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Lübeck Willy-Brandt-Schüler nehmen die Macht der Verschwörer unter die Lupe
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Lübeck: Schüler klären auf - was steckt hinter Verschwörungstheorien?

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11:07 30.10.2021
Projektleiterin Hannah Rau (hinten links) und Lehrerin Carmen Raithel schauen zu, wie Tina (14, vorne links) und Zilan (14) ihren Text vortragen. Die Mitschüler und Mitschülerinnen der 8a der Willy-Brandt-Schule schauen auf dem Schulhof zu.
Projektleiterin Hannah Rau (hinten links) und Lehrerin Carmen Raithel schauen zu, wie Tina (14, vorne links) und Zilan (14) ihren Text vortragen. Die Mitschüler und Mitschülerinnen der 8a der Willy-Brandt-Schule schauen auf dem Schulhof zu. Quelle: Cosima Künzel
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In der Willy-Brandt-Schule haben sich Achtklässler in einem Projekt mit dem Thema Verschwörungstheorien auseinandergesetzt. Sie haben eigene Geschichten verfasst und den kritischen Umgang mit solchen Theorien im Alltag geprobt. Die Initiatorinnen möchten den Workshop „#WiederVerstand2020“ auch in anderen Schulen anbieten.

Tina und Zilan (beide 14) stehen sich auf dem Schulhof gegenüber. Die Schülerinnen haben sich eine Verschwörungstheorie darüber ausgedacht, warum Menschen Allergien bekommen. „Ich habe gehört, dass Allergien über Verwünschungen entstehen“, erzählt Tina ihre fiktive Geschichte. Andere Achtklässler erzählen von Aliens, verrückten Träumen oder der drohenden Zerstörung des Mondes. Die Storys sind so formuliert, dass sie richtig wahr klingen.

 

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„Das Projekt ,#WiederVerstand2020’ nimmt die zersetzende Energie von Verschwörungstheorien auf“, erklärt Hannah Rau, Projektleiterin und „Wortwerkerin“ der Lübecker Wort-Werft. Sie ist außerdem, ebenso wie Lehrerin Carmen Raithel, Kulturvermittlerin für das Land Schleswig-Holstein, das auch Fördermittel für die Durchführung des Workshops zur Verfügung stellt. Laut Rau ist der Titel des Medien- und Schreibworkshops „eine Anspielung auf eine der Querdenker-Bewegungen: Widerstand2020“. Der Titel verwende einen Hashtag, der als Entgegnung auf diese Entwicklungen in Online-Netzwerken wie Twitter oder Instagram entstanden sei, sagt sie. „#WiederVerstand2020 begegnet den Verschwörungstheoretikern mit Medienbildung und Lehren von Wissen um größere Zusammenhänge der Entstehung solcher Theorien“, betont Rau.

Sie arbeiten mit Texten der Bundeszentrale für politische Bildung

Hannah Rau und Carmen Raithel hinterfragen mit den Schülern der Willy-Brandt-Schule verschiedene Verschwörungstheorien. Sie erarbeiten mit Materialien der Bundeszentrale für politische Bildung eine Prüfliste, die die Geschichten „in all ihren Dimensionen entlarvt“. „Außerdem wird mit den Schülern besprochen, wie man mit Menschen spricht oder in sozialen Netzwerken reagiert, wenn jemand solchen Theorien anhängt“, erklärt Rau.

Das Projekt umfasst zwölf Stunden, verteilt auf drei Tage. Eingebunden ist auch Jan Skudlarek, Autor des Sachbuches „Wahrheit und Verschwörung. Wie wir erkennen, was echt und wirklich ist“. Sein Vortrag wird per Video-Call in den Klassenraum übertragen, damit die Achtklässler mit ihm ins Gespräch kommen können.

Am Abschlusstag erzählt Tina, dass ihr das Projekt „sehr gut gefallen“ habe. „Ich weiß jetzt, was eine Verschwörungstheorie ist und wie ich sie erkenne“, sagt die Schülerin. Für Zilan war es spannend, eine Verschwörungstheorie selber zu schreiben und die Merkmale zu kennen. „Jetzt falle ich bestimmt nicht auf so etwas rein“, sagt die 14-Jährige.

Von Cosima Künzel