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Lübeck Katharineum will Wasserspender aufstellen – doch die Stadt Lübeck stellt sich quer
Lokales Lübeck Katharineum will Wasserspender aufstellen – doch die Stadt Lübeck stellt sich quer
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07:24 20.08.2019
Unweit des Refektoriums gibt es schon einen Wasseranschluss. Hier möchten Dr. Andreas Dalski, Prof. Morten Schütt sowie Schulleiter Stefan Philippi (v. l.) einen Trinkbrunnen aufstellen lassen. Quelle: Lutz Roeßler
Innenstadt

So viel Einigkeit gibt es nicht oft in einer so großen Schulgemeinschaft aus Lehrern, Schülern und Eltern. Aber in dieser Frage besteht kein Zweifel – „alle wollen ihn“, betont Stefan Philippi. Mit „ihn“ meint der Schulleiter des Katharineums zu Lübeck den fest eingeplanten, neuen Trinkwasserspender im Gebäude, der durch die Unterstützung der drei Fördervereine an dem Traditionsgymnasium schon finanziert ist.

Eigentlich sollte er mit Beginn des neuen Schuljahres schon an Ort und Stelle stehen. Doch die Verwaltung der Hansestadt verweigert seit vielen Wochen die Zustimmung für dieses Präventionsprojekt, das der Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen dienen soll.

Stadt verweigert Aufstellen des Wasserspenders

Denn: Statt zu zuckerhaltigen Getränken zu greifen, soll beim Nachwuchs das Trinken von Wasser normal werden. „So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt. Das Verhalten der Behörde ist bisher rein destruktiv; seit der ersten Anfrage vor knapp drei Monaten wird uns kein Lösungsweg mit festem Termin aufgezeigt“, kommentiert Prof. Morten Schütt, niedergelassener Arzt in der Hansestadt, die Geschehnisse.

Man habe unzählige Mails ausgetauscht; Vor-Ort-Termine habe es auch gegeben – wann aber der sehnlichst erwartete „Soda-Jet“, der die drei Zubereitungsstufen „still, spritzig-prickelnd und mild-sprudelnd“ anbietet, aufgestellt werden darf, wurde den Initiatoren nicht mitgeteilt.

Mit Wasser gegen Zucker

„Wir lieben Rituale“, sagt Diabetologe Prof. Morten Schütt, „und das, was wir in der Kindheit lernen, rufen wir noch ständig als Erwachsene ab.“ Deshalb sollten Kinder und Jugendliche schon früh den Griff zum Wasserglas verinnerlichen, wenn sie Durst haben. Denn die möglichen Alternativen wie Limonade, Cola und Fruchtsäfte sind flüssige Zuckerberge und treiben Blutzucker- und Insulinspiegel in die Höhe. Das trägt nicht nur wesentlich zu Übergewicht und Adipositas bei, sondern fördert auch eine Insulin-Resistenz. Dies wiederum kann zu Diabetes führen. Studien beweisen diesen Zusammenhang. Übrigens: Auch die süßstoffhaltigen Light-Versionen von Cola, Limo und Co. sind keine Alternativen, denn auch sie erhöhen laut Diabetes-Gesellschaft dieses Risiko.

Wasserspender gegen Diabetes

„Die wollen das aussitzen“, ist sich der renommierte Diabetologe, der auch Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Diabetes im Kieler Sozialministerium ist, sicher. Der Mediziner weist darauf hin, dass der kostenfreie Zugang zu Trinkwasser für jedes Schulkind zu den fünf wichtigen Säulen der Landespräventionsstrategie „Diabetes verhindern“ gehört.

Mehr zum Thema: Alle Artikel rund ums Katharineum zu Lübeck lesen Sie hier.

„Und Lübeck muss dringend etwas tun“, mahnt er, „denn zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchung haben mehr Kinder in der Hansestadt Übergewicht oder Fettsucht aufgewiesen als der Durchschnitt in Schleswig-Holstein.“ Inzwischen hat er bereits weitere Spendenzusagen, um in zwei weiteren Schulen in Lübeck die innovativen Wasserspender installieren zu können.

Stadt verweist auf Trinkwasserverordnung

Das Problem: „Die Trinkwasserleitungsanlagen der Lübecker Schulen entsprechen durch ihr Baualter ganz wesentlich nicht der aktuellen Trinkwasserverordnung“, heißt es auf LN-Anfrage in der Stellungnahme der Stadt. Und da Bestandsschutz bestehe, seien „objektbezogene Prüfungen und Lösungen zur Umsetzung notwendig, die eine kurzfristige und technisch nach Möglichkeit gleichartige Bauweise für alle Standorte ermöglichen“.

Diese Sätze sind den Beteiligten am Katharineum mittlerweile schon hinlänglich bekannt. Schulleiter Philippi, seit April im Amt, kommentiert: „Mal ist es der Bestandsschutz, dann die Trinkwasserverordnung, dann ist es die alte Leitung – ich kann es nicht mehr nachvollziehen.“

Hohes Maß an Hygiene

Vor allem weist er darauf hin, dass es gerade in den warmen Monaten gängige Praxis sei, dass sich zahlreiche Schülerinnen und Schüler an den Wasserhähnen im Gebäude organisieren und sich ihre Trinkflaschen abfüllen. „Niemand ist deshalb bisher krank geworden, denn alle Beprobungen des Gesundheitsamtes im Katharineum waren ohne Mangel“, weiß er aus den behördlichen Schreiben.

„Über welche Risiken reden wir also?“, empört sich entsprechend Dr. Andreas Dalski vom „Bund der Freunde“, „wir wollen ein externes Gerät aufstellen, das an die Wasserleitung angeschlossen wird und das laut Wasserverband für den öffentlichen Verbrauch empfohlen wird und ein hohes Maß an Hygiene aufweist.“ Dalski stellt daher die provokante Frage: „Müsste die Hansestadt dann nicht generell vor dem Trinken von Leitungswasser in alten Gebäuden auf der Altstadtinsel warnen?“

Im November 2017 wurde der vom Lions Club Travemünde finanzierte Wasserspender für rund 4000 Euro in der Stadtschule Travemünde eingeweiht. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Stadtschule Travemünde als Vorreiter

Ein weiterer Umstand, der bei den Betroffenen nur für Kopfschütteln sorgt: Eigentlich gehört Lübeck schon zu den Vorreitern im Land. So konnte bereits im November 2017 in der Stadtschule Travemünde ein Wasserspender dieser Bauart in Betrieb gehen. Er werde nach wie vor sehr gut von den rund 200 Grundschülern angenommen. Zudem würden sich auch die Mitarbeiter aus der Kurverwaltung, die im selben Gebäude ansässig sind, regelmäßig mit dem erfrischenden Nass versorgen, heißt es aus dem dortigen Schulsekretariat.

Vorkämpfer Prof. Morten Schütt, der wegen seines Engagements schon 2016 die Ehrennadel des Landes verliehen bekommen hat, merkt noch an, dass zum Beispiel auch schon in der Gemeinde Timmendorfer Strand fünf Geräte an drei Schulen installiert worden sind. Und jüngst habe Schleswig beschlossen, alle Schulen auf dem Stadtgebiet mit dem empfohlenen Wasserspender-System auszustatten. Von der Hansestadt Lübeck heißt es abschließend nur noch: „Die Maßnahme befindet sich derzeit in der Prüf- und Planungsphase – zu einem Zeitpunkt der örtlichen Umsetzung kann aktuell jedoch noch kein Termin genannt werden.“

Von Michael Hollinde

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