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Lübeck Vom Krokodilrücken bis zur Schnalle
Lokales Lübeck Vom Krokodilrücken bis zur Schnalle
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06:03 26.12.2018
Auf einer Unterlage schärft Martin Mohrmann die Kanten eines werdenden Gürtels aus kostbarem Shell Cordovan- Leder. Quelle: FOTOS: Lutz Roeßler
Innenstadt

Durch Laden und Innenhof geht es ins verwinkelte Hinterhaus: Maschinen und Werkzeuge, ein kleines, aber gut sortiertes Lager mit gerolltem Leder in allerlei Farben und einigen Exoten, die aufgrund ihrer Form nicht gerollt werden können: Leder vom Waran, ein Kaimanschwanz, Leder vom Straußenfuß. „Alles mit entsprechenden Einfuhrgenehmigungen“, sagt Martin Mohrmann, der die Exoten erst im Laufe der Jahre entdeckt hat.

Vom Verkäufer zum kreativen Handwerker

Angefangen hat der studierte Designer vor rund 25 Jahren mit dem Gürtelverkauf, „damals immer nur auf Märkten“, sagt der heute 47-Jährige. Seit 15 Jahren hat er seinen Gürtelladen in der Fleischhauerstraße, fertigte zunächst nur Gürtel aus Rindsleder, bevor er „die Vielfalt der Tierwelt“ entdeckte, immer mehr selbst entwickelte und selbst herstellte – zuletzt kamen noch die Gürtelschnallen hinzu – aus Zinnguss, wahlweise mit dem Holstentor oder anderen Motiven.

Verkauf in alle Welt

„Bis auf das Gerben des Leders machen wir hier alles selbst“, so Mohrmann, der damit seines Wissens ein Alleinstellungsmerkmal in ganz Europa hat. Gürtel aus seiner Werkstatt gehen bis nach Dubai oder Mauritius, „gerade habe ich einen nach Australien verschickt – an Touristen, die im Sommer hier waren.“

Exotisches und Edles

Auf einem Arbeitstisch liegt ein Stück dunkelbraunes, fein glänzendes Leder, daneben einzelne Streifen – Pferdeleder, sogenanntes Shell Cordovan aus den USA, nach den Exoten das exklusivste Arbeitsmaterial. Daneben stehen auf dem Tisch kleine Kästchen mit Auftragszetteln und angefangenen Einzelanfertigungen. Selbstverständlich gibt es vorne im Laden auch fertige Gürtel aus dem Lager-Sortiment. Doch wer etwas auf sich hält und seinen ganz persönlichen, individuellen Gürtel in definitiv passender Länge haben will, lässt ihn anfertigen – das dauere in der Regel eine Woche, sagt Mohrmann.

Einblicke in die Werkstatt

Viele Arbeitsschritte

  Es sind viele Arbeitsschritte, bis aus einem Stück Leder ein Gürtel wird. Zunächst wird das Leder zugeschnitten – mit Hilfe von Lineal und Schablonen. Falls nötig, werden mehrere Stücke miteinander verklebt. So ein Straußenfuß oder ein Rochen hat nämlich nicht die Gesamtlänge, um einen Herrengürtel aus einem Stück zu fertigen. Per Handmesser schärft Mohrmann zunächst die Kanten, damit die Stücke sich möglichst gut an- oder übereinander auf das sogenannte Futterleder vom Rind kleben lassen. Exoten können nur geklebt werden, anderes Leder wird genäht. Dann wird der Gürtel auf seine genaue Breite getrimmt, die Enden müssen an einer Fußpendel-Presse gestanzt werden. Die Löcher für die Bundweite kommen hinzu, in einer anderen Werkstatt bearbeitet der Gürtelmacher die Kanten und prägt das Firmenlogo ein.

Farben auf Wunsch

Apropos Kanten: „Die zu färben, macht am meisten Arbeit.“ Auch hierfür hat der 47-Jährige sich eine Maschine leicht umgebaut. Seit gut einem Jahr färbt Mohrmann sämtliche Leder selbst – in allen erdenklichen Farben, die die Kunden auch per Palette auswählen können. Wieder geht es ins Obergeschoss des Hinterhauses, hier stehen große Farbtöpfe mit Frittiersieben nebeneinander. Die Gürtel werden meist nur für wenige Sekunden eingetaucht. „Python zum Beispiel ist ganz schnell fertig, andere Leder brauchen länger.“ So kann jeder Kunde seinen Wunschgürtel in seiner Lieblingsfarbe oder passend zu den Schuhen anfertigen lassen.

In seiner Werkstatt beschäftigt Mohrmann einen Mitarbeiter mit einer Dreiviertel-Stelle, vorne im Laden berät Annette Maack die Kunden. Doch der Chef ist ständig in Aktion, eilt zwischen den Gebäudeteilen und Etagen hin und her. „Andere müssen ins Fitnessstudio, ich habe das hier“, sagt der Gürtelmacher und geht schwungvoll die Treppe hinauf.

Liebe zum Handwerk

Warum er nicht einfach nur Gürtel verkauft oder als Designer arbeitet? „Weil mir das handwerkliche Arbeiten Spaß macht – und dass ich hier in Lübeck arbeiten und etwas wirklich gut machen kann“, sagt Mohrmann spontan. Er ist auch angetan von der Nachhaltigkeit: „Es ist kein Wegwerf-Produkt, denn die Kunden können auch nach 15 Jahren hierher kommen und ihre Gürtel aufarbeiten lassen.“

Sabine Risch

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