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Lübeck Ortsbesuch: Altstadt-Feuer hält Feuerwehr in Atem
Lokales Lübeck Ortsbesuch: Altstadt-Feuer hält Feuerwehr in Atem
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22:18 24.09.2018
Die Löscharbeiten dauerten bis Montagmittag an. Quelle: Sabine Risch
Innenstadt

War es fahrlässige Brandstiftung, die in dem Altstadthaus Wakenitzmauer 3 am Sonntagabend ein Feuer verursachte? Die Kriminalpolizei hat jedenfalls Ermittlungen in diese Richtung aufgenommen. 14 Bewohner, darunter Kinder, verließen das Haus rechtzeitig, eine Bewohnerin musste über die Drehleiter aus der vierten Etage gerettet und wegen Verdachts auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden.

Die Beobachtung eines Augenzeugen, im Dach des Hauses hätten sich provisorische Wohnungen befunden und es seien deutlich mehr Menschen aus dem Haus gerettet worden, konnte die Feuerwehr nicht bestätigen.Die Löscharbeiten dauerten die ganze Nacht hindurch und zogen sich über den gesamten Montagvormittag hin.

Klicken Sie hier, um weitere Fotos vom Brand in der Lübecker Innenstadt zu sehen.

Viele Glutnester

Es ist 11.45 Uhr am Montagmorgen. Immer noch ist die Feuerwehr vor Ort. Die Dachpfannen sind heruntergeschlagen, doch immer noch dringt Qualm aus dem Dach des Hauses. „Es gibt Glutnester in den Dächern, an die wir schlecht herankommen“, sagt Einsatzleiter Tobias Beyer.

Er schätzt, dass die Feuerwehr etwa eine Stunde später wieder abrücken kann, „aber danach werden wir noch regelmäßig kontrollieren.“ Die erste Kontrolle um 15 Uhr ist ohne Ergebnis, auch um 16.30 Uhr geht die Feuerwehr noch einmal mit Wärmebildkameras in das Brandhaus und setzt die Kontrollen bis in den Abend fort.

Brandmauer schützte Nachbarhaus

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Der Nachrichten-Ticker vom Feuer zum nachlesen.

Löschwasser-Schaden in der Wohnung: Studentin steht auf der Straße.

Das Feuer in der Lübecker Altstadt hat Anne Faber (22) um fast ihren ganzen Hausrat gebracht. Das Löschwasser durchnässte ihre Wohnung, alles riecht nach Qualm. Die Studentin muss nun eine neue Bleibe suchen. Und doch ist sie froh, dass offenbar keine Menschen ernsthaft verletzt wurden.

Ein älteres Ehepaar steht auf der Straße, ab und an sprechen Hartwig und Friedgard Steinfeldt mit Bewohnern des Brandhauses und mit denen des äußerlich unversehrten Hauses Wakenitzmauer 1b. „Beide Häuser“, sagt Hartwig Steinfeldt, der seit vielen Jahren in Stockelsdorf lebt, „gehörten unseren Großeltern, ich bin in der 1b aufgewachsen.“ Das Brandhaus gehöre inzwischen seinem Neffen Nils Steinfeldt, der zwar am Vormittag vor Ort war, aber nun unterwegs und nicht erreichbar ist. Onkel Hartwig ist „heilfroh, dass eine Brandmauer zwischen beiden Häusern ist, sonst hätte unser Haus auch gebrannt.“

Eine Erfahrung, die er vor 20 Jahren machen musste: „Damals brannte nur der Dachstuhl, glücklicherweise gab es keinen Personenschaden.“ Nach dem Feuer habe er sein Haus umfassend saniert. Jetzt steht Löschwasser im Keller, einige Habseligkeiten seiner Mieter sind davon betroffen. „Nehmen Sie sich ein Hotelzimmer, das zahlt die Versicherung“, ruft er einem Mann zu, der nach einer Bein-OP im Rollstuhl sitzt und aus dem Hinterhof des Brandhauses kommt.

Tapeten fallen von den Wänden

Wenig später erscheint auch Benjamin Leitz in Gummistiefeln und schwer bepackt auf der Straße. „Als das Feuer ausbrach, war ich nicht zu Hause“, sagt der 26-Jährige, „aber ich bin dann später nochmal hierhin.“ Seine Wohnung im ersten Stock sei komplett durchnässt, „die Tapeten fallen von den Wänden – ich ziehe jetzt erst einmal zu Mutti und Vati.“ Während das Vorderhaus vorerst unbewohnbar ist, können die Mieter im Hinterhaus bleiben. Auch die beiden Nachbarhäuser sind bewohnbar, wenn auch durch Löschwasser leicht mitbetroffen.

Bewohner Benjamin Leitz (26) zieht zu seinen Eltern. Quelle: Sabine Risch

Ausgebrochen war das Feuer gegen 19 Uhr am Sonntag, bei der Feuerwehr gingen gleich mehrere Notrufe ein. Die Berufsfeuerwehr löste schnell das Szenario „MANV“ – Massenanfall von Verletzten – aus. Zu Beginn des Einsatzes waren neben zwei Löschzügen der Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Wehren aus dem Stadtgebiet – alles in allem rund 80 Feuerwehrleute – auch neun Rettungswagen, zwei Notärzte und ein leitender Notarzt vor Ort.

Feuer in der Küche

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montagmittag mitteilen, ist das Feuer höchstwahrscheinlich in einer Küche in der dritten Etage entstanden. Zwischen dem dritten und vierten Geschoss ist die Decke eingestürzt, auch Teile der Dachkonstruktion. Im vorderen Bereich ist das Gebäude unbewohnbar. Die Schadenshöhe beziffert die Polizei nach einer ersten Einschätzung auf rund 500 000 Euro.

Keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung

Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung oder vorsätzliches Fremdverschulden konnten die Ermittler nicht finden. Fahrlässige Brandstiftung – wie zum Beispiel der auf dem eingeschalteten Herd vergessene Kochtopf oder unachtsames Hantieren mit Feuer – ist nach derzeitigem Ermittlungsstand die wahrscheinlichste Brandursache.

Von Sabine Risch