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Lübeck Benzindiebe bohren Tank auf – wegen hoher Spritpreise?
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Lübeck: Benzindiebe bohren Tank auf - wegen hoher Spritpreise?

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08:00 28.10.2021
Dreist und gefährlich: Diebe haben den Tank von Kathleen Peters Auto aufgebohrt und Sprit geklaut. Ihr Kleinwagen muss in die Werkstatt von Stephan Jans.
Dreist und gefährlich: Diebe haben den Tank von Kathleen Peters Auto aufgebohrt und Sprit geklaut. Ihr Kleinwagen muss in die Werkstatt von Stephan Jans. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Ihr ist nichts Besonderes aufgefallen, als sie am vergangenen Montagmorgen in ihr Auto gestiegen ist und zur Arbeit nach Lübeck fahren wollte. Doch schon nach ein paar Metern leuchtete die Tankleuchte des Kleinwagens von Kathleen Peters aus Lüdersdorf. „Ich habe mich gewundert, weil ich erst vor Kurzem vollgetankt hatte“, sagt die 38-Jährige. „Ich dachte, dass es vielleicht ein Marder war, habe kurz angehalten und bin dann sofort wieder nach Hause gefahren.“

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Dreiste Benzindiebe bohren Loch in Tank

Doch es war keines der possierlichen Raubtiere, die Kathleen Peters’ Auto beschädigt haben. „Als ich zuhause war, habe ich gesehen, dass der Tankstutzen beschädigt wurde“, sagt die Rechtsanwaltsfachangestellte. Dass Diebe am Werk gewesen sein mussten, wurde ihr in dem Moment klar. „Abends wollte ich eigentlich neues Benzin holen. Aber als mein Freund noch einmal unter das Auto geguckt hat, hat er gesehen, dass ein Loch im Tank war. Die haben da ein Loch reingebohrt, um das Benzin ablaufen zu lassen.“

Diebe haben ein Loch in den Tank gebohrt, um den Sprit abzulassen. Weil die Diebe das Loch in die Seite des Tanks gebohrt haben, ist noch ein kleiner Rest Sprit übrig geblieben. Quelle: Kathleen Peters/hfr

Drei Tage davor hatte Kathleen Peters ihr Auto vollgetankt, rund 35 Liter Super für etwa 1,70 Euro – die Diebe haben also im besten Fall Sprit im Wert von rund 60 Euro geklaut. „Ich habe extra darauf geachtet, dass die Spritpreise etwas niedriger sind“, sagt Peters. „Bei den hohen Benzinpreisen wundert es mich nicht, dass Menschen auf die Idee kommen, Benzin zu klauen.“

Tank aufgebohrt: So teuer wird es für Autobesitzer

Hohe Spritpreise hin oder her – der Schaden am Auto von Kathleen Peters ist auf jeden Fall größer als der Wert des entwendeten Kraftstoffes. Ihr Ford Ka wurde abgeschleppt und zur Kfz-Werkstatt von Stephan Jans in den Glashüttenweg nach Lübeck gebracht. „Der Tank ist von Ford nicht mehr lieferbar. Wir suchen nach einem passenden Gebrauchtteil“, sagt der Inhaber der Kfz-Werkstatt. „Die Kosten für die Reparatur sind ganz unterschiedlich, aber können je nach Fahrzeug auf jeden Fall in die Tausende gehen.“

„Wenn man ein bisschen Ahnung von Autos hat, dann weiß man auch, wo der Tank ist“, sagt Stephan Jans, Inhaber einer Kfz-Werkstatt in Lübeck. Quelle: Lutz Roeßler

Um einen Tank aufzubohren und Sprit zu klauen, muss man laut Jans kein Experte sein. „Wenn man ein bisschen Ahnung von Autos hat, dann weiß man auch, wo der Tank ist“, sagt er. „Der Mann, der das Auto zu mir gebracht hat, meinte, dass es nicht der erste Wagen war, den er wegen eines aufgebohrten Tanks abschleppen musste – er hat von solchen Fällen momentan drei Stück am Tag.“

Sprit-Klau als neue kriminelle Masche?

Ist das Tankaufbohren eine neue Masche von Kriminellen? Fakt ist: Schon vor Jahren sind Spritdiebe etwa im Kreis Stormarn nach demselben Muster vorgegangen. Vor rund einem Monat gab es in Lübeck gleich vier solcher Fälle innerhalb einer Woche. Dennoch sieht die Polizei Lübeck keine Hinweise, dass es zu einem neuen Trend unter Kriminellen geworden ist. „Es gibt keine Häufung von Fällen, es ist kein Schwerpunkt zu verzeichnen“, sagt eine Polizeisprecherin. „Polizeilich ist nichts bekannt.“

Auch der ADAC hat dazu keine Zahlen. „Auch wenn diese Art von Schaden von der Straßenwacht und den Abschleppdiensten nicht gesondert erfasst wird, wäre es sicher Gesprächsthema gewesen“, sagt ADAC-Sprecher Rainer Pregla.

So schützen Sie sich vor Spritdieben

Ob neue Masche oder nicht: Kathleen Peters muss sich nun darum kümmern, wie sie jeden Morgen zu ihrer Arbeit nach Lübeck kommt. „Mein Auto hat gerade Tüv bekommen, ich wollte es eigentlich noch einige Zeit fahren“, sagt Peters. „Aber weil mein Auto so alt ist, wird es wohl ein Totalschaden sein. Vielleicht muss ich mir ein neues kaufen.“

Muss sich wohl ein neues Auto kaufen: Kathleen Peters aus Lüdersdorf. Quelle: Lutz Roeßler

Dennoch ist Kathleen Peters im Endeffekt froh, dass sie den dreisten Spritklau relativ schnell bemerkt hat. „Morgens im Halbschlaf und dann am besten noch auf der Autobahn – das hätte auch gefährlich werden können“, sagt Peters, die nur eine Möglichkeit sieht, sich in Zukunft vor den bohrenden Benzindieben zu schützen. „Die anderen Fahrzeuge vor unserem Haus haben sie in Ruhe gelassen. Mein Wagen stand etwas versteckt“, sagt Peters. „Eine Nachbarin hatte in der Nacht Kratz- und Bohrgeräusche gehört, aber keine Personen gesehen. Ich parke mein Auto ab jetzt nur noch da, wo ich es durch das Fenster sehen kann.“

Von Hannes Lintschnig