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Lokales Lübeck Lübeck: Grundstein für die neue Jugendpsychiatrie
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17:50 13.12.2019
Grundsteinlegung für die Fachklinik Junges Leben der Vorwerker Diakonie: Geschäftsführerin Johanne Hannemann, Chefarzt Oliver Soyka, Aufsichtsratsvorsitzender Hartmut Richter, Architekt Norbert Hochgürtel und Geschäftsführer Fred Mente (v. l.). Quelle: Lutz Regenberg/Vorwerker Diakonie
St. Lorenz Nord

Für Oliver Soyka wird der Traum eines Arztes wahr: Er kann sich eine Klinik bauen, so wie er sie haben möchte. Genauer gesagt: Oliver Soyka, Chefarzt der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Vorwerker Diakonie, hat von Anfang an mitgeredet, als es um die Pläne für einen Neubau ging. Am Freitag ist der Grundstein gelegt worden, mitten auf dem Campus der Vorwerker Diakonie an der Triftstraße. „Wenn man eine Idee für eine neue Klinik hat und dann plötzlich auf dem Fundament steht“, sagt Soyka, „das ist eine tolle Sache.“

LN-Leser haben geholfen

2016 beschloss die Vorwerker Diakonie den Bau. Die 1987 eröffnete Fachklinik sei „schlicht in die Jahre gekommen“, sagte Fred Mente, einer von drei Geschäftsführern der Diakonie, bei der Grundsteinlegung. „Es gibt zu wenig Raum für Familienarbeit, für Spiel und Aufenthalt, für Beschulung.“ Für den Neubau veranschlagte die Diakonie ursprünglich zwölf Millionen Euro. 7,9 Millionen Euro sagte das Land zu. Den Rest muss die Diakonie über Kredite und eine Spendenkampagne selbst aufbringen. Im vergangenen Jahr kamen unter anderem 50 000 Euro durch die LN-Leseraktion „Hilfe im Advent“ zusammen. Mente warb noch einmal für das Anliegen: „Die Klinik ist ein Zuhause auf Zeit für fast 500 Kinder und Jugendliche jährlich, die hier Freude und Lebensmut tanken können.“

Gestiegene Preise

Allerdings sind die voraussichtlichen Baukosten inzwischen auf 13,5 Millionen Euro gestiegen. Das liegt daran, dass der Bauboom die Nachfrage und damit die Preise für Material und Arbeit in die Höhe getrieben hat. Mente zeigte sich bei der Grundsteinlegung trotzdem zuversichtlich. „Ich gehe davon aus, dass das Land seiner Verantwortung gerecht werden und Fördermittel bereitstellen wird.“

Gebäude ist Teil der Therapie

Die Fertigstellung ist für Herbst 2021 geplant. Dann wird die gesamte Klinik aus ihrem bisherigen Gebäude umziehen. Ihr neuer Name wird „Fachklinik für Junges Leben“ sein, kurz: „JuLe“. Der stationäre Teil wird im Neubau untergebracht, Tagesklinik und Ambulanz in dem Altbau, den bis vor wenigen Monaten die Verwaltung der Vorwerker Diakonie belegte. Die Nutzfläche der neuen Klinik wird 4000 Quadratmeter groß sein, 1000 mehr als bisher. Und nicht nur das: Dank der engen Zusammenarbeit zwischen Klinikleitung und Architekten wird das Gebäude gewissermaßen Teil der Therapie sein.

Helle Räume, kurze Wege

Zum Beispiel ist es so angelegt, dass die Wege zwischen dem Aufenthaltsort des Patienten und der Therapie kurz sind. „Das ist wichtig, weil wir mit Beziehungen arbeiten“, sagt Chefarzt Soyka. „Dazu gehört, dass man dem Arzt oder Psychotherapeuten täglich begegnet.“ Viel Wert legt er auch auf große Fenster: „Wenn es einem nicht gut geht, ist es wichtig, helle Räume zu haben.“

Stationen und Tagesklinik

Mit der Spendenkampagne „Wer ist Jule?“ wirbt die Vorwerker Diakonie um Spenden für den Neubau der Fachklinik Junges Leben – der neue Name für die Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Die Klinik ist eine von vier Fachkliniken in Schleswig-Holstein. Außer dem stationären Bereich gibt es eine Tagesklinik und eine Ambulanz. Außer Lübeck versorgt die Klinik die Kreise Ostholstein, Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Ihr angeschlossen sind zwei Tageskliniken in Eutin und Büchen.

Klinikalltag und Architektur

Der Architekt Norbert Hochgürtel hat die alte Klinik oft besucht. Dabei habe er Antworten auf viele Fragen gesucht, sagt er. „Zum Beispiel: Wie viel Gepäck haben die dabei? Wird da gespielt? Wie werden Konflikte geregelt?“ Alles das habe mit der Architektur zu tun. Zum Beispiel sollen die Flure durch Brüche und Nischen aufgelockert werden. „Es ist ja auch eine wohnähnliche Situation. Man kann, wie zu Hause, auf ein Kind treffen, das auf dem Boden mit Lego spielt“, sagt Hochgürtel. „Wenn man funktional eine Sache nicht gut löst, hat das therapeutische Konsequenzen.“

Alte Gebäudeflügel abgerissen

Für den Neubau wurden zwei spätere Anbauten des alten, 1914 gebauten Verwaltungsgebäudes abgerissen. In den bisherigen Klinikbau aus den 80er Jahren wird nach den derzeitigen Plänen der Vorwerker Diakonie eine Kindertagesstätte für Frühförderung einziehen.

Mehr zum Thema

Bericht über die Kampagne der Vorwerker Diakonie: „Wer ist Jule?“

Homepage der „Jule“-Kampagne

„Hilfe im Advent“ 2018: Porträt eines depressiven Jugendlichen

„Hilfe im Advent“ 2018: Die Akutstation und ihre Patienten

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