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Lokales Lübeck Lübeck: Stadt will Brolingplatz-Quartier schützen
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06:00 24.06.2019
Häuser aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg mit waagerecht gegliederten Fassaden und Vorgärten prägen das Viertel rund um den Brolingplatz. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
St. Lorenz Nord

Was ist in Lübeck erhaltenswert? Mit dieser Frage müssen sich Denkmalpflege und Bauverwaltung praktisch täglich auseinandersetzen – und das nicht nur in der Innenstadt. Jetzt sieht die Bauverwaltung Handlungsbedarf für das Viertel rund um den Brolingplatz. Auf einer Veranstaltung in der Aula des Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasiums informierten ihre Mitarbeiter die Bürger über die geplante Erhaltungssatzung für das Quartier.

Erhaltungssatzung

Das Brolingplatz-Quartier, zwischen Bahntrasse und Lohmühle gelegen, ist geprägt durch dicht an dicht gebaute Wohnhäuser, die zwischen 1874 und den 1950er Jahren entstanden. Viele der Häuser aus der Gründerzeit haben Vorgärten.

Die 15 Erhaltungssatzungen in Lübeck schützen die städtebauliche Gestalt der Viertel, für die sie gelten. Möglich sind auch Satzungen zum Schutz der Bevölkerungsstruktur. Erhaltungssatzungen sind in Paragraf 172 des Baugesetzbuchs geregelt.

Entscheidung für September geplant

Die Satzung soll im September der Bürgerschaft zur Entscheidung vorliegen. Sie würde den Eigentümern strengere Auflagen für die äußere Gestaltung ihrer Häuser und Grundstücke machen. Bei Veränderungen an ihren Häusern und Grundstücken müssten sie sich enger mit der Verwaltung abstimmen – zum Beispiel, wenn es um einen Fassadenanstrich geht, eine Dachdeckung oder neue Fenster.

Es geht um das schöne Bild, nicht die Substanz

„Das Gebäude soll kein Fremdkörper werden“, erläuterte Frank Eckhardt, in der Bauverwaltung zuständig für die Pflege des Stadtbilds. Eine Erhaltungssatzung sei aber nicht dasselbe wie Denkmalschutz: „Denkmalpflege erhält die historische Substanz. Uns geht es eher um das schöne Bild.“ Sein Kollege, der Stadtplaner Thomas Ziebell, nannte als Beispiel den Fassadenanstrich: „Wir geben Ihnen nicht eine Farbe vor. Wir wollen nur verhindern, dass es neongelb wird in einem Gebiet, in dem Pastellfarben vorherrschen.“

Schmiedeeisernes Balkongeländer aus der Gründerzeit im Brolingplatz-Viertel. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Eine Hälfte des Brolingplatz-Quartiers ist schon geschützt

Es wäre die erste neue Erhaltungssatzung seit 21 Jahren. Zwischen 1979 und 1998 erließ die Stadt 15 davon. Zuerst für die Innenstadt, dann für mehrere ringsum gelegene Viertel, für Groß Steinrade, Krummesse und Teile von Travemünde. Danach geschah lange Zeit nichts.

Jetzt kommt wieder Bewegung in die Sache. Die Satzung für das Brolingplatz-Quartier würde einen Zustand beheben, der den Experten der Stadt schon lange ein Dorn im Auge ist: Für den zur Innenstadt hin gelegenen Teil des Gebiets südöstlich von Adlerstraße und Warendorpstraße gibt es nämlich eine solche Satzung schon seit 1990 – aber keine für alles, was nordwestlich dieser Linie liegt. „Es ist ein zusammenhängendes Gebiet“, sagte Frank Eckhardt, der in der Bauverwaltung für die Pflege des Stadtbilds zuständig ist. „Es gibt eigentlich keinen Grund, warum man das trennt.“

Seit Jahrzehnten im Standby-Modus

Schon 2005 gab der Bauausschuss der Bürgerschaft der Verwaltung den Auftrag, eine Erhaltungssatzung auszuarbeiten, die das gesamte Viertel umfasst. Vier andere Aufträge sind sogar noch länger liegengeblieben, zwei davon seit 1985 – sei es, weil nicht mehr genügend Erhaltenswertes übrig war, aus Personalmangel, aus politischen Gründen oder wegen geringen Veränderungsdrucks.

„Da würde vieles kaputtsaniert werden“

Es ist kein Zufall, dass die Verwaltung sich jetzt nach so langer Zeit wieder um das Erscheinungsbild gewachsener Stadtteile kümmert. Der Stadtplaner Thomas Ziebell sagte im Anschluss an die Info-Veranstaltung: „Die Bauaktivitäten nehmen wieder zu. Wenn wir da nicht handeln würden, würde vieles kaputtsaniert werden.“ In dem Gebiet rund um den Brolingplatz habe es den größten Handlungsdruck gegeben, erklärte der Stadtbildpfleger Frank Eckhardt.

„Es macht jeder, was er will“

Christiane Hornburg (59), die seit 2001 im Brolingplatz-Viertel wohnt, erklärte sich einverstanden damit, dass in Zukunft für die Gestaltung strengere Auflagen gelten sollen: „Ich habe schon immer ein Faible gehabt für diese schön gestalteten Fassaden“, sagte sie. „Ich habe mitgekriegt, dass viele von den schönen Friesen hinter der Wärmedämmung verschwunden sind.“ Auch Klaus Dieter Demuth (63), seit 1977 Einwohner des Quartiers, hält die Satzung für eine gute Idee. Er ärgert sich über Anbauten, die nicht ins Bild passen: „Es macht jeder, was er will“, sagte er.

Hanno Kabel

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