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Lübeck Lübecker leben laut Studie gefährlich
Lokales Lübeck Lübecker leben laut Studie gefährlich
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16:07 08.12.2018
Polizeieinsatz an der Holstenstraße (Archivbild). Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Wie sicher ist Deutschland? Das soll eine Verbrechensstudie des Meinungsforschungsinstituts Allensbach im Auftrag des Magazins Focus zeigen, in der die Kriminalitätsgefahren aller deutschen Regionen verglichen wurden. In die Bewertung fielen nicht nur klassische Straftaten, sondern auch Delike wie Graffit-Sprühen oder Schwarzfahren. Das Ergebnis: Lübeck gilt als eine der unsichersten Städte des Landes – gleich hinter Neumünster und Köln. Gleichzeitig stockt das Land derzeit die Stellen auf. Die Hansestadt erhält von 500 Stellen lediglich 40. Zu wenig, findet die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG).

Insgesamt wurden die Kriterien psychische und physische Gewalt, wirtschaftliche Sicherheit, Sicherheit im Straßenverkehr und gesellschaftlicher Dissens verglichen. Offiziell sank die Gesamtkriminalität in Lübeck im vergangenen Jahr laut Statistik um 7,9 Prozent. Doch die Studie zeigt nun andere Zahlen. Für die DPolG keine Überraschung. Sie mahnt schon seit langem, dass die Kriminalitätsstatistik nicht die tatsächlich vorhandene Kriminalitätslage widerspiegelt. Die Gründe hierfür lägen unter anderem an einem hohen Dunkelfeld in manchen Deliktsbereichen.

Bürger bewaffnen sich

Die Zahl der Kleinen Waffenscheineist seit 2014 bundesweit auf mehr als das Doppelte auf etwa 600 000 gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland bei allen 16 Innenministerien.

Wer einen Kleinen Waffenschein besitzt, darf Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen bei sich haben, aber nur im Notfall damit schießen und die Waffen auch nicht zu öffentlichen Veranstaltungen mitnehmen.

In Schleswig-Holstein waren Ende Oktober 24 659 Menschen im Besitz eines Kleinen Waffenscheins. Vor vier Jahren waren es etwa 9000. Allein in diesem Jahr sind bereits weit über 4000 Anträge genehmigt worden.

Das Fazit der Studie aus Sicht der DPolG: Die Bürger wünschen sich mehr Polizeipräsenz. „Wir müssen mehr Personal auf der Straße haben“, bestätigt auch Frank Zahn, sozialpolitischer Sprecher der SPD. Die Stadtteile müssten gestärkt werden. Und auch die Innenstadt brauche insbesondere junges Personal, außerdem müsse die Station der Wasserschutzpolizei am Skandinavienkai wieder rund um die Uhr besetzt sein. „40 Stellen werden dafür definitiv nicht reichen“, so Zahn

Doch genau so viele Stellen sind derzeit geplant. Aktuell setzt die Kieler Jamaika-Koalition die Pläne der Vorgängerregierung zur personellen Verstärkung der Landespolizei um. Doch nur acht Prozent der 500 Stellen fallen auf die Polizeidirektion Lübeck. „Die DPolG Lübeck-Ostholstein kritisiert die Entscheidung der Amts- und Behördenleiter der Landespolizei. Demnach erhält die größte Polizeidirektion in Schleswig-Holstein den geringsten Anteil“, sagt Thomas Nommensen, Kreisvorsitzender der DPolG. Im Vergleich erhält Lübeck ungefähr die Hälfte weniger Stellenzuwachs, als beispielsweise die Polizeidirektion Flensburg. Nommensen mahnt deshalb schon jetzt, dass der Stellenausbau bei Weitem nicht ausreiche, um die vorhandenen Lücken auf den Dienststellen zu schließen. „Wir fordern das Innenministerium auf, die Entscheidung der Polizeiführung diesbezüglich zu prüfen und auf eine gerechtere Verteilung zu bestehen, die sich an den tatsächlichen Kriminalitäts- und Arbeitsbelastungen orientiert“, appelliert Nommensen.

Jochen Mauritz, sicherheitspolitischer Sprecher der CDU stimmt nicht in den Tenor ein. „Mehr Stellen wären schöner“, sagt er, „aber wir sollten es erstmal so nehmen, wie es ist. Wir müssen ja auch genügend Leute finden, um die Stellen zu besetzen.“ Priorität hat seiner Ansicht nach, die Sicherheit zu stärken. „Wir werden weiterhin eine verstärkte Videoüberwachung fordern und über das Thema Beleuchtung sprechen müssen.“ Ragnar Lüttke (Linke) sieht das anders. „Videoüberwachung stärkt nicht das Sicherheitsgefühl, wir müssen Polizisten auf der Straße haben, denen die Bürger vertrauen.“ Katja Mentz (GAL) beruft sich auf die offiziellen Zahlen. Die Kriminalitätsstatistik sei in Schleswig-Holstein rückläufig. „Das ist zunächst positiv“, sagt sie.

Rüdiger Hinrichs (Freie Wähler) pocht auf die gerechte Verteilung der neuen Stellen: „Wir wollen wissen, warum Lübeck lediglich acht Prozent der Stellen erhält. Ist die Verteilung nicht plausibel, fordern wir mehr Stellen vom Land.“ Kriitk an der Studie gibt es auch von Thomas Rathcke (FDP). „Die Bewertung von Statistiken hängt sehr stark von der Fragestellung ab, daher muss/sollte man das Ergebnis relativieren. Dennoch zeigt die Statistik einen Handlungsbedarf auf.“ Aber auch er fordert mehr Präsenz im öffentlichen Raum. „Die 40 Stellen reichen nicht aus. Genaue Erkenntnisse über der Verteilmodus fehlen, da die Informationen dazu vom Land noch nicht vorliegen“, sagt Rathcke. Und auch Silke Mählenhoff (Grüne) fordert mehr Präsenz: „Es muss stärkere Kontrollen geben. Gerade in der Innenstadt und in den Stadtteilen brauchen wir mehr Polizisten.“

Maike Wegner

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