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Lübeck Klein Grönau: Ärger um Ruine am Wegesrand
Lokales Lübeck Klein Grönau: Ärger um Ruine am Wegesrand
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16:09 28.12.2018
. Die Groß-Grönauerin Margrit Sochor ärgert sich über das Erscheinungsbild des Gebäudes an der Hauptstraße. Quelle: 54°/Felix König
St. Jürgen

Margrit Sochor steht an der Hauptstraße und ist empört. „Das Dorf soll schön sein“, sagt sie, „und dann steht da so ’ne Ruine. Das fällt ja letztlich auf Grönau zurück.“ Das alte Haus, von dem sie spricht, steht dicht an der Straße. Im Erdgeschoss sind die Fenster mit Brettern vernagelt. In den Sprossenfenstern im Obergeschoss sind viele Scheiben kaputt. Das Dach eines Nebengebäudes ist von dickem Moos bewachsen. „Da würd’ ich am liebsten gleich selbst mit dem Hochdruckreiniger kommen“, sagt Sochor.

Sie ist Bürgerin der Gemeinde Groß Grönau. Das Haus gehörte als ehemaliges Hofgebäude zum mittelalterlichen Siechenhaus von Klein Grönau, einer Exklave des Lübecker Stadtteils St. Jürgen mitten auf Groß Grönauer Gebiet. Zuständig ist deshalb die Abteilung Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck. Der ist das Haus schon länger ein Dorn im Auge: „Das Gebäude (...) befindet sich (...) in einem unsanierten Zustand mit zahlreichen Schadensphänomenen“, heißt es in einer schriftlichen Antwort der Stadtverwaltung auf eine LN-Anfrage. Die Denkmalpflege habe den Eigentümer immer wieder auf die Pflicht hingewiesen, das Kulturdenkmal zu erhalten und zu pflegen.

Der ist sich keiner Schuld bewusst. „Wir versuchen, das Haus zu retten“, sagt Barbara Gaedeke vom Möllner Immobilienunternehmen Gaedeke, dem es gehört. Das Unternehmen ist unter anderem Eigentümer des bekannten Guts Wotersen zwischen Mölln und Schwarzenbek. Regelmäßig, erklärt Gaedeke, werde der Zustand des Dachs von Zimmerleuten überprüft. „Moos auf dem Dach ist nicht schlimm“, sagt sie, „man muss nur von innen sehen, dass nichts durchkommt.“ Leider hätten sie immer wieder mit Vandalismus zu kämpfen. „Man kann dort nicht mal Baumaterial lagern.“

Das Fachhallenhaus, so der Name des Gebäudes, sei schon im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt worden, gibt Gaedeke an. Die jetzige Gebäudegruppe stammt nach einer Dokumentation des städtischen Bereichs Umwelt, Natur und Verbraucherschutz aus dem 17. bis 18. Jahrhundert. Das nebenan gelegene, sanierte Siechenhaus gehört dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg und wird vom CVJM als Jugendheim genutzt. Lübeck hatte es im Mittelalter als Wohnstätte für Leprakranke vor den Toren der Stadt errichtet.

Lübecker Exklave

Klein Grönau besteht nur aus wenigen Häusern. Es liegt mitten in Groß Grönau, gehört aber zum Lübecker Stadtteil St. Jürgen. Im Mittelalter baute Lübeck hier ein Haus für Leprakranke. Dazu gehörten eine Kapelle für die geistliche und ein Hof für die materielle Versorgung der Aussätzigen. In der Wegekapelle werden zwischen Pfingsten und Erntedank regelmäßig plattdeutsche Andachten abgehalten. Das Siechenhaus wird für Jugendfreizeiten mit bis zu 40 Teilnehmern genutzt.

1986 kaufte das Möllner Unternehmen das ehemalige Hofgebäude. „Das war eine sehr exponierte Lage und ein besonders schönes Gebäude“, sagt Barbara Gaedeke. Einige Jahre hielt sich dort eine Gastronomie und Verkaufsausstellung mit Kunsthandwerk, aber seit mehr als 15 Jahren steht das Haus wieder leer. Eine neue Nutzung ist nicht in Sicht. Für eine neue Gastronomie sieht Gaedeke kaum Chancen. „Die Dörfer sind immer mehr nur noch Schlafstätten“, sagt sie, „und es fehlt die Laufkundschaft.“ Es müssten ganz andere Konzepte entwickelt werden. In welche Richtung die gehen könnten, sagt sie nicht. Es sei auch schwierig, so ein Gebäude für eine Wohnnutzung umzubauen. „Wenn wir das ausbauen, Bäder einbauen, Wände einziehen, hier noch ’ne Gaube dranbauen, dann springt uns die Denkmalpflege ins Genick – zu Recht.“

Die Denkmalpflege hält die bisherige Instandhaltung aber nicht für ausreichend und zeigt dem Eigentümer schon einmal die Instrumente: In ihrer schriftlichen Stellungnahme weist die Behörde darauf hin, dass sie auf Kosten des Eigentümers die notwendigen Anordnungen treffen könne, wenn der Eigentümer seinen gesetzlichen Verpflichtungen nicht nachkomme. Nach dem Denkmalschutzgesetz sei „unter bestimmten Bedingungen eine Enteignung zulässig“.

Hanno Kabel

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