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Lübeck Lübeck: Feuerwehr rettet drei kleine Waschbären aus Schornstein
Lokales Lübeck Lübeck: Feuerwehr rettet drei kleine Waschbären aus Schornstein
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07:10 30.05.2019
Die Feuerwehr hat in Lübeck drei Waschbär-Babys gerettet. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Sie sind kaum größer als eine Hand, die schwarzen Knopfaugen haben sie erst vor ein paar Tagen geöffnet. Und sie haben Glück, dass sie noch am Leben sind: Drei Waschbärenwelpen hat die Lübecker Feuerwehr am Dienstag aus dem Schornsteinschacht eines Einfamilienhauses im Lübecker Dohlenweg gerettet.

Die pelzigen Jungtiere, die Schätzungen zufolge etwa vier Wochen alt sind, saßen hinter einer Wartungsklappe im Keller fest. Und das mutterseelenallein: „Wir haben zunächst nur ein Quieken gehört und dachten, es wären kleine Vögel“, erklärt die Hauseigentümerin, die lieber anonym bleiben möchte, gegenüber den LN.

So niedlich sind die Lübecker Waschbärwelpen.

Rettung im Transportkorb

Zusammen mit ihrem Sohn habe sie dann am frühen Morgen die winzigen Waschbären entdeckt. „Wir haben dann eine Weile gewartet, ob vielleicht die Mutter zurückkommt.“ Anschließend habe sie die Feuerwehr alarmiert.

Vier Männer der Feuerwache 2 befreiten die tierischen Waisenkinder gegen 8.30 Uhr aus ihrem rußigen Gefängnis. Behutsam setzten die Einsatzkräfte die Tiere mit der typischen, schwarzen Waschbärenmaske in einen Transportkorb. „Sie waren unversehrt“, sagt Robert Werkmeister von der Leitstelle der Lübecker Feuerwehr. 20 Minuten dauerte der Einsatz. Werkmeister: „Die Waschbären sind anschließend zu einer Wildtieraufzuchtstation im Großraum Hamburg gebracht worden.“

Kein Platz in den Wildtierstationen

Doch dass sie dort jetzt mit Fläschchen, Wärmelampe und jeder Menge Ruhe aufgepäppelt werden, ist keine Selbstverständlichkeit: „Viele Wildtierstationen nehmen Waschbären aus Platzgründen nicht mehr auf“, erklärt Timo Leuchtenberger, Wildtierpfleger im Hamburger Franziskustierheim. Der 36-Jährige betreut in seiner Abteilung seit zehn Jahren gefundene und verletzte Wildtiere, wie Eichhörnchen, Rehkitze – und Waschbären.

Für die kleinsten tierischen Findelkinder stehen im Franziskus-Tierheim unter anderem drei Babywärmebetten zur Verfügung. „Sie sind mit Wärmedecken und Kuscheltieren ausgelegt“, erklärt der Tierschützer. „Wir bekommen aus ganz Deutschland Anfragen, ob wir Waschbären aufnehmen können, mittlerweile haben wir aber einen Aufnahmestopp.“

Von Menschen angesiedelt

Der Grund: Die possierlichen Raubtiere, die erstmals Anfang der 1930er Jahre aus Nordamerika für Pelztierfarmen nach Europa gebracht und später angesiedelt wurden, gelten mittlerweile als invasive Tierart mit negativen Auswirkungen für die Natur. Seit 2016 werden sie in der „Liste der unerwünschten Spezies“ der Europäischen Union geführt und dürfen in fast allen deutschen Bundesländern ganzjährig gejagt werden. „Waschbären dürfen nach jetzigem Stand nicht mehr ausgewildert werden“, erklärt Leuchtenberger.

Im Franziskus-Tierheim seien die Gehege für Waschbären voll, Wildparks könnten die Tiere nur mit entsprechender Genehmigung aufnehmen. „Es fehlen deutschlandweit der Platz und die Aufnahmestellen, um die Tiere langfristig und artgerecht unterzubringen“, sagt Leuchtenberger.

Tierschützer fordern klare Gesetze

Ein Problem, das auch Katharina Erdmann kennt. Die Tierschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein betreibt die Wildtierstation Hamburg/Schleswig-Holstein im Kreis Pinneberg. „Wenn es möglich wäre, könnte ich zurzeit 50 Waschbären aufnehmen“, erklärt die Tierschützerin. Auch ihrer Einrichtung, die sich ausschließlich aus Spenden finanziert, fehlt die Kapazität, um Waschbären langfristig unterzubringen. Die Gesetzeslage sei nicht eindeutig, es müsse vonseiten der Länder eine artgerechte und gute Lösung für die Tiere gefunden werden. „Der Versuch, die Tiere durch Bejagung auszurotten, ist keine Lösung.“ Eine Möglichkeit sei beispielsweise, kastrierte Männchen wieder auszuwildern.

Ähnlich sieht das auch Timo Leuchtenberger: „Man darf nicht vergessen, dass die Waschbären schon seit Jahrzehnten in Deutschland leben und von Menschen hier angesiedelt wurden.“

Katrin Diederichs