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Lübeck Norddeutsche und dänische Studenten diskutieren über Europa von morgen
Lokales Lübeck Norddeutsche und dänische Studenten diskutieren über Europa von morgen
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16:30 08.05.2019
In welche Richtung soll sich Europa in Zukunft entwickeln? Deutsche und dänische Studenten können sich ein Leben ohne EU nicht vorstellen, wollen aber besser über politische Prozesse informiert werden. Quelle: Agentur 54°/Felix König
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Lübeck

Wie soll das Europa von morgen aussehen? Darüber haben diese Woche Studierende aus Lübeck, Kiel und Dänemark diskutiert. 20 junge Menschen kamen nach Lübeck. Neben einem Besuch des Europäischen Hansemuseums und dem LN-Verlagsgebäude stand eine Diskussion zur EU an der Universität Lübeck im Zentrum der Begegnung.

Zentrale Themen waren Klimawandel, Chancengleichheit, nationalistische Bewegungen und Flüchtlingspolitik. Einig sind sich Dänen wie Deutsche: Die Europäische Union ist heutzutage nicht wegzudenken – muss sich aber weiterentwickeln.

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„Ich bin ganz klar EU-Befürworter“, sagt etwa Kalle Grøndahl (23), der Sozialwissenschaften an der Universität Roskilde studiert. Allerdings müsse die EU besser darin werden, die Bürger zu erreichen. Ähnlich sieht das Liv Steinebach (25), die Skandinavistik in Kiel studiert. „Als junge Person profitiere ich ganz stark von Austauschprogrammen wie Erasmus“, sagt die 25-Jährige. „Meine Lebensrealität passt aber mit der politischen Kommunikation der EU kaum zusammen.“

Negativ-Schlagzeilen dominieren EU-Wahlkampf

Die Studierenden finden: In den Medien seien häufig Negativ-Schlagzeilen zu hören – Brexit, die gescheiterte Flüchtlingspolitik an den EU-Außengrenzen, gescheiterte Klima-Gesetze wegen fehlendem Konsens zwischen den Nationalstaaten. „Es fehlt eine gemeinsame Erzählung von Europa“, sagt Politikstudent Marius Sibbel aus Kiel.

In welche Richtung soll sich Europa in Zukunft entwickeln? Darüber haben Studenten aus Lübeck, Kiel, aus dem dänischen Roskilde und Naestved diskutiert. Ein Leben ohne EU können sie sich nicht vorstellen, wünschen sich aber bei vielen Themen eine Veränderung.

Wichtige Themen aus dem EU-Wahlkampf würden in der Öffentlichkeit kaum thematisiert – etwa zur Finanztransaktionssteuer oder zum Aufbau einer europäischen Armee. Eine Gefahr: „Es wird nach wie vor national gedacht“, sagt der 28-Jährige. Das sei gerade in Bezug auf die Flüchtlingspolitik fatal. „Es darf uns nicht mehr egal sein, dass Menschen im Mittelmeer auf Schlachbooten ertrinken und die Seenotrettung kriminalisiert wird“, sagt Sibbel.

Geschichtsstudent Tim Jarchau aus Kiel würde ein Europa mit stärkerer Sozialpolitik befürworten, statt sich als eine rein wirtschaftliche Interessengemeinschaft zu verstehen. „Wir müssen die Chancengleichheit stärken“, sagt der 24-Jährige, „zum Beispiel mit einem europaweitem Mindestlohn.“

Deutsche und Dänen zusammenbringen: das BeltMedia Lab

Eingeladen wurden die Studierenden aus Lübeck, Kiel, Roskilde und Naestved vom BeltMedia Lab. Das ist ein Zusammenschluss zwischen Medienhäusern aus Norddeutschland und Dänemark: den Lübecker Nachrichten, Kieler Nachrichten, Lollands Folketidende und Sjaellandske Mediier. Bei Projekten werden sie unterstützt von der Entwicklungsgesellschaft Femern Belt Development.

Der Hintergrund: Deutschland und Dänemark trennen zwischen Fehmarn und Lolland nur 19 Kilometer Ostsee. Ein Tunnel soll eines Tages beide Regionen der Fehmarn-Belt-Region miteinander verbinden. Wie nah die Länder sich heute schon sind, versuchen die Chefredakteure der Regionalzeitungen mit Projekten herauszufinden.

Viktor Bukhave von der Zealand Business School im dänischen Naestved ist da anderer Meinung. Ein einheitlicher Mindestlohn schade der Wirtschaftlichkeit. „Man sollte eher in Bildung nach europaweiten Standards investieren“, sagt der 18-Jährige. In Dänemark unterstütze der Staat finanziell bei Ausbildung und Studium, das müsse in allen EU-Ländern Standard sein.

Fehmarn-Belt und „Fridays for Future“: Deutsche und dänische Studierende rücken enger zusammen

Ein europäisches Großbauprojekt, das Dänen und Deutsche näher zusammenbringen soll, ist der geplante Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Rødby und Puttgarden. Die Sicht der Dänen auf den geplanten Tunnel sei viel entspannter als auf deutscher Seite, sagt Frederikke Hulbaek (18) aus Naestved. „Viele Einkaufstouristen freuen sich, dann günstiger Bier und Sprudel zu kaufen.“ Der Lübecker Psychologiestudent Christian Landau sieht beim Tunnel nicht nur Vorteile wirtschaftlicher Natur. „Es wird dann viel einfacher, unsere Nachbarn zu besuchen“, sagt der 27-Jährige. Nur mit einer guten Infrastruktur könne Europa zusammenwachsen.

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Dass junge Menschen europaweit an den Fridays for Future-Demonstrationen teilnehmen, begrüßen die meisten. „Wir sind die Generation, die etwas in Europa verändern kann“, sagt die Lübecker Studentin Anna Tietjen.

Nach der Diskussionsrunde mit den Studierenden aus Kiel und Dänemark berichtet die 26-Jährige: „Ich war sehr begeistert, wie ähnlich doch alle gedacht haben.“ Alle hätten das Gefühl, der Zusammenhalt in der EU müsse mehr gefördert werden. „Die Debatte war sehr interessant“, sagt auch Frederikke Hulbaek (18) aus Naestved. „Ich habe viel über die Perspektive anderer auf Klimawandel und Fehmarnbelt gelernt.“

Mehr Europa wagen: Studierende sind sich einig

Kalle Grøndahl (23) fasst zusammen: „Es war interessant, die ganzen Vorschläge dazu zu hören, wie man Europa erneuern und verbessern kann.“ Und für den Lübecker Psychologiestudenten Christian Landau steht nach der Diskussion sein nächstes Urlaubsziel fest: „„Ich möchte ganz bald wieder Urlaub machen in Dänemark, weil ich die Leute dort sehr sympathisch finde“, sagt der 27-Jährige. Ein Satz, der nach der Diskussion bei ihm hängengeblieben ist: „Die Zukunft liegt für uns in Europa und nicht in den einzelnen Nationalstaaten.“

Von Saskia Bücker

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