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Lübeck Reaktionen auf Karstadt-Umgestaltung: „Erhebliche Bedenken, ob diese Idee zur Belebung der Innenstadt führt“
Lokales Lübeck

Lübeck: Karstadt-Haus wird zur Schule: Das sind die Reaktionen

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11:52 16.03.2021
Mitten in der Lübecks Innenstadt: Das leere Karstadt-Haus – ein guter Ort für Schule?
Mitten in der Lübecks Innenstadt: Das leere Karstadt-Haus – ein guter Ort für Schule? Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Das Karstadt-Haus wird zur Schule. Die Stadt will das leere Karstadt-Haus Nummer zwei kaufen – und darin Platz für vier Gymnasien schaffen. Lübeck hat sieben Gymnasien, vier davon in der Innenstadt. Der Clou: Das Karstadt-Haus ist zu Fuß maximal acht bis zehn Minuten von den vier Innenstadt-Gymnasien entfernt. Außerdem sollen in dem Gebäude einziehen: die Hochschulen und Start-up-Unternehmen. Die Bürgerschaft soll den Plan am 25. März absegnen.

Karstadt wird zur Schule: Das sagen die Politiker

Es gibt Zustimmung, aber auch Skepsis. „Eine öffentliche Nutzung ist zwar eine gute Idee“, sagt CDU-Fraktionschef Oliver Prieur. Allerdings: Ihm fehlt dabei der Anziehungspunkt für die Besucher der Innenstadt. „Was zieht die Menschen in die City?“ CDU-Politiker Ulrich Brock bringt es auf den Punkt: „Ich habe erhebliche Bedenken, ob diese Idee zur Belebung der Innenstadt führt.“ Ihm fehle bei dem Plan der Einzelhandel. „Wir brauchen eine Idee mit Weitblick“, so Brock. Und zwar auch für den Städtebau. Ähnlich sieht es Baupolitiker Roland Vorkamp (Grüne): „Wenn irgendetwas den Einzelhandel in der Innenstadt retten kann, dann dieser Standort.“ Grundsätzlich können sich die Grünen das aber vorstellen. „Das ist eine sinnvolle Sache“, sagt Fraktionschef Bruno Hönel. Und in jedem Fall besser, als das leer stehende Haus verkommen zu lassen.

„Interessanter Vorschlag. Das ist ein belebender Faktor für die Innenstadt.“ Hauke Wegner (CDU). Quelle: Lutz Roeßler

Bei den Schulpolitikern fällt die Bewertung positiver aus. „Interessanter Vorschlag“, sagt CDU-Schulpolitiker Hauke Wegner. Er ist selbst Lehrer an der Oberschule zum Dom. Mit der Idee würden zwei Probleme gelöst – die Raumnot der Schulen und der Leerstand der Innenstadt. Wenn Schüler und Studenten das Karstadt-Haus nutzen „ist das ein belebender Faktor für die Innenstadt.“ Eine Universallösung für die Schulen sei das aber nicht. Denn das Karstadt-Haus dürfe nicht dazu führen, dass nichts mehr an den Schulgebäuden der Innenstadt-Gymnasien gemacht werde.

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Dafür ist ebenfalls die SPD. „Das ist eine ganz tolle Idee“, sagt Schulpolitiker Jörg Haltermann. Er leitet selbst die Schule am Tremser Teich. Der Standort des Karstadt-Hauses sei mitten in der Innenstadt und sehr gut mit dem Rad und dem Bus zu erreichen. Für die Schüler der Oberstufe ergeben sich tolle Effekte, wenn die Hochschulen ebenfalls in dem Gebäude sind. Haltermann: „Das ist total attraktiv.“ Sophie Bachmann (Linke) stimmt zu: „Mich begeistert die Idee.“

Schulleiter wussten von Karstadt-Haus

Angetan von der Idee sind die Innenstadt-Gymnasien. Die Schulleiter saßen mit der Stadt an einem Tisch und wussten vorab von dem Plan. „Das ist eine großartige Idee“, sagt Stefan Philippi, Schulleiter des Katharineums. „Das löst ganz, ganz viele Probleme, die wir haben.“ Dem Katharineum fehlen elf Klassenräume. Spätestens in fünf, sechs Jahren müssten sie fertig sein – 2026/2027. Dann erreichen die ersten G9-Schüler die 13.Klasse. Außerdem: „Es ist eine große Chance“, sagt Philippi. In einem gemeinsamen Gebäude lernen sich die Schüler der Oberstufen der vier Gymnasien besser kennen. Zugleich könne mit den Hochschulen ein Netzwerk entstehen. Die Schüler fänden die Idee toll, so Philippi. Er ist ebenfalls angetan: „Ich freu mich da richtig drauf.“

„Ich freu mich richtig drauf.“ Stefan Philippi, Schulleiter Katharineum Quelle: Agentur 54°

Etwas zurückhaltender reagiert das Johanneum. „Grundsätzlich würde ich einen Neubau direkt am Johanneum bevorzugen“, sagt Schulleiter Michael Janneck. Die räumliche Nähe mache den Schulbetrieb einfacher und ein Neubau könnte flexibler genutzt werden. Aber: „Wenn im Karstadt--Gebäude hochwertige Klassenräume entstehen, dann wäre das natürlich ein großer Gewinn auch für das Johanneum“, sagt Janneck. Das müsste in enger Zusammenarbeit mit den Schulen geplant werden.

Wie viel Platz brauchen die Gymnasien?

Der Hintergrund: Allen vier Innenstadt-Gymnasien mangelt es an Platz. Viele Klassenräume sind kleiner als 50 Quadratmeter. Zudem fehlen in den meisten Gymnasien Klassenräume. Da sie alle auf der Altstadtinsel sind, gibt es kaum Platz für einen Anbau. Beispiel Johanneum: Es fehlen acht Klassenräume und von 36 sind 15 Räume kleiner als 50 Quadratmeter. Eine Erweiterung der Schule ist kaum möglich und würde extrem teuer – wegen des Denkmalschutzes.

Beispiel Ernestinenschule: Dort fehlen zwar keine Räume. Aber: Von 35 Klassenzimmern sind 26 Räume kleiner als 50 Quadratmeter. Das ist nicht genügend Platz. Im Karstadt-Haus könnten die Klassenzimmer zwischen 60 und 90 Quadratmeter haben. Und: Bei der Ernestinenschule gibt es keine Möglichkeit, die Schule baulich zu erweitern. Denn in der Altstadt ist es eng. Die Politiker mehrerer Fraktionen haben die Einrichtung eines achten Gymnasiums in Lübeck prüfen lassen.

Von Josephine von Zastrow