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Lübeck Große Koalition beschließt drei neue Baugebiete in Lübeck
Lokales Lübeck Große Koalition beschließt drei neue Baugebiete in Lübeck
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06:54 20.11.2019
Schönes Lübeck: Neue Baugebiete mit 325 Wohnungen und Häusern hat die Große Koalition jetzt beschlossen – gegen den Willen von Stadt und Opposition. Quelle: Timon Ruge
Lübeck

Es soll gebaut werden. Das ist das klare Ziel der Großen Koalition. Jetzt hat sie neue Baugebiete beschlossen – und sich damit gegen die Stadt durchgesetzt. Damit zwingen SPD und CDU die Verwaltung, auf insgesamt vier Grundstücken Baurecht zu schaffen.

Bis gebaut werden kann, wird es noch dauern. Baurecht soll es in ein, zwei Jahren geben. Es geht um das große Sellschopp-Areal mit 250 Wohnungen – und zwei kleine Viertel mit insgesamt 50 bis 55 Einfamilienhäusern.

Ein weiteres kleines Quartier mit 22 Einfamilienhäusern in Wulfsdorf hatte die GroKo schon vor zwei Wochen beschlossen. Nun hagelt es Kritik von der Opposition.

Sellschopp-Gelände wird zum Baugebiet

Zwei Forderungen haben Grüne, GAL und Linke für das Sellschopp-Areal: einen Wettbewerb und mehr Sozialwohnungen. Das Gelände misst 6600 Quadratmeter, darauf sollen 250 Wohnungen gebaut werden, davon 75 Sozialwohnungen. Zudem ist eine Kita ist geplant. Baurecht wird es schätzungsweise Ende 2021 geben.

„Ich halte es für wichtig, dass dort ein Wettbewerb stattfindet“, erklärt Roland Vorkamp (Grüne). Er fordert fünf Architekturbüros, die daran teilnehmen. GAL-Baupolitiker Carl Howe sieht es ähnlich: „Die Stadt soll das Ziel vorgeben, nicht der Investor.“

Und Sascha Luetkens (Linke) will mehr Sozialwohnungen in dem neuen Wohngebiet: „Es sollen 50 Prozent Sozialwohnungen werden, nicht nur 30 Prozent.“

Das sind die neuen Baugebiete in Lübeck. Die Große Koalition hat sie durch gesetzt – gegen den Willen von Stadt und Opposition. Quelle: Jochen Wenzel

Ein neues Wohngebiet mit Hochhäusern?

Beim Wettbewerb lenkt die Große Koalition ein. „Angesichts der Größe macht es Sinn“, sagt SPD-Politiker Ulrich Pluschkell. Einige können sich auf dem Areal auch Hochhäuser vorstellen. „Es gibt Spielraum in der Höhe“, meint Ulrich Brock (CDU). Thomas-Markus Leber (FDP) stimmt zu: „Es gab dort zwei siebenstöckige Häuser.“

Bei 50 Prozent Sozialwohnungen indes macht die GroKo nicht mit. „Das Gelände hat eine Altlasten-Problematik“, erinnert Christopher Lötsch, Vorsitzender des Bauausschusses. Daher müsse der Investor schon dafür viel Geld ausgeben.

Außerdem meint Pluschkell: „Wir müssen darauf achten, dass dort kein sozialer Brennpunkt entsteht.“

Die Stadt kann mit dem Beschluss leben. „Wir können uns da wiederfinden“, so Chef-Stadtplaner Karsten Schröder. „Es ist gut, dass es einen Wettbewerb gibt und damit verschiedene Entwürfe.“

Neue Teutendorfer Siedlung

Die Pläne für dieNeue Teutendorfer Siedlung: Die Stadt informiert darüber am Mittwoch, 27. November, um 18.30 Uhr im Gesellschaftshaus Travemünde im Torweg 1. Anschließend ist eine Diskussion mit den interessierten Bürgern vorgesehen. Der Eintritt ist frei. Die Unterlagen werden zudem ausgelegt bis einschließlich 13. Dezember im Foyer des Bauamts im Mühlendamm 12. Die Pläne sind allgemein zugänglich montags bis mittwochs jeweils von 8 Uhr bis 15 Uhr, donnerstags von 8 bis 18 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr.

Der Hintergrund: Im lübschen Seebad soll ein komplett neues Wohngebiet für mehr als 1000 Menschen entstehen. Dazu soll eine 20 Hektar große Ackerfläche in Bauland verwandelt werden. Das kostet allein 15 Millionen Euro. Das riesige Areal liegt direkt am Eingang zu Travemünde. Wer über die B75 ins Seebad fährt, kann rechts in das Gewerbegebiet Dreilingsberg einbiegen. Dort schließt sich das neue Wohngebiet an – und wird eingerahmt von der Alten Teutendorfer Siedlung und der B 75, die eine Kurve um das Gebiet herum beschreibt.

Kleine Baugebiete mit Einfamilienhäuser

Massiven Protest gibt es indes bei den kleinen Baugebieten. Gar nicht einverstanden ist damit die Opposition. Die Grundstücke sind große Grünflächen inmitten von Wohngebieten.

Eines liegt am Steinrader Damm 14 bis 34. Dort sollen 40 Einfamilienhäuser entstehen. Das andere liegt an der Niendorfer Hauptstraße 95 bis 97a zwischen den Straßen Holzkoppel und Hellkamp. Geplant sind dort 14 Einfamilienhäuser.

Außerdem geht es um ein Baugebiet in Wulfsdorf. Dort sollen 22 Einfamilienhäuser entstehen, direkt am Ortsrand. Das hatte die GroKo bereits vor zwei Wochen beschlossen. Bei allen Gebieten soll es Baurecht bis Ende 2021 geben.

Große Kritik an kleinen Baugebieten

„Die Ackerflächen müssen erhalten bleiben“, fordert Vorkamp. Denn: „Das sind keine Lücken, sondern diese Flächen haben echte Qualität.“ Howe nickt: „Man kann doch die Klima-Situation nicht ignorieren.“ Man müsse doch das Ganze betrachten und nicht nur diesen einen Abschnitt. Das bittere Fazit von Arne-Matz Ramcke (Grüne): „Das ist ein Flächenversiegelungs-Programm.“

Lübecks Große Koalition will Baugebiete. Das sagen die Baupolitiker zu den neuen Wohnvierteln.

GroKo will die Wohngebiete als Lückenschluß

Die GroKo sieht das anders. „Gerade solche Flächen bieten sich doch an“, sagt Brock. Denn: Sie liegen direkt an einer Hauptstraße, links und rechts stehen andere Wohnhäuser. Außerdem: „Es handelt sich um kleine Gebiete“, so Lötsch. Und Leber meint: „Es ist ein Lückenschluss.“ Außerdem würde es ja weiterhin eine Frischluft-Schneise geben.

Stadt sieht die Baugebiete kritisch

Die Verwaltung steht den Vorhaben kritisch gegenüber. Über ein Gebiet verläuft eine Hochspannungsleitung. Außerdem: „Für die Verwaltung ist das problematisch“, sagt Schröder. Denn es gibt die Bauland-Initiative der Stadt. Sie will bis 2022 Baurecht für 4900 Wohnungen schaffen – anhand einer Liste, die Flächen dafür priorisiert. Nun kämen immer neue Projekte hinzu.

Lötsch sieht das anders: „Bei den kleinen Gebieten handelt es sich um einfache Verfahren.“ Die Stadt müsse die Bebauungspläne gar nicht selbst aufstellen, sondern nur prüfen.

Klicken Sie hier, um das Sellschopp-Haus in der Moislinger Allee in Lübeck auf historischen Aufnahmen zu sehen.

Express-Verfahren für kleine Baugebiete

Denn: Es geht dabei um Express-Bebauungspläne Diese Express-Verfahren gelten noch bis Ende diesen Jahres. Dabei darf das Grundstück maximal 10 000 Quadratmeter messen. Es muss außerhalb der Stadt liegen, aber direkt angrenzen. Bis Ende 2019 muss die erste Stufe des dreistufigen Bebauungsplans beschlossen werden. Und: Es muss bis Ende 2020 Baurecht geben.

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Von Josephine von Zastrow

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