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Lübeck Marli GmbH fördert intelligente Systeme: Sprechen dank eines Computers
Lokales Lübeck Marli GmbH fördert intelligente Systeme: Sprechen dank eines Computers
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11:26 09.12.2019
Frank Peter Scheel (69) hat eine Tetra-Spastik und kann weder Arme noch Beine bewegen. Er kann aber einen Sprachcomputer mit den Augen steuern. So kann er wieder „sprechen“. Sandra Matthiesen, Beraterin für Unterstützte Kommunikation, hat ihm die Bedienung des Gerätes erklärt. Quelle: Cosima Künzel
St. Jürgen

Frank Peter Scheel sitzt in seinem Rollstuhl vor einem Computerbildschirm. Der 69-Jährige hat eine Tetraspastik. Er kann seine Arme und Beine nicht bewegen. Seine Hände liegen gekrümmt im Schoß. Willentlich bewegen kann er nur seinen Kopf. Er hat keine geistigen Einschränkungen. Doch sprechen kann er nicht. Aber seit ein paar Monaten kann er endlich wieder seine Bedürfnisse äußern. Mithilfe eines Sprachcomputers. Den steuert er mit der Bewegung seiner Augen.

Mit seinen Augen kann Frank Peter Scheel einen Sprachcomputer steuern. Das ist die einzige Möglichkeit für den Mann, der sich nicht mehr bewegen kann, seine Bedürfnisse zu äußern. Denn ohne Hilfsmittel kann er auch nicht sprechen. Quelle: Cosima Künzel

Sein Blick heftet sich auf den Bildschirm. Wenn er Sätze formulieren will, muss er Buchstabe für Buchstabe auf dem Bildschirm anvisieren. Ein kleiner roter Punkt saust wie ein Laser über das Display und zeigt an, wohin er schaut. Jedes kleine Wort dauert minutenlang, bis es zusammengesetzt ist. Das fordert Konzentration, Geduld und Kraft. Ist aber auch Freude. Und gibt ihm das Gefühl, wieder am Leben teilzunehmen.

Die Computerstimme sprich für ihn

„Ich konnte früher auf einer Tastatur schreiben“, sagt die Computerstimme. Scheel hat den Text vorher vorbereitet und lässt ihn jetzt abspielen. „Dann konnte ich meine Hände nicht mehr bewegen und auch nicht mehr sprechen. Heute habe ich diesen Computer, den ich mit den Augen bedienen kann. Ich muss noch üben“, so die Stimme. „Es ist anstrengend, mit den Augen zu sprechen. Aber ich kann wieder sprechen!“ Pause. Dann lacht er herzlich.

Die Benutzeroberfläche ist vielfältig und lässt sich mit den Augen steuern. Quelle: Cosima Künzel

„Für die Menschen, die sich verbal nicht oder nicht gut ausdrücken können, ist es ganz wichtig, selber Entscheidungen treffen zu können“, sagt Sandra Matthiesen, Expertin für „Unterstützte Kommunikation“ (UK) bei der Marli GmbH. Die Unternehmensgruppe arbeitet derzeit an der Etablierung der UK, damit möglichst viele Menschen mithilfe von „Talkern“ oder anderen Geräten wieder zu Wort kommen. „Selber aktiv zu werden, nicht mehr nur zuzuschauen und eigene Entscheidungen zu treffen, das ist für die Menschen mit Behinderung von unschätzbarem Wert.“

Die Marli GmbH und die Projekte von „Hilfe im Advent“

Die Marli GmbHwurde 1965 durch den Verein „Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung in Lübeck und Umgebung“ als Werkstatt gegründet und hat sich in den vergangenen 50 Jahren zur Unternehmensgruppe Marli entwickelt. Zu den vielfältigen Angeboten für Menschen mit Behinderungen gehören neben den Werkstätten, die berufliche Bildung, unterschiedliche Wohnangebote, Frühförderung und mehr. Im Fokus steht immer der Einsatz für Menschen mit Behinderung, ihre Förderung, Begleitung, Versorgung und Selbstbestimmung. „Der Mensch im Mittelpunkt“ ist daher eine der Leitlinien des gemeinnützigen Unternehmens.

Mit der Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ unterstützen die Lübecker Nachrichten gemeinsam mit unseren Lesern und Partnerunternehmen soziale und gemeinnützige Projekte im gesamten Verbreitungsgebiet der Lübecker Nachrichten. 2011 startete die Aktion „Hilfe im Advent“ zum ersten Mal. Zuvor hieß die Sammlung „Licht im Advent“ und unterstützte seit den 1970ern bedürftige Menschen in Lübeck.

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Das sind die sozialen und gemeinnützigen Projekte, die dank der Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ in Lübeck in den vergangenen Jahren unterstützt wurden.

Früher konnte er als DJ noch Platten auflegen

Frank Peter Scheel hat seine körperliche Behinderung von Geburt an. Die Nabelschnur lag um seinen Hals. Bis er 25 Jahre alt war, wohnte er mit seinem Bruder zu Hause bei den Eltern. Früher konnte er noch Auto fahren, Torwart sein, als DJ Platten auflegen und auf den Knien robben. Im Laufe seines Lebens ist die Spastik schlimmer geworden. Heute lebt er in einem Wohnheim der Marli Pflege GmbH und ist komplett auf Hilfe angewiesen.

Auch das Licht und den Fernseher kann er so einschalten

Wenn er morgens wach wird, stellt ihm Azubi Björn Meyer (28) oder eine andere Pflegefachkraft als erstes seinen „Talker“ hin. Der Sprachcomputer muss exakt den richtigen Abstand zu seinen Augen haben und bei Positionsveränderungen neu ausgerichtet werden. Dann kann Scheel „sagen“, dass er gerne Marmeladenbrötchen essen möchte, Schmerzen hat oder fragen, wann seine Freundin Susanne zu Besuch kommt. Auch das Licht und den Fernseher kann der Mann so bedienen.

Mit dieser Drehscheibe können Kinder und Erwachsene mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten zum Beispiel Würfelspiele machen. Quelle: Cosima Künzel

Ein weiteres Gerät, das sein Leben schöner macht, ist ein sogenannter „All-Turn-It-Spinner“. Die elektrische Drehscheibe können Kinder und Erwachsene mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten selbstständig bedienen und damit beispielsweise Würfelspiele machen. Der rote Zeiger dreht sich, wenn Scheel einen Knopf (Taster) drückt, der in seinem Schoß liegt. Per Zufall wird eine Zahl angezeigt, so kann der 69-Jährige sogar beim Spiel „Kniffel“ mitmachen.

Sie wollen den Menschen Lebensqualität wiedergeben

Während der Talker von der Krankenkasse bezahlt wird, übernimmt die Geräte für Gruppen kein Leistungsträger. „Das ist sehr schade, denn wir würden den Menschen in unseren Tagesförderstätten, Wohnbereichen und Pflegewohngruppen wirklich eine große Freude machen und ein Stück Lebensqualität wiedergeben“, sagt Matthiesen.

Weitere Informationen zu „Hilfe im Advent“

Klicken Sie hier, um auf einer Themenseite alle Berichte zur LN-Aktion „Hilfe im Advent“ zu lesen

Leben mit Behinderungen: So meistert eine Lübecker Familie die Barrieren des Alltags (große LN-Reportage)

Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung im Interview: Warum Schleswig-Holstein Nachholbedarf hat

Diese Initiativen unterstützen wir 2019 mit Ihrer Spende – in den Artikeln steht, wie Sie helfen können:

Lübeck: Die Marli GmbH hilft schwerbehinderten Menschen. Mehr Informationen zum Projekt.

Ostholstein: „Die Ostholsteiner“ helfen Menschen mit Behinderung zu mehr Selbständigkeit und Bewegungsfreiheit. Mehr Informationen zum Projekt.

Segeberg und Stormarn: Die „Lebenshilfe“ hilft Menschen mit Behinderungen, dass sie an alltäglichen Aktivitäten wie Disco oder Kegeln teilnehmen können. Mehr Informationen zum Projekt.

Herzogtum Lauenburg: In der integrativen Kindertagesstätte Heidepünktchen werden Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam aufs Leben vorbereitet. Mehr Informationen zum Projekt.

Falls Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie Ihren Namen und Ihre Adresse bei der Überweisung an. Bei Spenden bis 200 Euro reicht der Überweisungsbeleg als Bescheinigung.

So können Sie spenden:

In diesem Jahr unterstützen die Lübecker Nachrichten und die Sparkasse zu Lübeck mit „Hilfe im Advent“ die Marli GmbH, gemeinnütziges Unternehmen. Aktuell arbeitet die Unternehmensgruppe an der Etablierung des Angebotes „Unterstützte Kommunikation“. Mit diesem Angebot soll Menschen, die verbal nicht oder nicht gut kommunizieren können eine Stimme gegeben werden. Für die „Unterstützende Kommunikation“ in Gruppen sind viele Hilfsmittel nötig, die aber durch keinen Leistungsträger finanziert werden. Beispielsweise benötigen die Menschen eine „CABito“-Säule, damit sie sich selbstständig über Speisepläne, Veranstaltungen oder Tagespläne informieren können. Eine solche Säule kostest mit Montage, Schulung und Software rund 5000 Euro.

Das Spendenkonto

Kontoinhaber: Marli GmbH, gemeinnütziges Unternehmen

IBAN: DE02 2305 0101 0160 4857 10, Sparkasse zu Lübeck

Verwendungszweck: „Spende: Hilfe im Advent

Von Cosima Künzel

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