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Lübeck Lübeck: 98-Jähriger ertrinkt in der Trave
Lokales Lübeck Lübeck: 98-Jähriger ertrinkt in der Trave
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18:21 31.07.2019
Großeinsatz an der Kaikante: Die Rettungssanitäter und Notarzt reanimierten den 98-Jährigen an Ort und Stelle. Er verstarb wenige Stunden später im Krankenhaus. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

Warum der 98-Jährige am Dienstagabend nach 21 Uhr noch mit seinem Rollator an der Kaikante unterwegs war, ob er samt Rollator auf Höhe des Schuppen 9 ins Wasser stürzte oder vielleicht im Zustand der Verwirrtheit ins Wasser sprang, ist auch am Tag danach unklar. Fakt ist: Der Mann konnte zwar zunächst von couragierten Passanten gerettet und von eintreffenden Sanitätern reanimiert werden, verstarb jedoch gegen Mitternacht im Krankenhaus.

Aufmerksamer Passant sah Mann im Wasser treiben

Ein Passant hatte den 98-Jährigen im Wasser treibend entdeckt und laut um Hilfe gerufen. Auch Rettungsdienst und Feuerwehr der Stadt wurden zur Untertrave gerufen, anschließend wurde auch die Tauchergruppe der Feuerwehr alarmiert.

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Ein 98-jähriger Mann ist am Dienstagabend in Lübeck mit seinem Rollator in die Untertrave gestürzt. Er starb wenig später im Krankenhaus.

Ersthelfer springen ins Wasser

Ein an der Hubbrücke sitzender Angler und zwei weitere Personen wurden auf die Rufe des Passanten aufmerksam und eilten sofort zu Hilfe. Drei der Helfer sprangen ohne zu zögern ins Wasser. Einer blieb an Land und versuchte, den Mann mit einer Rettungsstange über Wasser zu halten.

Mit Unterstützung der ersten am Einsatzort eingetroffenen Polizisten gelang den Helfern, den 98-Jährigen mit einem Rettungsring aus dem Wasser zu heben. Rettungskräfte reanimierten den Mann.

Couragierte Helfer willkommen

Feuerwehrleute kümmerten sich mit wärmenden Decken um die Helfer. Für Bernd Neumann, Chef der Lübecker Berufsfeuerwehr, ist es „eine tolle Sache, wenn Leute couragiert einschreiten, sofern sie es besonnen machen und sich nicht selbst gefährden“. Allerdings sollte man über couragiertes Handeln nicht vergessen, die Feuerwehr zu rufen. Sein Fazit: „Ich wünsche mir mehr Leute, die helfen, statt erst einmal Handy-Videos zu machen.“

Gefährliches Pflaster am Kai?

Ob das Pflaster und die Granitkante am Kai ungünstig für Rollatoren sind, vermag Neumann nicht zu sagen. Er erinnert sich allerdings an einen Fall, als ein Kinderwagen samt Kind ins Wasser rollte. „Das ging glücklicherweise glimpflich aus.“

Seniorenbeirat wünscht sich Führrinnen

Margret Wulf-Wichmann vom Vorstand des Lübecker Seniorenbeirats gibt zu bedenken, dass Kopfsteinpflaster durchaus problematisch für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl sei, „aber in einer mittelalterlichen Stadt wie Lübeck nicht wegzudenken“. Auch wisse sie nicht, „ob man Wasserkanten immer absichern kann“. Gut vorstellbar wären für sie hingegen rollstuhlgerechte Führrinnen, „wie sie an Bushaltestellen zu sehen sind.“ Zudem könnten Sicherheitshinweise hilfreich sein.

Ermittlungen noch Dienstagabend aufgenommen

Der versunkene Rollator wurde von der Tauchergruppe der Lübecker Feuerwehr geborgen. Er konnte gleich beim ersten Tauchgang in unmittelbarer Nähe zur Leiter an der Kaimauer geortet werden. Die Taucher übergaben ihn an die Polizei. Ob der Rollator möglicherweise vor dem Sturz ins Wasser beschädigt war, vermag auch Polizeisprecher Stefan Muhtz nicht zu sagen. Bekannt ist ebenfalls nicht, ob der 98-Jährige noch allein lebte oder in einer Pflegeeinrichtung untergebracht war.

Polizei ermittelt

Beamte des Kriminaldauerdienstes nahmen am Dienstagabend die Ermittlungen zur Ursache des tragischen Unglücks auf. Inzwischen hat das Kommissariat 11 der Lübecker Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen. Laut Polizeisprecher Stefan Muhtz stürzte der Mann nach derzeitigem Stand ohne Fremdeinwirkung ins Wasser.

Mike Orend und Sabine Risch