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Lübeck Lübeck: Filmkulisse für die Kriminalkommissare
Lokales Lübeck Lübeck: Filmkulisse für die Kriminalkommissare
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20:10 24.02.2018
Travemünde

Es ist lausig kalt, als Anna Maria Mühe ihre dicke Winterjacke abstreift, um für die Verfolgungsszene loszusprinten. Die Schauspielerin, die in der ZDF-Filmreihe „Solo für Weiss“ die LKA-Zielfahnderin Nora Weiss spielt, rennt einem flüchtenden Mann hinterher. Das Szenario spielt in Travemünde, am Wassersaum des Strandes, auf der Nordermole und auf der Strandpromenade. Drehbeginn ist 6.30 Uhr bei einer frischen, sehr frischen Brise aus Richtung Ost. Gefühlt sind es minus zehn Grad. Die einzelnen Szenen werden mehrfach wiederholt. Immer wieder wird Mühe die wärmende Jacke gereicht – und die Wärmflasche. Die Filmleute von Network Movie produzieren trotz Kälte. Moritz Anton, der Kameramann, und die Regisseurin Maria von Heland haben es auch nicht leichter als die Darsteller. Sie sitzen bis zur Nase eingemummelt in dem schwarzen, offenen Quad, dem Kamerawagen.

Für Jogger, die an diesem Morgen ihre Runden drehen, ist die Vorderreihe kurzzeitig gesperrt. „Wir drehen“, ruft ein Fernsehmann seinen „Blockern“ per Funkgerät zu. Das sind jene Helfer, die verhindern, dass jemand unbeabsichtigt ins Bild läuft. Die Handlung: Nach langer Suche kann die Zielfahnderin einen mutmaßlichen Sexualstraftäter stellen und verhaften. Allerdings wird der einen Tag später wegen eines Formfehlers aus der Haft entlassen. Zur gleichen Zeit wird in Lübeck ein angesehener, syrischer Arzt bei einem Bombenanschlag getötet. Gemeinsam mit Simon Brandt (Jan Krauter) von der Kripo Lübeck versucht Weiss unter extremem Zeitdruck herauszufinden, ob es sich bei dem Mord um einen Terroranschlag handelt. Die Dreharbeiten dauern an. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.

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Lübeck und Travemünde finden wir zum Drehen wahnsinnig reizvoll“, sagt Elsner. „Es ist einfach eine ideale Kulisse“, schwärmt die Produzentin. „Es ist optisch eben ein Hingucker, wenn in einer schönen Landschaft, in der Idylle, auch Verbrechen geschehen“, so Elsner, deren Team aus 40 Leuten besteht. Dabei ist die Basis mit vier Lkw, dem Cateringwagen und einem großen Bus sowie einem Sprinter, in dem die Darsteller auf ihre Einsätze warten oder geschminkt werden.

Immer mehr Teams produzieren ihre Streifen in der Hansestadt. Sie schätzen die historische Kulisse, die malerischen Winkel oder den Blick über die Altstadtdächer. Angefangen hat das sogar schon 1922, als der Stummfilm-Klassiker „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ in Lübeck gedreht wurde. Heute ist Lübeck noch beliebter. Für Fernsehserien wie „Vier gegen Z“ (ARD), „Freunde fürs Leben“

und „Das Duo“ (beide ZDF) bildete Lübeck den Hintergrund. Auch die ARD-Reihe „Morden im Norden“ war mehrfach in Travemünde und Lübeck für Dreharbeiten zu Gast. Sogar das erst vor Kurzem gebaute Hansemuseum war schon Ort des kriminellen Filmgeschehens, genauso wie die Drehbrücke, das Holstentor, Parkhausdächer und Schulhöfe.

Von Rüdiger Jacob