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Lübeck Vorbild Rütli: Schulen wollen aufsteigen
Lokales Lübeck Vorbild Rütli: Schulen wollen aufsteigen
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06:00 28.04.2019
Dieter Butzin ist seit 2014 Leiter der Heinrich-Mann-Schule in Moisling. Quelle: Felix König
Lübeck

Problemschulen? Das Bildungsministerium in Kiel spricht lieber von „Perspektivschulen“. Für Dieter Butzin, Leiter der Heinrich-Mann-Schule, ist das nicht bloß ein beschönigendes Wort. „Man nimmt uns von außen als Problemschule wahr“, räumt er ein. „Sie müssen aber auch sehen, was wir eigentlich tun.“ Er vergleicht die Aufgabe mit der eines Fußballvereins auf einem Abstiegsplatz: „Wie kommen wir ins Mittelfeld? Wie schaffen wir es, dass die Kinder aus der unverschuldeten Benachteiligung herauskommen?“

1,38 und 1,53 Millionen Fördergeld

Bis 2024 will das Land für Schulen, die besonders schwere Aufgaben dieser Art zu bewältigen haben, gut 50 Millionen Euro lockermachen. In Lübeck gehören dazu die Heinrich-Mann-Schule in Moisling und die Julius-Leber-Schule in St. Lorenz Nord. Die beiden Schulen haben viel gemeinsam: Beide sind Grund- und Gemeinschaftsschulen, und beide liegen in sozial schwachen Vierteln mit hohem Einwandereranteil. Die Heinrich-Mann-Schule bekommt 1,38 Millionen Euro, die Julius-Leber-Schule 1,53 Millionen Euro über die nächsten fünf Jahre.

Kinder müssen Ordnung lernen

60 Prozent seiner Schüler, schätzt Dieter Butzin, kämen aus „armen Verhältnissen“, leben also zumindest teilweise von Transferleistungen. Viele Kinder müssten Ordnung erst lernen. Er erzählt von Schülern, die morgens ohne Frühstück oder ungewaschen in die Schule kommen; von Jugendlichen aus Familien, in denen Leistung und Arbeit keinen Stellenwert hat. „Wie soll ich ihnen sagen: ,Es lohnt sich, ins Betriebspraktikum zu gehen‘?“

Kai Brüning, Schulleiter der Julius-Leber-Schule. Quelle: Hanno Kabel

„Der Erziehungsanteil ist hier höher“, sagt auch sein Kollege Kai Brüning von der Julius-Leber-Schule, der früher einmal Gymnasiallehrer war. Er erklärt, wie Kinder an seiner Schule zur Pünktlichkeit angehalten werden: „Wer morgens zu spät kommt, kann nicht an der ersten Stunde teilnehmen. Die sitzen dann hier bei mir.“

Sprach- und andere Verständigungsprobleme

Zwischen 50 und 60 Prozent liege bei ihm in Moisling der Anteil der Schüler, die nicht einwandfrei Deutsch sprechen, sagt Dieter Butzin. Viele von ihnen sind mit dem großen Flüchtlingsstrom seit 2015 gekommen. Verständigungsprobleme sind nicht immer rein sprachlich. „Wenn jemand aus Syrien kommt“, sagt Butzin, „der kommt aus einer völlig anderen Lernkultur. Wir arbeiten mit entdeckendem Lernen, die kennen vor allem Auswendiglernen.“ Kai Brüning merkt an, dass von den Kindern, die aus Krisengebieten kämen, manche längere Zeit gar nicht in die Schule gegangen seien.

Lübecks Perspektivschulen

Die Heinrich-Mann-Schule am Brüder-Grimm-Ring in Moisling hat rund 500 Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse. Sie entstand durch den Zusammenschluss von Grund-, Haupt- und Realschule, die vorher am gleichen Standort unabhängig voneinander bestanden. Zu ihrem Angebot zählt ein DaZ-Zentrum (Deutsch als Zweitsprache), mit dem Einwandererkinder in den deutschsprachigen Unterricht integriert werden.

Die Julius-Leber-Schuleverteilt sich auf zwei Standorte in St. Lorenz Nord. Sie entstand durch die Zusammenlegung der Bernd-Notke-Realschule am Marquardplatz und der Brockes-Schule, eine Grund- und Hauptschule an der Brockesstraße. Sie hat etwa 620 Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse. Auch sie bietet Deutsch als Zweitsprache an. Das Gebäude am Marquardplatz wird gerade saniert. Dieser Teil der Schule mit dem siebten bis zehnten Klassen ist so lange in Container ausgelagert.

Konflikte lassen sich in den Augen beider Schulleiter meistens lösen, „indem man ganz viel versucht, miteinander zu sprechen“, wie Kai Brüning sagt – mit den Schülern und oft auch mit den Eltern. „Elternarbeit ist der Dreh- und Angelpunkt“, sagt Dieter Butzin. Auch dann, wenn sie durch Sprachprobleme erschwert wird: „In der Regel ist es so, dass die Elternhäuser sich integrieren wollen, dass die unglaublich dankbar sind, dass sie in diesem Zustand leben können.“

Schule als Lebens- und Lernort

Wofür genau sie das zusätzliche Geld verwenden wollen, darüber können beide Schulleiter noch nichts Konkretes sagen. Dieter Butzin gibt aber eine generelle Richtung vor: „Die Schule soll Lebens- und Lernort sein. Sie muss eine gute Umgebung bieten.“ Dazu gehöre die Erweiterung der Schule in Richtung des Ganztagsbetriebs. Vor allem biete das Fördergeld die Chance für neue Konzepte: „Wir können durchatmen und nachdenken.“

Kai Brüning von der Julius-Leber-Schule wünscht sich mehr Fortbildung für das Kollegium, eine zeitgemäße Ausstattung unter anderem mit IT, eine stabilere Personaldecke und mehr Öffentlichkeitsarbeit. „Wir haben viele Baustellen“, sagt er. Das meint er im übertragenen, aber auch im wörtlichen Sinne: Einer der beiden Standorte, am Marquardplatz gelegen, ist zurzeit in Container ausgelagert, und auch für das Gebäude an der Brockesstraße wünscht Brüning sich eine Sanierung: „Das Ansehen der Schule manifestiert sich erst mal am Zustand der Gebäude.“

„Es macht unglaublich Spaß“

Problemschule? Beide Schulleiter verweisen unabhängig voneinander auf das Beispiel der Berliner Rütli-Schule. Die damalige Hauptschule wurde 2006 in ganz Deutschland zum Inbegriff des sozialen Brennpunkts. Seitdem hat sie sich zum Vorzeigeobjekt „Campus Rütli“ gewandelt. Beide Schulleiter machen ihre Aufgabe gern. „Wenn es mir nicht gefallen würde, wäre ich nicht hier“, sagt Brüning. „Für uns Pädagogen ist es eine Herausforderung“, sagt Butzin. „Es macht unglaublich Spaß!“

Hanno Kabel

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