Lübeck: Kranke 14-jährige Casey braucht Spenden für Epilepsiewarnhund
Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Ein Epilepsiehund für Caesy
Lokales Lübeck

Lübeck: Kranke 14-jährige Casey braucht Spenden für Epilepsiewarnhund

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 25.09.2020
In die Hündin „Nala“ hat sich Caesy (14) gleich verliebt. Bald soll sie einen eigenen Epilepsiewarnhund erhalten.
In die Hündin „Nala“ hat sich Caesy (14) gleich verliebt. Bald soll sie einen eigenen Epilepsiewarnhund erhalten. Quelle: Privat
Anzeige
St. Lorenz Nord

Am Anfang standen Ohnmachtsanfälle, später kamen Zuckungen dazu. Caesy ist an Epilepsie erkrankt – mit 14 Jahren. Das hat das Leben der jungen Lübeckerin dramatisch verändert. Um wieder sicher und selbstbestimmt leben zu können, benötigt sie einen Epilepsiewarnhund – doch der ist sehr teuer.

Unerklärliche Anfälle

Vor den Sommerferien fing alles an. Immer wieder fiel Caesy in Ohnmacht. Für ihre Eltern unerklärlich. „Ich selbst kann mich nie an etwas erinnern“, sagt Caesy. „Hinterher bin ich sehr müde und kann nicht mehr klar denken.“ Auch Herzspezialisten und Psychiater konnten ihr nicht helfen. Dann veränderten sich ihre Symptome: Zu der Ohnmacht traten Zuckungen. „Oft ist Epilepsie nicht gleich eindeutig erkennbar“, sagt der Neurologe Jürgen Sperner, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Er stellte vor acht Wochen die Diagnose: Epilepsie.

Der LN-Newsletter aus der Hansestadt Lübeck

Alles, was Lübeck voranbringt: Sie bekommen diesen Newsletter jeden Montag gegen 18 Uhr kostenlos in Ihr Postfach. 

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Caesy darf nicht mehr allein sein

Mehrmals am Tag hat Caesy Anfälle. Etwa einmal die Woche fällt sie in einen „status epilepticus“. „Das ist ein epileptischer Dauerzustand, der länger als 30 Minuten dauert“, sagt Sperner. Dann müsse der Rettungsdienst gerufen und ihr ein Notfallmedikament gegeben werden. Das ist der Grund, warum Caesy nicht mehr allein sein darf. Hobbys habe sie keine mehr. „Sie ist mitten in der Pubertät“, sagt Mutter Sarah Gala (34). „Natürlich ist sie angenervt.“

Caesy (14) mit Mutter Sarah Gala (34): „Ich möchte wieder raus gehen und mich mit Freunden treffen.“ Quelle: Felix König

Epilepsie: Nicht zu heilen, aber gut zu behandeln

Früher galt Epilepsie noch als Geisteskrankheit. Das stimmt aber nicht. „Epilepsie ist eine Funktionsstörung der Nervenzellen, die abnorm synchron zusammen ,feuern‘“, erklärt Sperner. Heilen könne man Epilepsie nicht. Aber etwa 70 Prozent der Patienten seien gut behandelbar und frei von Anfällen. „Wir stehen hier erst ganz am Anfang.“ Manchmal seien Menschen mit Epilepsie ängstlich und lebten zurückgezogen. „Ein Hund kann da für einen gewissen Ausgleich sorgen“, sagt Sperner.

Ein Epilepsiehund als Beschützer

Ein Epilepsiewarnhund kann einen Anfall anzeigen, noch bevor der Mensch ihn spürt. Dabei reagiert der Hund auf verschiedene Botenstoffe des Betroffenen. So kann sich der Mensch – manchmal schon Minuten vorher – in Sicherheit bringen. Zudem ist der Hund ein treuer Begleiter und bildet mit dem Halter ein Team. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Das Anzeigen eines Anfalles nimmt dabei den größten Teil ein, weil der Hund hier ganz sicher sein muss. Zudem werden Grundlagen eines gut erzogenen Hundes trainiert, wie Sozialverträglichkeit, im Auto mitfahren können oder Begleitung in eine Schulklasse. Ausgebildete Hunde können bis zu zehn Jahren in einer Familie sein. Am WZ-Hundezentrum bei Güstrow werden seit zehn Jahren Assistenzhunde ausgebildet.

Der Hund bemerkt Anfall, bevor er kommt

In der Nähe von Güstrow werden solche Assistenzhunde ausgebildet. Ähnlich wie Blindenhunde oder Diabeteshunde sind sie treue Begleiter. Und nicht nur das: Sie können auch einem Anfall anzeigen, bevor er auftritt. Und das funktioniert so: Vor einem Anfall sendet der Körper eines Epileptikers Signale aus. Es ändert sich die Atmung, die Herzfrequenz und ein bestimmter Geruch wird abgegeben. Ausgebildete Hunde können diese Zeichen wahrnehmen und anzeigen. „So kann sich die Person schon im Vorfeld in Sicherheit bringen“, sagt Ulrich Zander (35), zertifizierter Hundeführer beim WZ-Hundezentrum.

Nur noch zu Hause

„Ich darf nicht mehr rausgehen, gehe fast nie zur Schule“, sagt Caesy. Mit einem Assistenzhund könnte sie sich wieder mit ihren Freunden treffen und das selbstbestimmte Leben eines Teenagers führen. Doch der Hund kostet 30 000 Euro und wird von der Krankenkasse nicht übernommen. „Allein können wir diesen Betrag niemals aufbringen“, sagt Sarah Gala. Auf fremde Hilfe seien sie nun angewiesen. „Über Spenden wären wir sehr dankbar.“

Wer Caesy helfen möchte, kann sich an das WZ-Hundezentrum wenden unter der Telefonnummer 01 73/240 21 12 oder der E-Mail info@wzhundezentrum.de.

Von Elmar Westerkamp