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Lokales Lübeck Lübeck: Denkmalschutz für den Güterbahnhof?
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07:00 17.08.2019
Das Areal des alten Güterbahnhofs: Der Abriss ist in vollem Gange. Bis Ende des Jahres soll das Areal plan sein. Der Wasserturm indes bleibt erhalten. Er steht unter Denkmalschutz. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Ist das historisch oder kann das weg? Das ist die Frage. Es geht um das fast acht Hektar große Areal des ehemaligen Güterbahnhofs. Es liegt mitten in der Stadt – und dort soll ein neues Wohnviertel gebaut werden. 90 Millionen Euro will die Wohnkompanie Nord dort investieren. Es sollen 320 Wohnungen gebaut werden. Baustart ist für 2020 geplant, fertig soll alles 2023 sein.

Vom Güterbahnhof zum Wohnquartier: So soll das Areal bebaut werden. Quelle: Jochen Wenzel

Hierlesen Sie, was geplant ist auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs.

Abriss bis Ende des Jahres

Jetzt gibt es eine Debatte um den Erhalt der alten Bahn-Gebäude auf dem Areal. Denn für das riesige Bauprojekt werden sie abgerissen. Allerdings: In den vergangenen Wochen rollten bereits die Bagger. Die Verladehalle ist schon dem Erdboden gleich gemacht. Jetzt folgt der halbrunde Lokschuppen. Bis Ende des Jahres soll das Areal plan sein. Erhalten will die Wohnkompanie die 400 Meter lange Güterhalle – sofern sie nicht zu kaputt ist oder mit Altlasten verseucht ist.

Ensemble-Schutz der alten Bahn-Anlage?

Nicht einverstanden damit sind die Unabhängigen. „Wir wollen, dass der Ensemble-Schutz geprüft wird“, macht Fraktionschef Detlev Stolzenberg klar. Denn bisher steht nur der Wasserturm unter Denkmalschutz. „Das ist eine Insellösung“, sagt Stolzenberg. Der lange Güterhalle, der Lokschuppen und die anderen kleineren Gebäude sind nicht geschützt. Stolzenberg fordert: „Man muss doch den Gesamtzusammenhang der Anlage sehen.“

Oder einzelne Gebäude unter Denkmalschutz stellen?

Zustimmung kommt von der CDU. „Ich befürworte es in jedem Fall, dass der Schutz geprüft wird“, sagt Hauke Wegner, denkmalpflegerischer Sprecher. Denn die Anlage stamme noch aus dem Dampflok-Zeitalter. Aber für ihn ist wichtig: „Durch den Denkmalschutz darf es zu keiner jahrzehntelangen Brache kommen.“ Bei einer Investition sollte so viel wie möglich von dem Charakter erhalten werden, fordert Wegner.

Hierlesen Sie, warum das Maritim in Travemünde unter Denkmalschutz steht.

Ähnlich sehen es SPD und Grüne. Für besonders schützenswert halten sie indes einzelne Gebäude. „Wir wollen, dass der historische Schuppen mit der Laderampe erhalten bleibt – und ein kleines Speditionsgebäude“, sagt Fraktionschef Peter Petereit. Die Grünen wollen ebenfalls den Schuppen erhalten. Arne-Matz Ramcke bedauert: „Ich finde es sehr schade, dass der Lokschuppen nicht unter Denkmalschutz gestellt wurde.“

Abriss-Bagger am Werk: Alte Gebäude werden plan gemacht auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Quelle: Holger Kröger

Nördliche Wallhalbinsel und Schlachthof stehen unter Schutz

Beim Denkmalschutz gibt es zwei Möglichkeiten: Einzelne Gebäude werden unter Schutz gestellt oder ein Ensemble von Gebäuden. Beim Ensemble-Schutz wird nicht ein einzelnes Haus bewahrt, sondern es werden mehrere Häuser und das sie umgebene Areal geschützt. Beim Güterbahnhof bedeutet das: Wie wurden die Waren von einem Ort zum anderen transportiert? Wie wurden sie gelagert? Wo wurden die Lokomotiven abgestellt und repariert? Beispielsweise ist die Nördliche Wallhalbinsel als ehemaliges Hafen-Gelände unter Ensemble-Schutz gestellt worden. Der Schlachthof ebenfalls. Allerdings hat beides Jahre gedauert. Stolzenberg kritisiert: „Es ist ärgerlich, wie Lübeck mit seinem Potenzial umgeht.“ Und auch Wegner sagt: „Man muss diese Zeit der Industrialisierung in Lübeck genauer in den Blick nehmen.“

Zeitzeuge der Industrialisierung Lübecks

Das Besondere am Güterbahnhof: Sie stammt aus der Zeit der Industrialisierung Lübecks. „Die Bahn-Anlagen sind ein bedeutender Teil der Rehder-Planungen“, sagt Detlev Holst von der Projektgruppe Initiative Hafenschuppen (PIH). Der Lübecker Oberbaudirektor Peter Rehder hat die Hansestadt Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt und ins Zeitalter der Industrialisierung geführt. Unter anderem mit seinen Plänen des Elbe-Lübeck-Kanals, aber auch mit der Bahn-Anbindung. Holst: „Das großenteils noch im Original-Zustand vorhandene Gebäude-Ensemble bildet einen historischen Zusammenhang.“

Kritik an der Stadt

Ärgerlich aus Sicht Stolzenbergs: Es gibt noch kein Baurecht für das neue Wohnquartier. Das soll Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres vorliegen. Aber: Die Stadt hat bereits den Abriss der alten Gebäude genehmigt. Und noch ärgerlicher: Die Denkmalpflege hatte keine Zeit, die Gebäude zu prüfen, weil sie zu wenig Leute hat. Das geht aus dem Protokoll einer Sitzung des Kulturausschusses im Juni hervor.

„Der Mangel an Mitarbeitern in der Denkmalschutzbehörde darf nicht dazu führen, dass Fakten geschaffen werden“, sagt Stolzenberg. Und Hermann Junghans (CDU) macht klar: „Es ist eine Frechheit, dass die Behörde nicht den Rat des zuständigen Ausschusses einholt.“ Insbesondere bei großen Projekten, sollte die Stadt die Politik fragen. „Und zwar bevor eine Entscheidung fällt.“

Von Josephine von Zastrow

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