Lübeck: Paar muss Diamanthochzeit wegen Corona-Beschränkungen getrennt feiern
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Lübeck Wegen Pandemie-Beschränkung: Paar muss Diamanthochzeit getrennt feiern
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Lübeck: Paar muss Diamanthochzeit wegen Corona-Beschränkungen getrennt feiern

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06:00 26.06.2020
Gute Miene zum einsamen Ehe-Jubiläum unter Corona-Bedingen: Ursula Schidlowski (84) blättert zur „Solo-Diamanthochzeit“ im Fotobuch, das bei der Goldenen Hochzeit vor zehn Jahren entstand. 
Gute Miene zum einsamen Ehe-Jubiläum unter Corona-Bedingen: Ursula Schidlowski (84) blättert zur „Solo-Diamanthochzeit“ im Fotobuch, das bei der Goldenen Hochzeit vor zehn Jahren entstand.  Quelle: Andreas Oelker
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Wie die Zeit vergeht. Vor zehn Jahren feierten Ursula und Horst Schidlowski noch ihre Goldene Hochzeit „mit allem Drum und Dran“. Ein buntes Fotobuch dokumentiert den Festtag eindrücklich. Doch das 60-jährige Ehejubiläum musste die mittlerweile 84-jährige Ur-Moislingerin jetzt ohne ihren Ehemann feiern. Immerhin war sie nicht allein. Denn neben ihren Söhnen Dirk (59) und Frank (50) mitsamt Anhang und drei Enkeln kam nachmittags auch ihre „kleine“ Schwester Monika Bergmann (75) mit einer frischgebackenen Erdbeertorte zu Besuch.

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Mit Infektion vom Seniorenhaus in die Sana-Klinik verlegt

Der ebenfalls 84-jährige Horst Schidlowski ist aufgrund fortschreitender Altersdemenz mit Pflegegrad 5 bereits seit knapp drei Jahren im Seniorenhaus Hinrichs an der Moislinger Aue untergebracht. Dass seine Ehefrau ihn zur Feier des Tages „noch nicht einmal aus der Ferne“ besuchen konnte, lag nicht nur an den seit März geltenden Pandemie-Beschränkungen. „Mein Mann hat sich leider eine Infektion zugezogen, so dass er vor einer Woche in die Sana-Klinik verlegt wurde“, sagt die Jubilarin. „Dort kann er wegen Quarantäne-Vorschriften erst recht nicht besucht werden.“

Körperliche Nähe kann fehlende Worte ersetzen: Horst und Ursula Schidlowski – hier ein zweisames Bild aus Vor-Corona-Tagen – müssen bereits seit Mitte März unter der rigorosen Corona-Kontaktsperre leiden. Quelle: Privat/HFR

„Der Ehepartner fehlt – gerade heute natürlich“

Ursula Schidlowski hat ihren im ostpreußischen Allenstein geborenen Mann 1958 bei gemeinsamen Stadtwerke-Busfahrten zur Büroarbeit in der Innenstadt kennen- und bald darauf auch lieben gelernt. Sie gesteht: „Wenn man über sechs Jahrzehnte immer alles gemeinsam gemacht hat, immer zusammen war und sich nie wirklich gestritten hat, dann darf man wohl sagen, dass einem der Ehepartner fehlt – gerade heute natürlich.“

Letztes Mal Mitte März Händchen gehalten

„Seit mein Mann im zum Glück nur 500 Meter entfernten Seniorenhaus lebt, habe ich ihn bei Wind und Wetter mit dem Rollator besucht – meistens nachmittags für zwei Stunden, um ihm dann auch beim Abendbrot helfen zu können“, erzählt die 84-Jährige. Aber das sei leider seit den Corona-Maßnahmen nicht mehr gegangen. „Das letzte Mal richtig gesehen und auch Händchen gehalten haben wir uns Mitte März.“ Danach hätten vereinzelte Treffen nur noch im Besucherpavillon mit einer Trennscheibe aus Plexiglas für 20 Minuten oder aus der Ferne vom Parkplatz aus stattfinden können.

Blickkontakt aus der Ferne: Aufgrund der Pandemie-Beschränkungen konnten sich Ursula Schidlowski (84) und ihr Ehemann Horst (84) im Seniorenhaus Hinrichs an der Moislinger Aue zuletzt nur vom Parkplatz aus oder von einer Plexiglasscheibe getrennt im Besucherpavillon sehen   Quelle: Privat/HFR

„Körperlichkeit für Kommunikation unheimlich wichtig“

Ihr Sohn Frank Schidlowski verdeutlicht: „Zumal mein Vater sich ja auch gar nicht mehr mitteilen kann, ist die Körperlichkeit für die Kommunikation zwischen meinen Eltern unheimlich wichtig. Dass das alles nun schon über Monate hinweg unmöglich ist, verschlimmert die Misere natürlich noch.“

„Was nützt alles Jammern und Klagen?“

Doch seine Mutter gibt sich kämpferisch. Ursula Schidlowski macht gute Miene zur misslichen Lage. „Was nützt alles Jammern und Klagen?“, fragt sie. „Ich hoffe einfach darauf, dass mein Mann nach überstandener Infektion wieder in sein Zimmer an der Moislinger Aue zurückverlegt wird, die Corona-Beschränkungen irgendwann aufgehoben werden und wir uns dann wenigstens draußen bei einer Tasse Kaffee wieder an die Hand nehmen und die Diamanthochzeit nachfeiern können.“

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Von Andreas Oelker