Trends als erste erkannt. „Die waren die ersten, die einen eigenen Tisch für Graphic Novels hatten.“ Jetzt tragen sie jeder einen stattlichen und noch immer wachsenden Stapel von Büchern, DVDs und CDs – darunter Geschichten von Edgar Allan Poe, Musik von Herbert Grönemeyer, ein tschechischer Kinderfilm. „Wir haben jetzt ein schlechtes Gewissen“, gibt Sonja Fischbach zu.

Von der Buchpreisbindung befreit

Davon will Jörg Jäger nichts hören: „Niemand muss ein schlechtes Gewissen haben! Wir freuen uns gerade für die, die Stammkunden waren und jetzt noch mal ein Schnäppchen machen können.“ Er erwartet vor allem bei den Büchern einen großen Andrang. Für die Zeit des Ausverkaufs ist sein Geschäft ausnahmsweise von der Buchpreisbindung befreit. So eine Genehmigung gibt es nur bei Geschäftsaufgabe, und auch das nur für maximal 30 Tage. Wenn es gut läuft, schätzt Jäger, dann hat er am Ende des Ausverkaufs drei Viertel des Bestands verkauft. Der Rest geht dann an Händler, die auf solche Aufkäufe spezialisiert sind.

Besonders traurig ist der Abschied für die neun Mitarbeiter. Es waren einmal 40. Die meisten, die jetzt noch dabei sind, sind es seit mindestens 20 Jahren. Peter Handrek (56) sogar schon seit 40 Jahren. Er hat im Pressezentrum Ende der 70er Jahre seine Ausbildung zum Buchhändler gemacht und ist jetzt stellvertretender Geschäftsführer und Prokurist. „Ich versuche, die Emotion nicht so in den Vordergrund zu stellen“, sagt er, „und meine Arbeit bis zum letzten Tag zu machen.“

Hanno Kabel

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