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Lübeck Fast die Hälfte aller Lübecker Straßen ist kaputt
Lokales Lübeck Fast die Hälfte aller Lübecker Straßen ist kaputt
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18:15 28.05.2019
Fast die Hälfte der Lübecker Straßen ist marode. Das haben Messungen ergeben. Die Katharinenstraße ist übersät mit Schlaglöchern. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Im April und Mai 2018 hat das Thüringer Ingenieurbüro Lehmann & Partner im Auftrag der Stadt das gesamte Straßennetz vermessen. Mit speziellen Kameras wurden Schäden in den Oberflächen, Netzrisse und Unebenheiten auf den Fahrbahnen erfasst. Die Auswertung liegt nun vor:

Rund 45 Prozent der Lübecker Straßen sind in einem kritischen Zustand und weisen den sogenannten Warnwert auf. 33 Prozent der Straßen sind so kaputt, dass die repariert oder der Autoverkehr auf ihnen eingeschränkt werden muss. Die schadhaften Straßen verteilen sich nach Angaben der Stadtverwaltung auf das ganze Stadtgebiet und betreffen sowohl Hauptverkehrs- als auch Nebenstraßen.

Im April wurden die schlimmsten Schäden an der Holstenstraße beseitigt. Quelle: Holger Kröger

„Das Untersuchungsergebnis ist ernüchternd und verlangt, dass wir uns sehr entschieden für eine Verbesserung des Zustands unserer Straßen einsetzen“, sagt Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos). Überraschend sei das Ergebnis allerdings nicht. Hagen: „Seit Jahren stellen wir zu wenige Mittel bereit, um unsere Straßen im erforderlichen Umfang zu erhalten.“

Um den Verfall zu stoppen, beantragt die Verwaltung ab 2021 ein festgelegtes, jährliches Budget – zunächst für die Dauer von fünf Jahren. Nach Ablauf der fünf Jahre wird eine erneute Befahrung aller Straßen vorgenommen, um einen aktuellen Sachstand zu erhalten. Für das jährliche Budget hat die Verwaltung mehrere Szenarien erstellt. Dabei kann es um bis zu zehn Millionen Euro pro Jahr gehen.

Rüdiger Schacht, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK: „Die Ergebnisse der Untersuchung überraschen leider nicht.“ Quelle: 54° / Felix Koenig

„Wir unterstützen die Verwaltung ausdrücklich in ihrem Vorhaben, zusätzliche Finanzmittel für die Sanierung und Instandsetzung des Straßennetzes zu erhalten“, erklärt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Rüdiger Schacht: „Die Wirtschaft der Hansestadt ist auf eine intakte Infrastruktur angewiesen. Fehlt diese, bedeutet dies eine erhebliche Belastung für den Wirtschaftsstandort Lübeck."

ADAC: Andere Kommunen haben früher umgesteuert

Der bemitleidenswerte Zustand vieler Lübecker Straßen sei keine Überraschung, sondern ein Resultat der Tatsache, dass man Investitionen in die Infrastruktur über viele Jahre als Geldverbrennung angesehen habe, sagt Ulf Evert, Sprecher des ADAC Schleswig-Holstein: „Inzwischen realisieren die Verantwortlichen, dass schlechte Straßen schlecht für Wirtschaft und Tourismus sind und damit auch Steuereinnahmen wegbrechen.“ Es sei positiv, dass ein Umdenken nunmehr auch in Lübeck stattzufinden scheint. Im Land Schleswig-Holstein sowie in anderen Kommunen habe dieses Umdenken schon vor einigen Jahre stattgefunden.

Das belegt eine Vergleichsstatistik, die die Stadtverwaltung erstellt hat. Während rund 45 Prozent der Lübecker Straßen in kritischem Zustand sind, sind es in Hamburg 29,1 und in Kiel 29,6 Prozent.

Arne-Matz Ramcke (Grüne): „Der Bericht ist eine einseitige Betrachtung des motorisierten Verkehrs.“ Quelle: Lutz Roeßler

„Die Zahlen überraschen mich nicht“, erklärt Christopher Lötsch (CDU). Der Vorsitzende des Bauausschusses erinnert an den „Masterplan Straßen“ von 2013, der über fünf Jahre 45 Millionen Euro an zwingend notwendigen Investitionen in die Fahrbahnen vorsah. Der Plan wurde nie umgesetzt. Lötsch: „Das war den damaligen Mehrheiten in der Bürgerschaft zu kostspielig.“

Grüne fordern Konzentration auf Fußgänger und Radfahrer

SPD-Verkehrspolitiker Ulrich Pluschkell hingegen traut den aktuellen Daten nicht. „Was heißt denn überhaupt Warnwert?“, fragt Pluschkell: „Die meisten Straßen sind gut befahrbar, weil viel gemacht wurde in den vergangenen Jahren.“ Erst im März haben die Politiker grünes Licht für neue Deckschichten für 27 Straßen gegeben – im Gesamtwert von 6,5 Millionen Euro. Mit Blick auf Grüne und Linke erklärt er: „Wir haben keinen Straßennotstand.“

Die neue politische Großmacht in Lübeck, die Grünen, stören sich daran, dass jetzt Millionen für die Straßen zur Verfügung gestellt werden sollen. Baupolitiker Arne-Matz Ramcke: „Bei den Straßen sollte die Stadt nur das Notwendigste machen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.“ Der Schwerpunkt müsse auf dem Radverkehr liegen. Ramcke: „Sonst besteht die Gefahr, dass Fußgänger und Radfahrer wieder das Nachsehen haben.“

Die Stadt will auch für die Radwege eine Strategie ausarbeiten. Dazu soll es wie bei den Straßen eine Bestandsaufnahme geben, die noch in diesem Jahr in Auftrag gegeben werden soll. Die Daten würden aber erst 2020 vorliegen. Erst dann würden größere Um- und Ausbauten vorgenommen.

Kai Dordowsky

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