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Lübeck Lübeck: Ein Codewort für Opfer häuslicher Gewalt
Lokales Lübeck

Lübeck: Codewort "Maske 19" für Opfer häuslicher Gewalt

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12:25 31.08.2020
Simone Sölter (l.), Polizei Lübeck, und Birgit Stamer, Zonta Club Lübeck, werben für die Aktion „Maske-19“ Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Wie Menschen helfen, die verängstigt und eingeschüchtert sind? Besonders Frauen sind von häuslicher Gewalt betroffen. Oft trauen sie sich nicht, es offen auszusprechen. Eine Aktion des Zonta Clubs Lübeck soll es ihnen leichter machen, Hilfe zu holen: Sie müssen nur an einem bestimmten Ort das Codewort „Maske-19“ aussprechen.

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Häusliche Gewalt ist gegenwärtig

Alle drei Tage wird eine Frau von ihrem Partner getötet, jeden Tag wird dies versucht – in Deutschland. Dies belegt eine Statistik des Bundeskriminalamtes aus dem Jahr 2018. Besonders während der Corona-Pandemie nimmt die häusliche Gewalt zu. In Lübeck habe die Polizei keine signifikante Veränderung verzeichnet. „Aber zu dem Dunkelfeld kann ich nichts sagen“, sagt Simone Sölter, Beauftragte für häusliche Gewalt an der Polizeidirektion Lübeck. Beim Weißen Ring in Lübeck wurde ein deutlicher Anstieg registriert.

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Schnell und vertraulich Hilfe bekommen

„Manche können nicht von zu Hause aus telefonieren oder wollen sich nicht erst erklären müssen“, sagt Birgit Stamer, Präsidentin des Zonta Clubs Lübeck. Hier setzt die neue Aktion an. In teilnehmenden Apotheken oder Arztpraxen muss eine Betroffene nur das Codewort „Maske-19“ sagen und erfährt sogleich Hilfe. Geschultes Personal bittet die Person dann zu einem vertraulichen Gespräch und verständigt auf Wunsch die Polizei. Alle unterliegen der Schweigepflicht. „Die Aktion ist sicherlich das niederschwelligste Angebot für Betroffene“, sagt auch Heike Schulz vom Weißen Ring in Lübeck.

Aktion ist in Lübeck im Aufbau

Die Aktion „Maske-19“ stammt ursprünglich aus Spanien und Frankreich und läuft seit März in Süddeutschland. Nun soll das Hilfsangebot auch in Lübeck anlaufen. „Wir sind dabei, das einzurichten, zuerst aber mussten wir die Polizei informieren“, sagt Stamer. Nun werden Apotheken und Arztpraxen gesucht, die bereit sind mitzumachen. Erkennbar werden die Anlaufstellen für Betroffene durch das aufgehängte Poster.

Unterstützung durch Polizei Lübeck

Unterstützt wird die Aktion von der Polizei Lübeck. Simone Sölter weiß von vielen Frauen, die Opfer von Beziehungsgewalt geworden sind. „Wir raten, sich frühzeitig Hilfe zu holen“, sagt sie. Betroffene sollten das Gespräch suchen mit guten Freunden, Beratungsstellen oder der Polizei. So bleibe die Person mit ihrer Erfahrung nicht mehr alleine.

„Viele haben die Hoffnung, dass sie die Einzigen sind und sich alles wieder gibt“, sagt Sölter. Man müsse ihnen aber deutlich machen, dass es wichtig ist die Tat offen zu benennen und darüber zu reden. „So haben sie eine Perspektive auf ein gutes Leben“.

Hilfsangebote für Betroffene

Betroffene von Gewalt in Lübeck können sich an folgende Ansprechpartner wenden:

Weisser Ring Lübeck, Tel: 0151/55 16 48 11 (rund um die Uhr)

Frauennotruf Lübeck, Tel: 0451/70 46 40 (montags, mittwochs, donnerstags 9-13 Uhr, und dienstags und donnerstags 16-18 Uhr)

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, Tel: 08000/11 60 16 (rund um die Uhr)

Autonomes Frauenhaus Lübeck, Tel: 0451/66 03 3 (rund um die Uhr)

Frauenhaus Hartengrube der AWO in Lübeck, Tel: 0451/70 51 85 (rund um die Uhr)

Apotheken und Arztpraxen werden gesucht

„Nicht jede Frau möchte gleich Anzeige erstatten“, sagt Sölter. Neben der Polizei gebe es aber zahlreiche Hilfsangebote in Lübeck, die Betroffene in Anspruch nehmen könnten. Mit der Hilfsaktion „Maske-19“ gibt es nun eine weitere Möglichkeit. Apotheken und Arztpraxen sind herzlich eingeladen sich zu beteiligen. Interessenten können sich beim Zonta Club Lübeck melden unter der Telefonnummer 0451 58230512 oder unter der E-Mail-Adresse B.Stamer@zimmerei-stamer.de.

Von Elmar Westerkamp