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Lübeck Lübeck: Das wollen die Schüler, das wollen die Politiker
Lokales Lübeck Lübeck: Das wollen die Schüler, das wollen die Politiker
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18:06 24.05.2019
Rund 1500 Demonstranten zogen durch die Lübecker Innenstadt und protestierten für eine andere Klimapolitik. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Applaus brandete auf, als Sophia Pott von der Klimabewegung Fridays for Future Lübeck vor der MuK berichtete, dass die Bürgerschaft die Ausrufung des Klimanotstandes beschlossen hat. „Das ist ein wichtiges Symbol“, sagte die junge Aktivistin vor den Demonstranten, „darauf werden wir aufbauen.“

Um die 1500 junge Leute haben am 24. Mai in Lübeck wieder für den Klimaschutz demonstriert.

Lindenteller eine Stunde blockiert

Der Protestzug lief durch die gesamte Innenstadt. Nach Schätzungen der Veranstalter waren rund 1500 Menschen unterwegs. Am Lindenteller löste sich eine Gruppe von rund 150 Klimaaktivisten der Gruppe „Extinction Rebellion“ von der Fridays-for-Future-Demo und blockierte für eine knappe Stunde den Lindenteller an allen Zufahrten.

Der Verkehr in der Innenstadt kam zum Erliegen. Betroffen waren nicht nur zahlreiche Autofahrer, sondern auch die Fahrgäste des Stadtverkehrs. Die Verspätung der Busse betrug laut Unternehmen 50 bis 60 Minuten. Zahlreiche Fahrgäste seien ausgestiegen und zu Fuß weitergegangen, berichtete Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke.

Knapp eine Stunde lang blockierten Klimaaktivisten von „Extinction Rebellion“ den Lindenteller. Quelle: Kai Dordowsky

Die Klimaaktivisten von „Extinction Rebellion“ bedauerten in einer Erklärung, dass sie in den Tagesablauf ihrer Mitmenschen eingreifen müssten. Das sei aber nötig, um einen systematischen Wandel der Klimapolitik herbeizuführen.

Unterdessen hat Fridays for Future einen umfangreichen, lokalen Forderungskatalog aufgestellt, um die Lübecker CO2-Bilanz zu reduzieren. Die Innenstadt soll mittelfristig autofrei werden. Der Radverkehrsanteil soll auf mindestens 40 Prozent erhöht werden. „Es ist zu garantieren, dass man überall in Lübeck bequem und gefahrlos Rad fahren kann“, schreibt die Bewegung. Die Preise für Fahrkarten des Stadtverkehrs sollen gesenkt, das Liniennetz ausgebaut werden.

Die Schüler fordern, dass Parkplätze an den Straßen der Innenstadt vollständig wegfallen, das Parkverbot strenger kontrolliert wird und die Königstraße ausschließlich für ÖPNV, Fahrräder und Anwohner freigegeben wird. Alle Gebäude in der Stadt sollen zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Die Stadtwerke sollen ihre Beteiligung an einem Kohlekraftwerk schnellstmöglich verkaufen.

In allen öffentlichen Einrichtungen soll ausschließlich Recyclingpapier und recyceltes Toilettenpapier verwendet werden. In den Mensen von Schulen, Kitas und anderen öffentlichen Einrichtungen sollen Fleisch und tierische Produkte „erheblich gegenüber vegetarischen und veganen Angeboten reduziert und preislich unattraktiv werden.“

Die Bürgerschaft hat am Donnerstagabend zwar mit großer Mehrheit die Ausrufung des KlimanotstandesAfD und FDP haben nach Angaben der Stadt dagegen gestimmt – beschlossen. Doch konkrete Maßnahmen wurden nicht verabschiedet. „Ich befürchte, wir haben einen Papiertiger beschlossen“, sagte Ragnar Lüttke (Linke). SPD-Fraktionschef Peter Petereit rechtfertigt das Verfahren: „In den Anträgen befinden sich 30 bis 40 konkrete Vorhaben, die können wir jetzt nicht alle beschließen.“

BfL wollte, dass Politiker für Klimanotstandsfonds spenden

Tatsächlich haben nicht nur die Klimaschüler, sondern auch die Politiker etliche Ideen im Kampf gegen den Klimawandel. SPD, CDU, Freie Wähler und BfL schlagen in einem Antrag beispielsweise den Kauf von 100 Hektar ehemaliger Landwirtschaftsflächen im Umland und die Bepflanzung mit 100 000 Bäumen vor. Grüne, Linke und GAL haben einen gemeinsamen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, der mehr Geld für den Busverkehr (20 statt zwölf Millionen Euro im Jahr), für den Radverkehr (vier statt zwei Millionen), Investitionen in regenerativen Energien und ein Anreizprogramm für private Hausbesitzer fordert.

Die BfL wollte einen „Klimanotstandsfonds“ ins Leben rufen, in den alle Bürgerschaftsmitglieder zehn Prozent ihrer Aufwandsentschädigungen einzahlen sollten. Auch die Fraktionen sollten zehn Prozent ihrer Zuwendungen dafür opfern. Das alles wurde nicht beschlossen.

Kai Dordowsky

Wegen Betrugs und Vortäuschens einer Straftat wurde am Freitag ein Bad Schwartauer zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Das Amtsgericht Lübeck verfügte zudem, 285 000 Euro vom Angeklagten einzuziehen. Die Verteidigung kündigte an, Rechtsmittel einzulegen.

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Rund 150 Aktivisten der Lübecker Gruppe „Extinction Rebellion“ haben am Freitag für eine knappe Stunde den Lindenteller blockiert. Sie lösten damit ein Verkehrschaos aus.

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