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Lübeck 385 000 Euro für Lübecker Perfood-Projekt
Lokales Lübeck

Lübeck: Land fördert Perfood-Projekt gegen hormonelle Erkrankung

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09:30 23.10.2020
Gianna Kühn erhält den Förderbescheid von Staatssekretär Dirk Schrödter. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Das Lübecker Start-up-Unternehmen Perfood wird vom Land mit 385 000 Euro gefördert. Wirtschaftsstaatssekretär Dirk Schrödter überreichte am Donnerstag den Förderbescheid. Das Projekt des Unternehmens, das im Jahre 2018 den LN-Existenzgründerpreis gewonnen hat, betrifft die Behandlung einer hormonellen Erkrankung von Frauen. „Dank Künstlicher Intelligenz können auch in der Medizin neue und effizientere Therapieformen entwickelt werden“, sagt Perfood-Chef Dominik Burziwoda.

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Hilfe durch Blutzuckerstabilisierende Ernährung

Perfood hat sich für seine Therapien auf Basis personalisierter Ernährung einen Namen gemacht. Die jetzige Förderung fließt in die Entwicklung einer digitalen, personalisierten Therapie beim sogenannten polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS). Es ist mit etwa zwei Millionen Betroffenen eine der am weitesten verbreiteten hormonellen Erkrankungen bei Frauen. „PCOS stellt die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit aufgrund des Ausbleibens von Eisprüngen dar“, erläuterte Perfood-Projektleiterin Gianna Kühn. „Alle Faktoren führen zu einer hohen Belastung für die Betroffenen, doch die Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt“, so Kühn. Bei der Erkrankung scheine eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Lebensstilfaktoren die wesentliche Rolle zu spielen. „Es bestehen Hinweise, dass eine personalisierte und blutzuckerstabilisierende Ernährung eine vielversprechende, ganzheitliche Therapiemöglichkeit sein könnte“, sagte Kühn.

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Das ist Perfood

Das Startupunternehmen Perfood widmet sich digitalen, personalisierten Ernährungsprogrammen zur Prophylaxe und Therapie von Krankheiten. Das 22-köpfige Team besteht aus Ernährungsmedizinern und Ärzten der Universität zu Lübeck um Prof. Dr. med. Christian Sina sowie aus Technologieexperten. Auf dem Konzept einer personalisierten und gesundheitsfördernden Ernährung aufbauend, entwickelt das junge Unternehmen digitale Medizinprodukte für ernährungsbasierte Therapieoptionen. Mit dem Onlineportal www.MillionFriends.de sollen Zivilisationskrankheiten erfolgreich bekämpft werden.

Stärkung des Wirtschaftsstandortes

„Ich freue mich sehr, dieses zukunftsweisende Projekt zu unterstützen“, sagte Schrödter. „Die Entwicklung hat das Potenzial, einen wesentlichen Beitrag für nachhaltiges Wirtschaftswachstum in Schleswig-Holstein an der Schnittstelle von Ernährungswirtschaft und Life Sciences durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz zu schaffen und damit einen Meilenstein in der modernen Ernährungsmedizin zu setzen“, so der Staatssekretär. „Das ist wichtig für die Gesundheit der betroffenen Frauen, aber auch für die Stärkung des Wissenschaftsstandortes Schleswig-Holstein.“

Personalisierte Ernährung

Bisher gebe es keine bekannten zuverlässigen Methoden, ohne mit Nebenwirkungen und Eingriffen im Körper die Krankheit zu mindern oder zu heilen, so Burziwoda. „Wir freuen uns sehr, dass wir bereits unser Team verstärken und Arbeitsplätze schaffen konnten.“ Das vorliegende Projekt sei eine Referenz, um in den kommenden Jahren zahlreiche weitere digitale Therapieprogramme auf den Markt zu bringen, bei denen die personalisierte Ernährung im Vordergrund stehe.

Digitale Lösungen gegen die Erkrankung

Kühn sagte: „Die Mittel geben uns die Möglichkeit, PCOS zukünftig mit digitalen Lösungen zu begegnen, die den betroffenen Frauen einen selbstbestimmten Umgang mit ihrer Erkrankung ermöglicht. Deshalb bedanken wir uns ganz herzlich auch im Namen der Frauen, für die die Krankheit einen langen Leidensweg bedeutet.“

Messdatenbasierte Produkte

Perfood entwickelt hochtechnologische, digitale und messdatenbasierte Produkte sowie Therapien, welche aus der akademischen Forschung entstanden sind. Im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Universität zu Lübeck hatte Perfood die Chancen einer strukturierten Intervention bei betroffenen Frauen durch eine personalisierte niedrig-glykämische Ernährung analysieren lassen. Die Untersuchung der wissenschaftlichen Evidenz habe ergeben, dass die niedrig-glykämische Ernährung zu einer erheblichen Verbesserung der Insulinresistenz führen könne. Im Rahmen des geförderten Projektes wird mit digitalen Technologien eine Personalisierungsstrategie entwickelt, durch die noch deutlichere Verbesserungen des Krankheitsbildes erzielt werden könnten.

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Von Rüdiger Jacob