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Lokales Lübeck Lübeck: Bau-Innung spricht 29 Lehrlinge frei
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15:06 03.08.2019
Clarissa Dorothee Reuter (r.) und Inken Bork (l.) zählen zu den Prüfungsbesten. Quelle: Rüdiger Jacob
St. Jürgen

Ab sofort gehen 29 frisch gebackene Leute vom Bau ans Werk. 18 ehemalige Maurer-, sieben Zimmerer- und vier Fliesenleger-Azubis haben ihre Prüfung bestanden, und wurden jetzt feierlich von ihren Rechten und Pflichten des Lehrvertrages freigesprochen. Zugleich wurden zehn Ausbau- und Hochbaufacharbeiter für Ihren Abschluss gefeiert. Gleichzeitig sind 44 neue Azubis feierlich eingeschrieben worden.

Der Ursprung des Wortes „Schlitzohr“

Lübecks Kreishandwerkerschafts-Chef Carsten Groth hat einen neuen Hut. Wie der Innungsobermeister vor den Gästen in der überbetrieblichen Ausbildungsstätte der Bauinnung im Ausbildungspark Blankensee erklärte, hat die schwarze, smarte Kopfbedeckung, deutlich eleganter als der herkömmliche Zimmermannshut, auch etwas mit der feierlichen Freisprechung zu tun. Denn nicht nur die freigesprochenen Gesellen, auch die neuen Auszubildenden waren in traditioneller Handwerkskluft erschienen – die Zimmerer zünftig mit weißem Hemd mit Stehkragen, Weste, Hose mit weitem Schlag – und natürlich dem Hut. „Der schützt uns vor Sonne, oder lässt den Regen ablaufen“, so ein gut gelaunter Kreishandwerks-Chef. Groth ließ auch wissen, was ein Schlitzohr ist: „Handwerker trugen einst immer einen Ohrring. War jemand von ihnen einmal nicht ehrbar, nicht wahrhaftig oder nicht gerecht, wurde ihm der Ring aus dem Ohr gerissen, und der schlechte Handwerker war für immer gezeichnet“, sagte Groth.

Azubi-Erfahrungen statt Festrede

Vor Kaffee und Kuchen stand die feierliche Freisprechung der neuen Maurer, Zimmerer und Fliesenleger auf dem Programm. Bei nur einem Durchgefallenen ein bemerkenswertes Prüfungsergebnis. Für Bestleistungen im praktischen Bereich wurden der Maurer Carl Julius Kroschel (Denker & Carstensen), der Zimmerer Simon Matthias Juschkat (Zimmerei Stamer) und der Fliesenleger Moritz Meyer (Hermann Claussen) ausgezeichnet. Statt einer Festrede gab es locker erzählte Erfahrungen von der neuen Maurerin Inken Bork. Sie war Studierende und zugleich Maurer-Auszubildende (StudiLe) und sprach über „eine tolle Ausbildungszeit.“ Zugleich machte Bork den neuen Azubis Mut: „Ihr habt Euch tolle Berufe ausgesucht. Ihr schafft das“, ermunterte sie den Nachwuchs.

„Seid ehrlich, wahrhaftig und gerecht“

Für Clarissa Dorothee Reuter ist es „einfach schön, etwas mit meinen Händen zu erschaffen“, sagt die 22-Jährige, die später einmal als Bauingenieurin Bauleitungen übernehmen möchte. Lasse Schulz (18) bekam den Hang zum Handwerk in die Wiege gelegt. „Schon mein Opa war Tischler“, sagt Schulz, der jetzt als Zimmerer sehen kann, was er geschaffen hat. „Erst mal möchte ich ein paar Jahre praktische Erfahrungen sammeln, später dann meinen Meister machen.“

Felix Liesche brauchte statt drei nur zwei Jahre zu lernen. Der 29-Jährige hat schon eine Ausbildung als Metallbauer hinter sich. Jetzt steigt Liesche in das familiäre Bauunternehmen Ohlerich ein. „Erst mal richtig Fuß fassen, und danach Schritt für Schritt weitergehen“, sagt Liesche. „Handwerker werden immer gefragt sein“, gab Groth den neuen Gesellen mit auf den Weg. „Seid stets ehrlich, wahrhaftig und gerecht“, ermahnte der Obermeister die jungen Kollegen. Auch wenn sie nicht mehr befürchten müssen, dass ihnen Ohrringe herausgerissen werden.

Rüdiger Jacob

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