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Lokales Lübeck Lübeck: Künstler gestaltet Gang in der Großen Burgstraße
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20:00 28.07.2019
Der Blick des Künstlers: Stephen Perry (57) schaut einem Schneider in die Augen, der Ende des 19. Jahrhunderts in Lübecks Altstadt gelebt hat. Jetzt prangt er im Struß' Thorweg zwischen Großer Burgstraße und Rosenstraße. Quelle: Tim Jelonnek
Innenstadt

Auffällig sind seine Augen. Sie schauen direkt in die Kamera. Blicken aus einem anderen Jahrhundert hinein in die Große Burgstraße von heute. Während draußen die Menschen mit Handy und Einkaufstüte vorbei eilen, sitzt er ruhig mit gekreuzten Beinen auf dem Tisch. Der Mann mit den großen Augen stammt aus einer anderen Zeit, als sein schwungvoller Schnurrbart, seine schwarze Weste und das weiße Hemd in Mode waren. Es ist die Tracht der Schneider.

Handwerker in der nördlichen Altstadt Lübecks

Ob der Schneider tatsächlich in der großen Burgstraße gearbeitet hat, ist ungewiss. Sicher ist aber, dass er in der nördlichen Altstadt Lübecks tätig war. Herausgesucht hat dieses Foto Stephen Perry. Aus dem Archiv des St.-Annen-Museums. Es wurde zwischen 1870 und 1910 gemacht. „Es stellt die Lebenssituation der Menschen dar“, sagt Perry. Der Künstler und Architekt hat sich viel Zeit gelassen bei der Auswahl der Bilder. Acht Stück sind es geworden. „Sie sollten alle annähernd an diesem Standort entstanden sein“, sagt Perry.

Unansehnlicher, stinkender Gang

Dieser Standort – das ist Struß’ Thorweg, ein Gang zwischen der Großen Burgstraße und der Rosenstraße. Bis vor kurzem war es ein unansehnlicher Durchgang, an dessen Anfang und Ende Mülltonnen standen. Dunkle Ecken wurden als Pissoir missbraucht. Daher wurden die Durchgänge kaum genutzt. Wer sich trotzdem hineintraut, der landet in einem versteckten Kleinod der Altstadt. Ein grüner Innenhof, gesäumt von Häusern. Manche davon sind sehr alt.

Ein Engländer verschönert Lübeck

In einem davon wohnt Perry. Es wurde 1419 erbaut. Perry hat drei bis vier Jahre Arbeit hineingesteckt und es saniert. Das war vor sieben Jahren. Als er fertig war, hat sich der kreative Engländer die Gasse selbst vorgenommen. Er hat sich mit seinen Nachbarn unterhalten. Mit der Arbeiterwohlfahrt, die dort eine Beratungsstelle hat. Mit dem Lübecker Bauverein, dem die meisten Häuser gehören. Mit der Possehl-Stiftung. Sie hat 40 000 Euro gegeben.

Fotos vom Ende des 19. Jahrhunderts

„Wir wollten die Entwicklung in der Großen Burgstraße unterstützen“, sagt Perry. Eine Straße, die erst langsam aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Und auch Struß’ Thorweg sollte wieder schön werden. Perry hat ein Kunstprojekt daraus gemacht. Ohne Honorar für sich selbst. Die Idee: Eine lebendige Geschichte erzählen, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft. Perry ist wichtig, dass es neben der Hanse-Geschichte Lübecks und der großen Kaufleute auch die kleinen Geschichten gibt – die der Handwerker. Und so sind es Fotos von Handwerkern, die jetzt die Durchgänge verwandeln. Sie haben in der nördlichen Altstadt gewohnt und gearbeitet. Jetzt prangen sie riesengroß in Struß’ Thorweg: 2,50 Meter hoch und bis zu sechs Meter lang. Die Beleuchtung in den Gängen wurden neu gemacht, der Boden ebenfalls.

Den Gang zwischen großer Burgstraße und Rosenstraße – Struß’ Thorweg – hat Künstler Stephen Perry neu gestaltet.

Männer-Bilder im Durchgang zur Großen Burgstraße

Wer von der Großen Burgstraße aus durch den Gang läuft, wird eingerahmt von diesen Bildern. Die Schneider sitzen den Männern aus der Fleischkonserven-Fabrik gegenüber und schauen ihnen zu, wie sie die Kisten hin- und herschieben. Da arbeiten die Weber an ihren riesigen Webstühlen, gegenüber den Bauklempnern, die stolz ihren riesigen Wetterhahn auf einer Kuppel präsentieren. Einer wie er auf den Lübecker Kirchen zu finden ist. Da ist der Hufschmied, der ein Pferd beschlägt. Gegenüber ist eine alte Karte von Lübeck – sie stammt vom Ende des 19. Jahrhunderts, wie die Fotos. Eingezeichnet sind alle Gänge und Höfe der Stadt. „Dort könnten Stadtführer den Besuchern die Lübecker Altstadt zeigen“, sagt Perry.

Frauen-Bilder im Durchgang zur Rosenstraße

Der Durchgang zur Rosenstraße ist den Frauen gewidmet. Denn in dem Gebäude war früher ein Frauenschutzhaus untergebracht. So zeigen Hutmacherinnen stolz ihre Werke. Drei Frauen stehen beisammen und verkaufen Gemüse. Angebaut wurde es in den Höfen, verkauft direkt davor. „Heute ist das ökologischer Landbau“, bemerkt Perry. Gemüse aus der Region ist heute wieder angesagt. Leben und Arbeiten auf der Altstadtinsel ist ebenfalls heute wieder hip, auch wenn es oft digitale Arbeit ist.

Grober Zeitungsdruck auf Keramik

Spannend ist die Technik, mit der die Fotos aus der Vergangenheit ins Heute transportiert wurden. Mit Digitaldruck wurden sie überlebensgroß aufgezogen und auf Keramikfliesen gedruckt. So entsteht eine grobkörnige Struktur wie im alten Zeitungsdruck. Dadurch scheint es, als bewegten sich die Bilder sich, wenn man an ihnen vorbeiläuft. Perry: „Die Fotos verfremden sich.“

Josephine von Zastrow

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