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Lokales Lübeck Lübeck: Headhunter für Pflegekräfte
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18:08 31.05.2019
Jörn Nicoleit (27) beendet bald seine Ausbildung als Heilerzieher in der Vorwerker Diakonie und wird dann übernommen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Vor gut anderthalb Jahren stellte die Vorwerker Diakonie 20 ausgebildete Altenpfleger aus Albanien ein. 15 von ihnen arbeiten noch in Lübeck, die anderen sind weitergezogen in größere Städte wie Hamburg und München. Sieben Pflegehilfskräfte, denen noch die deutsche Zusatzqualifikation fehlt, sind inzwischen hinzugekommen. Der Fachkräftemangel begleitet Doreen Boniakowsky, die Leiterin der Altenpflege, täglich. „Mitarbeiter teilen mir mit, dass sie Anrufe von Headhuntern kriegen“, sagt sie. „Führungskräfte, aber auch Pflegefachkräfte.“ Sie selbst, sagt sie, habe bisher noch nicht zu diesem Mittel greifen müssen.

Von 20 Bewerbungen auf eine – oder gar keine

42 Stellenausschreibungen listet die Vorwerker Diakonie, die in der Region 70 soziale Einrichtungen betreibt, auf ihrer Website auf. 28 davon tragen den Vermerk „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“. Besonders schwer ist es, Auszubildende zu finden – ein entscheidender Faktor, denn der Fachkräftemangel wird sich in Zukunft eher verstärken. „Bei Ausschreibungen, auf die wir vor einigen Jahren 20 Bewerbungen bekommen haben, bekommen wir jetzt noch eine oder zwei – oder null“, sagt Sprecher Lutz Regenberg, der zugleich Leiter der Personalentwicklung ist.

Auszubildende werden akquiriert

Die Vorwerker Diakonie zahlt Tariflöhne, bemüht sich um Weiterbildung, und die unternehmenseigene Fachschule für Heilerziehungspflege schafft mit Beginn des nächsten Schuljahrs das Schulgeld ab. Denn nicht nur der Pflegebereich ist betroffen. Jörn Nicoleit (27), der gerade seine Ausbildung zum Heilerzieher abschließt, hatte sich vor drei Jahren spät entschieden und dachte, er könnte sich erst für das folgende Jahr bewerben. „Drei Tage später hatte ich ein Bewerbungsgespräch.“

Besetzung der Stellen wird schwieriger

Die Zahlen der Arbeitsagenturbelegen den Fachkräftemangel, über den viele Unternehmen klagen. „Die Besetzung der Stellen wird schwieriger und dauert länger“, schreibt Olga Nommensen, Sprecherin der Lübecker Zweigstelle, in einer Antwort auf eine LN-Anfrage.

Zu den in Lübeck am stärkstenbetroffenen Berufsgruppen (einzelne Berufe werden in dieser Statistik nicht erfasst) zählen neben Handwerksberufen aus praktisch allen Bereichen und medizinischen Gesundheitsberufen auch Berufe in Bauplanung, Architektur und Vermessung; in Finanzdienstleistungen, Rechnungswesen und Steuerberatung; in Informations- und Kommunikationstechnik; in Tourismus und Gastgewerbe.

In sechs der von der Arbeitsagentur zusammengefassten Berufsgruppen bleiben offene Stellen durchschnittlich mehr als 100 Tage lang unbesetzt. 2015 war das nur in einer dieser Gruppen der Fall. Am längsten unbesetzt bleiben Stellen in den Mechatronik-, Energie- und Elektroberufen: Hier sind es im Schnitt 144 Tage. 129 Tage sind es in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen, 119 im IT-Bereich, 115 in Maschinen- und Fahrzeugtechnik, 106 in Hoch- und Tiefbau, 105 im Bereich nichtmedizinische Gesundheitsberufe, Körperpflege und Medizintechnik.

Vier Neue kommen aus Vietnam

Bewerbungsgespräche, sagt Regenberg, hätten sich stark verändert. „Ich als Ausbildungsbetrieb bewerbe mich bei dem, der vor mir sitzt, dass er sich für mich entscheidet.“ Die Altenpflege-Leiterin Boniakowsky hat eine Koordinatorin eingestellt, die, wie sie es ausdrückt, „auf Auszubildenden-Akquise geht“. So hat ihr Bereich es geschafft, für das im Sommer beginnende Ausbildungsjahr alle 18 Plätze zu besetzen – einschließlich vier junger Leute, die deswegen aus Vietnam nach Lübeck kommen. „Aber entspannt hat sich die Lage überhaupt nicht“, sagt Boniakowsky. „Wir sind kontinuierlich dabei.“

Handwerk: Viele Aufträge, keine Lehrlinge

Hart trifft der Fachkräftemangel auch das Handwerk, wo es mehr als genug Arbeit gibt. „Fast alle Handwerksbetriebe sind ja mit Aufträgen voll bis unters Dach“, sagt Detlev Hagemann von der Schlosserei Swars & Söhns, die 22 Mitarbeiter beschäftigt. Seine Firma müsse inzwischen manche großen Aufträge ablehnen. Auszubildende seien schwer zu finden. „Früher hatten wir jedes Jahr drei Lehrlinge im ersten Lehrjahr“, sagt Hagemann. „Jetzt haben wir gar keine mehr. Du kriegst ja gar keine Lehrlinge. Die haben alle ihre Handys und Tablets, die wollen ja alle nur noch im Büro arbeiten.“

Programmierer dringend gesucht

Davon müsste eigentlich Markus Roppiler profitieren, Geschäftsführer des Lübecker Softwareunternehmens MediaClick. Aber auch er sagt: „Wir müssen mehr Aufwand treiben, um Fachkräfte zu finden.“ Zumal sein Betrieb hohe Anforderungen an die fachliche Qualifikation stellt. „Was einige Weiterbildungsinstitute unter Programmieren verstehen, ist nicht das, was wir darunter verstehen“, sagt Roppiler. „Leider ist es auch so, dass viele der Meinung sind, weil sie den ganzen Tag mit einem Tablet rumdaddeln oder weil sie eine App installieren können, könnten sie Software entwickeln.“

„Versteckte Talente“

Auch wenn sie nicht immer gleich zum Erfolg führt: Der Gesetzgeber und die Bundesagentur für Arbeit setzen auf Weiterbildung. Für die Weiterbildung von Arbeitnehmern, die von Strukturwandel und Digitalisierung betroffen sind, gibt es seit Jahresbeginn eine besondere Förderung. In einer schriftlichen Stellungnahme appelliert Kathleen Wieczorek, operative Geschäftsführerin der Lübecker Arbeitsagentur, an Personalverantwortliche: „Seien Sie zu Kompromissen bei der Stellenbesetzung bereit und geben Sie verstecken Talenten eine Chance.“

Hanno Kabel

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