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Lübeck Neues Parkhaus am Holstentor beschlossen
Lokales Lübeck Neues Parkhaus am Holstentor beschlossen
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14:11 20.08.2019
Parkhaus Holstentor: Das marode Bauwerk von 1992 ist von Betonkrebs zerfressen und soll abgerissen werden. Die Politiker wollen es durch einen Neubau ersetzen.
Parkhaus Holstentor: Das marode Bauwerk von 1992 ist von Betonkrebs zerfressen und soll abgerissen werden. Die Politiker wollen es durch einen Neubau ersetzen. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

Es soll ein Neubau werden. Das marode Parkhaus am Holstentor wird abgerissen und komplett neu gebaut. Die Zahl der Stellplätze: 550. So will es der Bauausschuss. Dafür haben gestimmt SPD, CDU, FDP und Unabhängige. Die Bürgerschaft muss darüber Ende August endgültig entscheiden.

Teurer Neubau für 16,8 Millionen Euro

Das wird teuer: Satte 16,8 Millionen Euro kostet ein Architektur-Neubau. Ein „Parkhaus von der Stange“ soll daher errichtet werden. Das ist billiger als ein individuell gestaltetes Architektur-Bauwerk. Die Fachleute sagen dazu System-Parkhaus. Es wird aus fertigen Modulen errichtet. Wie viel so ein Parkhaus genau kostet, wird jetzt errechnet. Die Krux: Das Parkhaus steht direkt vor der Welterbe-Altstadt – und die Architektur muss durch den Gestaltungsbeirat abgesegnet werden.

Wohin mit den Autos der Altstadt?

„Wir brauchen dieselbe Anzahl von Stellplätzen“, macht Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses, klar. Denn: „Wir wollen den Verkehr aus der Innenstadt raus haben“, sagt Dagmar Hildebrand (CDU). So steht es auch im neuen Lübeck Plan für die Altstadt. Die Altstadtinsel soll weitestgehend autofrei werden. Und: Die Stellplätze für die Anwohner in den Straßen sollen halbiert werden. Sie sollen ihre Autos möglichst am Rande der Altstadt parken. Allerdings gibt es keine Dauerparkplätze mehr in den städtischen Parkhäusern.

Einziges Parkhaus, das sich rechnet

Das Parkhaus Holstentor wird vom städtischen Koordinierungsbüro Wirtschaft (KWL) betrieben. „Es ist das einzige städtische Parkhaus, das wirtschaftlich ist“, sagt Prokurist Ralph Bruns von der KWL. Insgesamt betreibt die KWL vier Parkhäuser. Daher meint er: „Der Standort am Holstentor kann so verkehrt nicht sein.“

Das Parkhaus Holstentor hat 525 Stellplätze. Davon sind 132 als Dauerparkplätze vermietet. Die durchschnittliche Belegung der freien 393 Stellplätze beträgt 30 Prozent. Allerdings: Dabei werden die Nachtzeiten und der Sonntag mitgerechnet. Zu Geschäftszeiten sind die Stellplätze zu 50 Prozent belegt. „Das ist eine recht gute Auslastung“, sagt Bruns.

In der Spitze sind während der Geschäftszeiten sogar 75 Prozent der Stellplätze genutzt. Als Geschäftszeiten gelten montags bis sonnabends von 9 bis 18 Uhr. Im Vorfeld hatte es eine Debatte über die korrekte Belegung des Parkhauses gegeben.

Daher sagt Lötsch: „Es ist die falsche Entscheidung, in einem neuen Parkhaus die Parkplätze zu reduzieren.“ Zustimmung kommt von den Unabhängigen. „Ich sehe auch, dass wir einen Neubau brauchen“, erklärt Frank Müller-Horn. Aber: „Ist das wirklich der richtige Ort?“

Grüne: Das ist keine Verkehrswende

Kritik kommt von Grünen, Linken und GAL. „Keine andere Stadt baut direkt am Wasser Parkplätze“, ärgert sich Ragnar Lüttke (Linke). Er lehnt einen Neubau rundweg ab. „Das sind 16 Millionen Euro“, kritisiert er die horrenden Summe. Er bezweifelt, dass die Altstadt-Bewohner Dauerparkplätze in den Parkhäusern mieten. Es seien vielmehr diejenigen, die in der Altstadt arbeiten.

Das sagen die Politiker zu einem Neubau.

Die Grünen sehen einen Neubau ebenfalls kritisch, denn dieser soll direkt vor der Altstadt entstehen. „Soll das Bauwerk noch höher errichtet werden?“, will Arne-Matz Ramcke wissen. Denn es sollen 25 Stellplätze mehr gebaut werden, als es jetzt gibt. Und tiefer in den Boden kann das Parkhaus nicht gebaut werden, weil es an der Trave liegt. Ramcke fordert: „Wir wollen eine echte Verkehrswende.“

Klappt das Parkhaus zusammen?

Das Problem: Niemand weiß, wie lange das Parkhaus Holstentor noch durchhält. „Unser Problem ist die Restlaufzeit“, sagt Senatorin Joanna Hagen (parteilos). Denn das Bauwerk von 1992 ist von Betonkrebs zerfressen. Unklar ist aber, wie sehr der Krebs bereits die Statik angegriffen hat. Hagen: „Beton ist nicht transparent.“ Das Parkhaus sei so kaputt, dass eine Reparatur des Gebäudes nicht mehr lohnt. Daher plädiert die Senatorin ebenfalls für einen Neubau: „Unsere Empfehlung geht dahin, nicht zu sanieren.“

Von Josephine von Zastrow